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Hett  de  Koh  'n  Schwanz  verlor'n,
denn  markt  s'  east,  woto  he  got  was.
Auch  die  guten  Freunde  kennen  ihn  nicht  mehr,
und  wo  er  anklopft,  wird  ihm  nicht  aufgetan.
Freunde  in  der  Not
gehn  zehn  auf  ein  Lot.
Wieder  ist's  bei  ihm,  wie  einst  zu  Anfang  seiner
Che:
Dor  is  dat  leewe  Brot  nich,
he  hett  nicks  to  biten  un  to  bräken.  69)
Und
Wenn't  all  is,  het  de  Mund  Fierabend.
Damals  half  ihm  sein  treues  Weib  die  Sorgen  tragen.
  Aber  die  Zeiten  sind  vorüber:;
Se  mütt  de  Supp  utäten,
de  he  sick  inbrockt  hett.
Wer  will's  ihr  da  verdenken,  daß  sie  über  dem
Verfall  ihres  Wohlstandes  verbittert  ist  und  ihrem
Unmut  oft  in  harten  Worten  Luft  macht?
He  kriggt  dat  Evangilgen  mit  de  Utlegung  to
hüren.  70)
Und  er  bleibt  ihr  nichts  schuldig.
Twe  harte  Steen  mahlen  nich  got  tosam.
Se  schellen  sick  as  de  Ketelflickers.
Wenn  de  eene  hü  will,
denn  will  de  anner  hott.
Sie,  die  einst  so  treu  zusammenhielten,
sick  jetzt
As  de  Antvagel  de  Kauh,
stahn  sick  as  Wind  un  Sandbarg,
lewen  as  Katt  un  Hund.
Find't  sich  erst  die  Not  im  Haus,
geht  die  Liebe  zum  Fenster  hinaus.
Und  wo  Mann  und  Frau  sich  zanken,  da  bleiben
gewöhnlich  die  „Ehdüwel“  nicht  aus,  die  noch  Oel
ins  Feuer  gießen.  Die  Mutter  des  Mannes  überhäuft
  die  Schwiegertochter  mit  Vorwürfen,  die  Mutzter
  der  Frau  den  Schwiegersohn.  Umd
Wo  drei  Frauen  in  einem  Hause  sind,
da  sind  zwei  zu  viel.
Der  Mann  tobt  und  flucht:
Wenn  der  Teufel  nicht  selber  kommen  kann,
so  schict  er  einem  die  Schwiegermutter
Haus.  71)
Die  Frau  setzt  den  Trumpf  dagegen:
Maasmauder  (-Mannsmutter)  is  dem  Düwel
sim  Unnerfauder!  72)
Bald  kommt  es  zu  Tätlichkeiten.
Wor  Gild  is,  dor  is  de  Diwel;:
o  wor  kein  is,  dor  is  hei  nägenmal.

gliken.

ins

69)  Junger  Schlemmer,  alter  Bettler.
70)  Sie  liest  ibm  die  Leviten.
71)  Wo  zwei  Frauen  im  Haus,
da  ist  schon  eine  zuviel,
und  kommt  die  dritte  dazu,  ?
da  hat  der  Teufel  sein  Spiel.
72)  Von  unbequemen  Verwandten  sagt  man:
Bis-à-Lis  ist  bäter  as  dichte  bi.

Unser  Pommerland

Wenn  de  Trog  lerrig  is,  denn  gnappen  sick  de
Schwin;

Wenn't  Fleisch  up  is,  bilten  sich  de  Hunden  um

de  Knaken;

Bi  leddige  Krübben  (-Krippen)  slahn  sick  de

Peerde.  73)
Im  Dorfe  sagt  man  achselzuckend:

Pack  schlögt  sick,  Pack  vedrögt  sick.  74)

Macht  aber  einer  dem  Bauern  Vorhaltungen,  so  erwidert
  er  mit  häßlichem  Lachen:

En  unflagen  Wif  is  as  en  unsoiten  Kohl.
oder

Dat  sett  frische  Lew.
und  setzt  mit  bösem  Scherz  hinzu:

As  min  Ollsch  noch  min  Brut  was,

harr  ick  se  binah  vör  Leew  upfräten,

un  nu  —  deet  mir't  leed,

dat  ick  dat  nich  dahn  heww.  75)

Tut  er  dann  einmal  im  Beisein  anderer  freundlich
zu  seiner  Frau,  so  flüstert  sie  wohl  bitter  einer
Freundin  zu:

Kik  de  Schlag!  Nu  makt  he  sich  so  fin  as

Muspiß,

un  t’  Hus  is't  de  reene  Düwel.

So  leben  sie  in  Feindschaft  und  Zwist  kümmerlich
  dahin.  Eine  Besserung  seiner  Verhältnisse  erwartet
  der  Bauer  nur  noch  von  einem  baldigen
Tode  seiner  Frau  und  einer  neuen  reichen  Heirat:

Wenn  d'  Beena  god  schwarma

un  d'  Fruggas  god  starwa,

dat  giwwt  rik  Maas.  760)

Jahre  vergehen.  —  —  —

Es  ist  Herbst.  Nach  trüben  stürmischen  Tagen
lacht  wieder  einmal  die  liebe  Sonne.  Vor  dem
kleinen  Häuschen,  das  die  Bauern  am  Ende  des

73)  Wenn  de  Kumm  leddig  is,

denn  gnappen  sich  de  Peer.
Aehnlich  auch:

Twei  Hunden,  die  an  einen  Knaken  nagen,

känen  sich  nich  tosam  verdragen.

74)  Lumpenpack  schlägt  sich,  Lumpenpack  verträgt

  sich.

Hackpack  schlägt  sich,  Hackpack  verträgt  sich.
Eine  scherzhafte  Schilderung  dieser  Zustände  enthält
  die  Redensart:

Wo  ma  dréwe  ka,  da  ma  dröwe  mag:

Votte  schlög  Modra,  Mode  schlög  mi,

u  ick  schlög  klea  Farka  (-Ferkel).

75)  Diese  volkstümliche  Regensart  hat  Friedrich
Wilhelm  IV.  gekannt,  wenn  anders  er  wirklich  in
der  Konfliktszeit  gesagt  hat:  „Bei  meiner  Thronbesteigung
  hätten  mich  die  Berliner  beinahe  vor  Liebe
aufgefressen:  num  tut's  ihnen  leid,  daß  sie  es  nicht
getan  haben.“

76)  Wenn  da  Frues  oft  starwa

o  da  Imma  gaud  schwarma,
dat  ward  a  rik  Mann.
Denn
Va  eene  Koh  ka  ma  nich  veil  Botte  bottra.