Die  ungeschlagene  Schlacht  bei  ATrkona  1848.

Eine  Erinnerung  aus  alter  Zeit

Lieber  Leser!  Ehe  du  dich  daran  machst,  das
solgende  Stückchen  heiterer  Kriegsgeschichte  aus  alter
  Zeit  zu  lesen,  laß  dich  für  einige  Augenblicke
hinf  ihren  in  ein  einfaches,  niederes  Häuschen  am
Breeger  Bodden.

Dort  konntest  du  noch  vor  Jahresfrist  Tag  für
Tag  eine  alte  Frau  am  Fenster  sitzen  sehn,  eifrig
gebeugt  über  eine  feine  Strickerei.  Wohl  hatten  Alter,
  Sorg  umnd  Müh  ihre  Runenschrift  in  das  alte,
feine,  von  schneeweißem  Häubchen  gerahmte  Gesicht
geschrieben,  aber  das  helle  Auge  strahlte  heitren
Abendsonnenschein  und  gerne  setzte  man  sich  zu  ihr,
um  ein  wenig  bei  ihr  auszuruhen  und  sie  zu  bitten
  zu  erzählen.  Ja  erzählen!  Wie  konnte  sie
das!  Es  war  erstaunlich,  wie  diese  einfache  Frair
aus  dem  Volk,  die  an  Schulbildung  nur  das  leichte
Pöckchem  mitbekommen  hatte,  mit  dem  man  ein
Dorfschulmädelchen  vor  70  Jahren  nicht  eben  sehr
beschwerend  auszurüsten  pflegte,  das  verstamnd!  Man
sagte  sich:  Hier  hat  sich  ein  Talent  in  der  Stille
gebildet  und  ist  in  der  Stille  geblieben,  das  umter
günstigeren  Verhältnissen  sie  vielleicht  zur  beliebten
Schriftstellerin  gemacht  haben  würde.  —  Und  nun
hat  sich  in  ihrem  Nachlaß  (im  August  vorigen  Jahres
  ist  sie  nach  kurzer  Krankheit  heimgegangen))
wirklich  etwas  gefunden,  was  sie  niedergeschrieben,
ein  Stückchen  Kriegsgeschichte  aus  alter  Zeit,  das
sie  als  17jähriges  Mädchen  miterlebte.  Sie  hat  es
wohl  oft  erzählt,  aber  erst  wenige  Jahre  vor  ihrem
Tode  niedergeschrieben,  in  dem  ihr  geläufigen  pommersch-plattdeutschen
  Dialekt.  Es  wird  nun  htermit
dem  Druck  übergeben.  Ich  denke,  es  wird  interessieren,
  gerade  in  umsere  ernste  Kriegszeit  hinein
dies  Stückchen  aus  alten,  gemütlichen  Biedermannstagen
  zu  hören.  Wer  es  liest,  muß  aber  des  Plattdeutschen
  mächtig  sein,  oder  doch  es  sich  von  jemand
vorlesen  lassen,  der  es  versteht  —  sonst  ist  es  nichts.
Wer  es  aber  so  liest,  der,  denke  ich,  wird  sich
freuen  seines  deutschen  Volkes,  in  dem  alte  Weiblein
  so  zu  erzählen  verstehn.  —

M.  Breithaupt  -Altenkirchen.

Dat  de  Dänen  mit  den  Preußenkönig  sik  1848
üm  Schleswig-Holstein  vertürnen  deden  un  sik  den
Krieg  erklärten,  weet  woll  jeder.  Doch  de  ungeschlagene
  Schlacht  bi  Arcona  up  Witlow,  de  mücht
ick  hiermit  in  Erinnerung  bringen,  an  alle,  de  se
mit  erlewt  hebben  un  ok  noch  unner  uns  Lebenden
wielen.  Dat  März  Monat  in,  dit  Johr,  dat  so  väl

Von  Mathilde  Schwanz.

Unruh,  Gärung  un  Biwegung  hervörbröcht,  dat
woll  een  jeder  ängstlich  de  kamenden  Dingen  entgegen
  sach,  bröcht  uns  hier  up  Wittow  dörtig
Mann  Militär,  de  tweete  Landwehr-Mamschaft  un
ok  noch  twintig  Jäger.  De  irsten  würden  in  Ollenkirchen
  unner  Leutnant  von  Kahlen  sinen  Bifehl  inquartiert,
  de  Jäger  kehmen  nah  Gudderitz  un  würden
  dor  unnerbröcht.  Na,  disse  Truppen  sullen  nu
Schutz  vör  unse  Ostküst  wesen.  Dor  kehmen  denn
de  Landherren  mit  de  Dörpschulten  äwereen,  dor  de
Dän'  jo  ne  bedüdende  Seemacht  hebben  sull  un  he
Anstalt  makt,  hier  an  de  Küst  to  lan'n,  denm  wullen
  se  mit  alle  Mann,  de  se  upbringen  künnen,  de
Srldaten  to  Hülp  kamen.  Dormit  würden  denm
ling  un  lang  der  Küst  geteerte  Baken  upstellt  un  so
bald  de  feindlichen  Schäp  sik  to  Anker  läden  un
Angriff  ohre  Landung  maken  wullen,  denn  süll  dor
de  Bak  anstickt  warden  un  so  wieder  un  so  wieder,
bet  alle  Baken,  de  Küst  lang  brennten.  Dormit  süllen
  ok  de  Stormklocken  lürrt  warden  un  dem  wull
alls,  to  Wagen  un  to  Pird  to  Hülp  ihlen.  Bi  den
Kopellenbusch  dicht  vör  Ollenkirchen  würd  ok  sonne
Vak  upstellt  un  dat  wir  de  eenzigst  Deenst,  denn  de
Soldaten  hedden,  dat  se  dor  alle  Abend  up  Wach
tehn  müßten,  dormit,  wenn  de  Baken  an  de  Oewerkant
  brennen  würden,  dat  se  disse  denn  ok  anstickten.
  Na  unf’  Soldaten  ut  dat  tweete  Upgebott,  de
Hus  un  Hof,  Fru  un  Kind  in'n  Stich  laten  müßten,
  wiren  ok  sihr  verdreetlich  un  üm  de  Langewil
dod  to  flahn  un  ehre  Sorgen  und  ehren  verlaten
Husholt  to  vergäten,  ammesierten  sick  bi  Drunk  un
Kortenspill  bi  Gottlieb  Schwanz  un  Herrmann
Menk,  de  beiden  Wirtshüser  in  Ollenkirchen,  so  god
as't  gahn  wull.  So  lep  een  Dag  nah  'n  ammern
hen.

Wi  hedden  dit  Johr  eenen  mäglich  tidigen  Früh—
johr  un  so  kehm  de  Himmelfohrtsdag  heran.  Een
Weder  so  warm  un  schön  as  midden  in'n  Sommer.
Dor  hedden  sick  denn  ok  alle  Landwehr  un  Säger
dat  Amüsemang  hengäben.  Weck  wiren  bi  Gottlieben
  up  de  Kegelbahn,  ok  de  oll  dick  Untroffzirer
Witt,  de  fünst  Entspekter  to  Lanken  wir,  un  wat
de  Danzlustigen  wiren,  hedden  sick  nah  Julagusruh
makt.  Bi  oll  Bohlmannen  spelt  Jehann  Muttbroder
de  Vigelin  un  peddt  den  Takt  mit'n  Foot  dorto.
Wer  dacht  hüt  woll  an  den  Dänen?  Doch  des
Nahmdags  üm  Klock  fiv  herüm,  kümmt  een  Ertrabad
  von  oll  Schilling,  den  Lüchttormwächter  von
Arkona:  Dor  is  een  grotes  dänisches  Schipp  vör