ben  Schwägerin  nicht  zu  irren.  Sie  wird  alle
Pflichten,  die  sie  heut  vor  Gott  übernommen  hat,
liebevoll  erfüllen.“

„Ach,  Herr  Superndent,  sie  is  ja  meine  Braut
gewesen!“  kam  es  da  stöhnend  und  doch  sich  überstürzend
  von  Maltes  Lippen.

Der  Ausdruck  eines  wilden  Schmerzes  überflog
sein  ganzes  Gesicht.

Grell,  als  zerrisse  der  Blitz  plötzlich  die  Nacht,
so  daß  eine  weite  Strecke  unbekannten  Landes
schauerlich  erhellt  in  unseren  Blick  eingeht,  zuckte  es
vor  den  Augen  des  alten  Mannes  auf:  Welche  Tragödie!
  —  Welche  tiefschmerzliche  Tragödie  unter
dem  Strohdach  dieser  weltentlegenen  Hüttel

„Mein  armer  Maltel!“  sagte  der  Superintendent,
ganz  vergessend,  daß  er  grundsätzlich  seine  Konfirmanden
  in  späteren  Jahren  nicht  mehr  beim  Vornamen
  nannte.  „Nun  vollends,  Malte!  —  Nun
haben  Sie  zur  Ehre  Gottes  noch  ein  tatemreiches
Leben  vor  sich.  Täglich  haben  Sie  an  sich  und  anderen
  zu  arbeiten.  Machen  Sie  Ihr  Herz  umnd  Ihre
Augen  neidlos!  —  Das  ist  schwer.  Es  ist  entsetzlich
  harte  Arbeit  in  Ihrem  Falle.  Seien  Sie
die  moralische  Stütze  Ihrer  armen  Schwägerin!  —
Wollen  Sies

Sie  antworten  mir  nicht?  —
wollen?“

„Ich  will,  Herr  Superndent!“

Aug'’  in  Auge  sahen  sich  die  Mänmer  und  reichten
  sich  dabei  im  Geist  die  Hände.

In  der  Tat  legte  der  Geistliche  die  seine  nur
noch  abschiednehmend  auf  Maltes  Scheitel,  als
wolle  er  auch  ihn  heut  zu  etwas  einsegnen.

Als  er  wieder  auf  dem  Wagen  saß,  breitete  er
die  Decke,  in  die  er  sich  sonst  sorglich  einzuwickeln
pflegte,  lose,  wie  in  Gedanken,  über  die  Knie,  nahm
Jafür  aber  umständlich  seine  Brille  ab  und  wischte
ihre  Gläser  mit  dem  Taschentuch  wieder  blank.

Dann,  als  er  eben  schon  am  Hochzeitshause  vorüber
  war,  klopfte  er  dem  Kutscher-Pfarrpächter  auf
die  Schulter:

„Lieber  Herr  Kagelmacher!  Einen  Augenblick
noch!  —  Ich  habe  etwas  vergessen!  —  Möchten
Sie  noch  einmal  hier  halten?  Nur  auf  fünf  Minuten
  ungefähr.  Ich  muß  noch  einmal  zu  Beethmanns
  hinein.“

Und  wieder  kletterte  er  mit  einer  für  seine  alterssteifen
  Beine  jugendlichen  Eile  vom  Wagen.
Ebenso  schritt  er  den  Steindamm  zum  Hause  hinauf.
  Aber  die  Eile  war  eine  andere,  als  vorher
vor  Pipers  Tür,  da  er  so  zuversichtlich  einem  geraden
  Ziel  entgegenzugehen  glaubte.  Unruhige  Hast
mischte  sich  hinein,  und  der  weißhaarige  Kopf  u'-ter
  der  dicken  Pelzmütze  beugte  sich  weit  vornüber,
als  sinne  er  eifrig  über  etwas  nach.

Bei  Beethmanns  war  man  sehr  erstaunt,  als
auf  das  überraschende  Klopfen,  ganz  gegen  seine
Gewohnheit,  der  Superintendent  bei  der  Hocheeitstafel
  erschien.

Ja,  Malte,  Sie

Unser  Dommerland

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Jch  woüte  nur
dem  jungen  Paare

„Lassen  Sie  sich  nicht  stören!
nicht  so  vorbeifahren.  Möchte
noch  einmal  die  Hand  drücken!“

„Und  auf  ihr  Wohlsein  trinken?“  schmunzelte
Vater  Beethmann,  der  durch  das  festliche  Essen  und
wenn  auch  mäßige,  so  doch  andauernde  Durstlöschen
bereits  in  harmlos  gute  Laune  versetzt  war.

„Danke  sehr!  —  Danke  sehr,  lieber  Herr  Beethmann!
  Gute  Wünsche  steigen  auch  auf,  wenn  das
Glas  sie  nicht  begleitet.  Ich  bin  ein  wenig  eilig.
Also  noch  einmal:  Gottes  Segen,  lieber  Herr  Piper
  und  liebe  Frau  Piperl"

Das  junge  Ehepaar  war  aufgestanden  und  hatte
sich  nebst  Brautvater  an  den  anderen  Gästen  vorbei
bis  zur  Tür  gedrängt,  an  der  der  Superintendent
stand.

„Aber  woll'n  Sie  denn  nich  wenigstens  Platz
nehmen,  Herr  Superndent?“  bat  der  Hausvater.
„Nehmen  Sie  uns  doch  die  Ruh  nich  mit!  —  Jung
Volt!  Platz  machen!  Mielel  Jungens!
August,  du  Dickschnauzer!  steht  auf  für  den  Herrn
Superndenten!  Schockschwerenot,  is  das  ne
Art?“

„Ja,  Herr  Superndent!“  bat  nun  auch  Marielen
mit  leiser  Stimme.

Alle  Anwesenden  waren  glühendrot.  Nur  auf
ihren  Backen  lag  die  Farbe  wie  zarter  Hauch.  Ihr
einfaches  Gesicht  hatte  etwas  rührend  Vergeistigtes.

Fest  drückte  ihr  der  alte  Herr  die  Hand.  „Ich
danke  heut,  liebe  Frau  Piper.  Aber  in  Ihrer
eigenen  Häuslichkeit  will  ich  bald  einmal,  wenn  ich
Zeit  habe,  Ihr  Gast  sein.  —  Gottes  Segen  für
Ihren  Hausstand!  Für  Haus  und  Herzl!  —
Und  nun  bleiben  Sie  hübsch  in  der  warmen  Stubel
—  Auf  dem  Flur  ist  es  eisig,  und  Sie  sind  leicht
gekleidet.“

Fast  mit  Gewalt  schob  er  sie  zurück.

„Leben  Sie  alle  wohl!“  rief  er  noch  ins  Zimmer
  hinein.  Dann  ließ  er  sich  nur  von  den  beiden
Männern  hinausbegleiten.

„Schnurrig!  Was  der  woll  noch  wollt?  —  Er
hatt  ja  doch  oben  all  so  schön  geredt!“  bemerkte
Strohmeyer.  Und  der  alle  Rotsprack  mit  dem  Adlerprefil
  und  den  vom  Wirbel  in  die  Stirn  gebürsteten
  drei  Haaren  entgegnete  bissig:  „Geht  dich  das
was  an?  Dir  hat  er  ja  woll  nich  nachgefragt,  Jakob
  Strohmeyer?“

Indessen  hielt  der  Superintendent,  als  er  schon

–—

auf  der  Außenschwelle  stand,  noch  einmal  an:
„Gehen  Sie  zurück,  lieber  Herr  Beethmann!  Sie

sind  ohne  Kopfbedeckung.“  Und  im  Gegensatz  dazir
trat  er,  ihn  wie  zum  Bleiben  auffordernd,  bedeutungsvoll
  an  Gustav  heran:  „Sie  wilssen,  lieber
Herr  Piper,  wir  Männer  sollen  das  stärkere  Geschlecht
  sein.  Nicht  nur  körperlich  —  nein,  auch  an
Charakter.  Seien  Sie  immer  Halt  und  Stütze  Ihrer
lieben  Frau!  Und  wenns  nötig  ist,  haben  Sie
auch  Nachsicht  mit  ihr!  Wir  müssen  alle  nachsichtig
gegen  einander  sein,  wie  wir  wünschen,  daß  Gott
Nachsicht  mit  uns  übt.“