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„Aengsten  Sie  sich  nich,  Herr  Superndent!  Ich
werd  Marieken  Beethman  kein  Haar  nich  krümmen!“


„Nein,  das  werden  Sie  sicher  nicht!"

„Ne.  Warum  auch?  Sie  is  'n  gutes  Mädchen
und  u  fleibiges  Mädchen.“  —

Und  'n  hübsches  Mädchen!“  wolite  er  mit  einer
ihm  sonst  nicht  eigenen,  heut'  aber  durch  die  Tafelfreuden
  ruckweise  eingeflößten  Beredsamkeit  hinzusügen.


Noch  rechtzeitig  unterdrückte  er's.

„Meine  Frau  soll  gut  gehalten  werden,  Herr
Superndent.“

Und  er  lächelte  verschmitzt  um  die  Lippen  und
aus  den  kleinen  blitzenden  Augen,  und  warf  förmlich
  etwas  hochmütig  den  Kopf  auf  dem  zu  kurzen
Hals  in  den  Nacken.

„Ja,  ja,  ich  glaube  Ihnen!  Adieu,  Herr
Piper!  —  Ich  werde  Sie  recht  bald  einmal  besuchen.
  Grüßen  Sie  Ihre  liebe  Frau  nochmals
von  mir!  —  Nein!  Bringen  Sie  mich  nicht  an  den
Wagen!  Herr  Kagelmacher  ist  mir  behilflich.  Kehren
  Sie  hübsch  zu  Ihren  Gästen  zurück!“  —

Beethmann  hatte  trotz  der  Abwehr  des  Geistlichen
  auf  dem  Flur  gewartet,  bis  dieser  das  Haus
verließ.

„Da  hast  Du  recht  drin,  mein  Sohn,“  sagte  er
jebt  zu  Gustav,  während  sie  beide  gemächlich  in
die  backwarme  Stube  zurückkehrten,  „  n  gutes  Mädchen
  is  sie  —  und  'n  fleißiges  Mädchen.  Sie  wird
mir  schwer  abgehen!  —  Miiele  is  nich  halb  das.  —
Und  denn  erst  die  Jungens!  Jungens  sind  Taugenichtse
  von  Natur.  —  Nel  nich  halb  das  is  Miele,
wenn  sie  vielleicht  auch  noch'n  besseren  Kopf  zum
Lernen  hatl!“

„Na,  hartlernig  is  Marieken  auch
wesen!"“

„J  Gott
mein  Sohn!
'ne  Kulör
Mein  Dochter,
Hoch!“  —

„Marieken  Piper  heißt  sie  seit  heut  Mittag  Uhr
eins!“  warf  August,  sich  für  den  „Dickschnäuzer“  rä—
chend,  dazwischen.

„Marieken  Piper  soll  leben!“  schrie  es  im  Chor;
und  Gustav  kehrte  watschelnd  auf  den  Platz  neben
seiner  jungen  Frau  zurück.

Mit  einer  traumhaften  sah  diese
sich  rings  um.

Und  als  gleich  darauf  der  Braten  die  Runde
machte,  ergriff  sie  einen  Teller,  der  leer  unter  dem
ihren  stand,  und  füllte  ihn  bis  zum  Rande  mit
Fleisch,  Sauce  und  Kartoffeln.

„Miele!“  rief  ste.  Und  die  schon  Bescheid  wissende
  Schwester  gquetschte  sich  eilig  bis  hinter  ihren
Stuhl  durch.  „Da  Miele!  Das  bring  Malten
rüber!  Und  deck  das  auch  gut  zu,  daß  das  in  der
Luft  nich  abkühlt!“"

nich  gebewahre!
  Gott  soll  mich  bewahren,
Aber  das  is  ne  andere  Kulör  —  so
ins  Inwendige.  —  Hurra,  Kinders!
Marieken  Beethmann,  soll  lebenl

Freundlichkeit

Unser  Pommerland

„Na,  'ne  nüdliche  Porschion!“  meinte  Gustav.
„Aber  ich  will  dir  nich  im  Weg  stehen,  du  mußt
das  wissen;  denn  du  mußt  dich  einrichten.  —  Einrichten
  mußt  du  dich!“

„Ja,  das  will  ich  auch.“

„Bist  du  bes?  —  Sag,  Dirn!“  —

„Nein,  Gustav.“  —  —

Leise  ging  die  Tür  in  den  Angeln,  und  Marieken
  trat  mit  dem  Nachtisch  zu  Malte  in  die
Stube,  die  Frau  Strohmeyer  schon  vor  Stunden
erhellt  hatte.

„Ich  bring  dir  Apfeltorte,“  sagte  ste  mit  einer
Stimme,  die  weit  her  zu  kommen  schien,  fast  als

erklänge  sie  auf  einem  weltenfernen  Stern,  so  dat
der  Aufhorchende  wie  durch  ein  Wunder  plötzlich
das  Organ  bekam,  sie  zu  vernehmen.

„Vom  Braten  hast  du  nicht  viel  gegessen.
Halbe  steht  draußen.“

„Ich  dank  dir.  Marieken!  aber  ich  hab  nich  gekonnt.“


„Ich  auch  nich.  Ich  hab  auch  nich  viel  essen
lönnen.  —  Aber  der  Kuchen  schmeckt  dir  am  End!
—  Er  is  kühl  und  schön  saftig."

Damit  setzte  sie  sich  in  ihrem  Seidenkleid  an  sein
Bett,  schnitt  die  Torte  in  kleine  Stückchen  und
stecte  ihm  davon  eins  nach  dem  andern  in  den
Mund.

Er  aß  wie  im  Fieber  und  wagte  nicht,  aufzusehen.
  —  Trotzdem  wußte  er  genau,  wie  sie  aussah.


Als  erriete  sie  alle  seine  Gedanken,  erzählte  sie,
daß#  sie  Kranz  und  Schleier  drüben  gelassen  habe.
—  „Miele  will  sie  sich  aufheben.  —  Aber  mein
Kleid  heb  ich  selbst  auf.  Ich  hab  mich  so  damit
in  acht  genommen  und  die  anderen  haben  es  auch
geachtet.  Es  hat  nicht  einen  Fleck."

„Wo  is  Gustav?“

„Auf  der  andern  Seit.  In  unserer  Stube.  Vater
  hat  ihm  noch  die  angebrauchten  Flaschen  mitgegeben.
  Die  füllt  er  zusammen  und  setzt  sie  in'n
Schrank.“

„Marieken!“

„Jal“

„Der  Kuchen  is  zu  Endl!“

„Jal  Willst  du  mehr?“  fragle  sie  ganz  beglückt.

„Nein  —  ich  dank  dir,  Marieken!“

Das

„Ja,  Malte!  —  —  du!  Und  was  ich  noch  sagen
  wollt:  Nimm  Gustaven  nie  was  übel!  —  Wir
wollen  immer  Frieden  halten!  —  All  drei  miteinander.“


Sie  predigte  nicht,  und  sie  bat  kaum.  Es  war
auch  nicht,  als  äugere  sie  einen  eigentlichen  Vorsat.
  Wieder  redete  sie  leise  mit  einer  klingenden
und  doch  kein  Wort  betonenden  Stimme,  als  spräche
sie  aus  einer  anderen  Welt  heraus.  Aus  einer
Welt,  in  der  es  keine  Leidenschaften  mehr  gibt,  keinen
  Schmerz  —  aber  auch  keine  eigentliche  Freude
mehr.  —  Ste  sprach  von  einem  Zwang,  dem  sie
alle  unterworfen  seien.