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froren  sind?  Das  macht,  so'n  großer  Distelstrauch
stand  dicht  daneben,  der  hatt'  sie  woll  bedeckt.  Magst
du  sie  leiden?“

„Jal“"

„Dann  sollst  du  sie  haben.“

„Ich  danl  dir  auch  schön.  Setz  sie  worein  und
stell  sie  so  hin,  daß  ich  Stacker  sie  sehen  kann.“

„Aber  du  hast  hier  kein  richtig  Glas  dazu.
Wartl  ich  hab  ene  hübsche,  kleine  Vas’  drüben  bei
mir.  Die  will  ich  holen.“

Und  als  sie  diese  Vase  dann  in  seinen  Gesichtskreiv
  auf  die  Kommode  gesetzt  hatte,  versprach  sie:
„Wenn  man  erst  die  Schneeglöckchen  blühn,  paß  auf,
dann  bring  ich  dir  ordentlich  ne  Hand  voll!  In
unserm  Garten  —  und  das  war  immer  noch  der
Beethmannsche  —  „stehn  ste  in  dicken  Haufem  unterm
  Birnbaum.“

Jetzt  blühten  sie.  Und  eines  Tages  trat  die
junge  Frau  damit  an  Maltes  Bett.

Doch  in  dem  Augenblick,  da  sie  doch  nur  ihr
Versprechen  erfüllte,  wurde  sie  glühend  rot.  Die
träumerische  Entrücktheit,  in  die  ihr  großes  Lebensopfer
  sie  Monate  lang  emporgehoben  hatte,  war  von
ihr  gewichen.  An  die  Stelle  wunderbarer  Krast
war  Schwäche  getreten  —  an  die  des  Mutes  —
Furcht.

Die  allzuoffenbare,  die  buchstäbliche  Erdenschwere
ihres  Zustandes  hatte  sie  geweckt.

Sie  scheute  sich  vor  Malte.

Und  in  der  Scheu  lag  ein  verhängnisvolles  Erinnern
  Zumal,  was  ihr  geschah,  auch  auf  ihn
überging.

So  mußten  sie  sich  zusammennehmen  —  sich
einer  vom  anderen  wegwenden  und  —  schweigen.

Mancher  Seufzer  stahl  sich  von  ihren  Lippen.
Die  Arbeit  wurde  ihr  sauer.  Sie  fühlte  sich  krans
und  unselig.  Oft  ließ  sie  ihr  Strickzeug,  wie  erlahmt,
  in  den  Schoß  sinsen,  oder  das  Spinnrad
stocken  und  sah  mit  großen,  weit  offenen  Augen
entsetzt  oder  traurig  vor  sich  hin.

Und  wenn  sie  dann  fühlte,  daß  seine  Blicke  sie
verfolgten,  fuhr  sie  mit  einem  Schrecken  zusammen.

Selbst  seine  Gebrechen  sah  sie  jetzt  nicht  mehr  so
klar,  wie  noch  vor  furzem  in  der  allgemeinen  Erhöhung
  ihres  Wesens.  Aus  dem  unseligen  Erwachtsein
  irrte  sie  in  neue  Träumerei:  Er  war  wieder
  ihr  Malte  von  einst!  —  Nicht  mehr  der  arme
Krüppel!

„O,  wenn  ich  doch  tot  wär!“  dachte  sie.  Und  er
dachte  dasselbe.  Auch  Gustav  war  zum  erstemmal,
seit  er  sie  besaß,  wirklich  enttäuscht.  Er  hatte  gedacht,
  die  Aussicht  auf  das  Kind  würde  sie  endlich
lustig  machen.  Ja,  mit  der  allergrößten  Bestimmtheit
  und  Selbstverständlichkeit  hatte  er  sich  das  eingebildet.


Und  dan

Die  Flügel  seiner  Phantasie,  die  ihn  nie  sehr
weit  trugen,  hatten  ihn  immer  gerade  da  abgesetzt,
wo  er  als  Vater  des  Kindes  nun  plötzlich  auch  der
wahre  Herr  des  Hauses  sein  würde.

Unser  Dommerland

Und  mit  dieser  Thronbesteigung  schien  es  jetzt
ganz  und  gar  nichts  zu  sein!“

Sie  hing  den  Kopf,  wenn  sie  sich  unbeobachtet
glaubte,  und  blickte  ihn  nicht  freundlicher  an,  als
vorher;  nur  ab  und  zu  einmal,  wie  um  Verzeihung
binend.  —  Aber  daran  lag  ihm  wenig.  Und  so
matt  und  müde  sah  sie  ausl

Und  so  vergeßlich  war  siel  —  Manchmal  mußte
er  sie  erinnern,  daß  es  Zeit  zum  Melken  oder
Schweinefüttern  sei.

Nur  ihre  Pflichten  gegen  Malte  verabsäumte  sie
nie.  Und  das  ärgerte  ihn  natürlich  am  meisten.
Freilich  las  sie  dem  Kranken  nichts  mehr  vor  und
redete  nicht  mehr  so  viel  mit  ihm  über  Dinge,  die
sie  michts  angingen.  Aber  das  war  auch  das  einzig
  Gute  an  diesem  verrückten  Zustand.

Wenn  er  einem  Menschen  im  Dorf  gesagt  hätte,
daß  er  eifersüchtig  auf  den  Krüppel  wärel  Das
war  ja  zum  lachen!  —  Ja,  zum  lachen!  —

Und  er  lachte  auch.  Das  einzige,  das  man  solcher
  Verrücktheit  gegenüber  tun  konnte.

So  gingen  Frühling  und  Sommer  hin,  auch,
was  die  Einnahmen  durch  Fremdenverkehr  und

Fischfang  betraf,  keine  besonders  fruchtbare  Zeit.

Malte  lag  viel  bei  weit  geöffnetem  Fenster.  Er
hatte  einmal  bei  Beginn  der  warmen  Monate  geseufzt:
  „Luft!  Ach  Gott!  Wenn  ich  doch  bloß  noch
einmal  auf  Deck  Luft  holen  könnt!"

Seitdem  sperrte  Marieken  schon  vom  frühen
Morgen  an  alles,  was  sie  irgend  konnte,  bei  ihm
auf;  besonders  den  Fensterflügel,  der  ummittelvar
nach  der  See  hinausging.  Und  wenn  es  dann  zog,
baute  sie  wieder  von  Stühlen  ein  Gestell  an  se.inem
  Kopsende  und  hing  das  von  ihrer  Mutter  ererbte
  große  Schaltuch  darüber.  Oder  wimmelten  zu
viele  Fliegen  hinein,  jagte  sie,  so  oft  sie  Zeit  dazu
hatte,  die  ungebetenen  Gäste  mit  einem  langen  grü—
nen  Zweig  zur  Stube  hinaus.

Als  sie  bei  solcher  Gelegenheit  auch  einmal  die
Decke  des  Zimmers  abfsegte,  fuhr  Gustav  sie  an:
„Willst  du  woll  nich  über  dich  langen!  —  Wie
kannst  du  über  dich  langen?!“

Erschrocken  ließ  sie  ihren  Hollunderbusch  aus  der
Hand  fallen,  und  er  dachte  nicht  daran,  ihn  ihr
aufzuheben.

Tags  darauf  aber  wedelte  sie  wieder,  kurz  ehe

sie  das  Mittagbrot  hineinbrachte,  über  die  Decke
hin.  Gustav  war  noch  nicht  in  der  Stube.  Doch

Malte,  der  es  sah,  murmelte  leise  mit  halb  abgekehrtem
  Blick:  „Tu's  nich,  Marieken!  Lang  nich
über  dich!“

Da  eilte  sie  so  schnell  sie  vermochte  zur  Tür
hinaus;  und  er  hörte,  daß  sie  draußen  in  Weinen
ausbrach.

Auch  als  das  Kind  glücklich  auf  der  Welt  war,
wollten  sich  die  Dinge,  wie  es  schien,  nicht  ändern.

Ueber  acht  Tage  war  Marieken  schwer  krank,  für
Vitter  Begriffe  eine  lange  Zeit.

Gustav  ging  in  stiller  Wut  umher,  denn  er
ängstigte  sich  aufrichtig  um  ste.  Am  liebsten  hätte