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nalje!  —  Und  ob  du  zehnmal  mein  Bruder

bist,

wer  will  sagen,  daß  dich  kein  Schlag  getroffen
h  at?“

Verzehrend  funkelten  seine  Augen  durch  die
Scheiben.

Da  heulte  in  seinem  Rücken  die  See  auf.  Der
Sturm  kam  hoch.  Die  anderen  Fischer  hatten  es
vor  einer  halben  Stunde  schon  gesagt.

„Mörder!“  heulte  die  See.  „Mörder!“  heulte  es
in  der  Lust,  obgleich  sie  erst  mäßig  bewegt  war.
Und  „Mörder!“  heulte  es  in  seinem  Herzen.

Gut!  Dann  ging  er  wegl  Dann  ging  er  noch
heut  Abend  zur  Kapelle  empor  und  und  hing  sich
dort  auf.  Oder  die  See  konnte  ihn  holen.  Besser,
die  nahm  ihm  das  eklige  Stück  Arbeit  abl

Und  wenn  keiner  von  seiner  „Kompagnie“  hinaus
  wollte  —  auch  recht,  dann  fuhr  er  allein!

Als  Marieken  auf  den  Fußspitzen  Maltes  Stube
verließ,  kam  es  ihr  von  ungefähr  bei,  einen  Augenblick
  zu  ihrem  Vater  hinüber  zu  gehen.  Dann
konnte  sie  gleich  einmal  nachsehen,  ob  Gustav  vielleicht
  dort  saß  und  ob  er  wirklich  heut  abend  noch
zu  „Boot“  wollte.  Sie  band  ihren  Kopf  in  ein
kleines  warmes  Tuch  ein  und  wickelte  sich  ein
großes  fest  um  die  Schultern.  Als  sie  auf  die
Schwelle  trat,  lugte  sie  den  Himmel  ab:  Wolken  —
nichts  als  Wolken!  Der  Mond  kam  ja  erst  sowieso
später.

Aber  kein  Stern,  kein  einziger!

Da  trat  Gustav  auf  sie  zu.  Ein  Streifschen
Lampenschimmer  aus  Maltes  Stube  fiel  auf  seine
Gestalt.

„Jesus,  Gustav!  Was  ist  Dir?“

Er  lachte  höhnisch.

Sie  bebte  und  prallte  zurück.

„O  Gott!  Als  wollt'st  du  zuschlagen!“

Da  lachte  er  noch  lauter.

„Schlag  ich?  —  Hab  ich  dich  schon  geschlagen?
Hab  ich  dir  schon  ein  Haar  gekrümmt?  Du  nichtswürdiges
  Weib,  dul“

Da  wuchs  ihr  Erbarmen  mit  ihm  ins  Riesengroße.
  Sie  glaubte,  er  verlöre  seinen  Verstand.
„Hab  ich  das  getan?  Ich?“  schrie  es  in  ihr.

„Sei  doch  man  ruhig!“  sagte  sie  so  gelassen  wie
möglich.  „Warum  wollen  wir  bös  einer  mit  dem
andern  sein?  Ich  wollt  dich  eben  suchen  gehn.  Ich
dacht,  du  wörst  „zu  Haus“!  Malte  meint'  schomn
auf'n  Nachmittag,  das  Wetter  würd  schlecht.  Bleidoch
  man  bloß  heut  Nacht  an.  Land!  Das  Wetter
reißt  euch  ja  allens  vonein."

„Ich  denk’',  ich  kann  tun,  was  ich  will?  —
Wenn  ich  fahren  will,  fahr  ich!  —  Erst  recht!“

„Denk  an  dein  Kind!“

„Eben  deswegen  fahr  ich  nach  Brot!“

„Wart  zum  wenigsten,  ob  der  Mond  aufgeht!“

„Dröhn  nich!“

„Gustav,  ich  ängst  mich  tot!“

„Halts  "

Er  sprach  nicht  aus.

Murmelnd  und  fluchend

Unser  Dommerland

tappte  er  den  Damm  hinunter.  Einen  Augenblick
stand  sie  wie  gelähmt  und  sah  ihm  nach.

„Iß  doch  zum  wenigsten  erst  was!“  rief  sie  noch
hinter  ihm  drein.

Keine  Antwort.  Aber  verrückt  war  er  nicht!  —

Sie  ging  ins  Haus  zurück.  So  konnte  es  nicht

bleiben!  —  So  nicht!  —  —

Unten  im  Hohlweg  stand  Gustav  noch  einmal
still.

Die  ersten  entfesselten  Sturmstöße  kamen  durch

die  Luft.

Er  horchte  zurück.  Ihm  war,  als  hätte  er  Marie
noch  einmal  rufen  hören:  „Denk  an  dein  Kind!“  —

„Is  Gustav  wirklich  ausgefahren?“  fragte  Malte,
als  Marieken  ihm  das  Abendbrot  brachte.

„Ja.  Ich  hab  nichts  machen  könmen.
ich  ihn  gebeten.“

Sie  führte  ihm  Löffel  um  Löffel  in  den  Mund,
fütterte  ihn  wie  ein  kleines  Kind;  aber  ihr  Atem
über  ihm  ging  unruhig;  und  der  Teller  in  ihrer
Hand  schwankte  fortwährend.  Als  er  ausgegessen
hatte,  sah  er  sie  groß  an:

„Marieken,  so  geht  das  nich  weiter!"“

„Ne  —  so  kann  das  nich  bleiben!  —  So  nich!“

„Ich  hört  euch  vor  der  Tür,  als  er  den  großen
Lärm  hatt'.  Was  hat  er  denn  gewollt?  —  Dul
Was  hat  er  gesagt?“

„Nichts,  wovon  sein  Verstand  was  gewußt  hätt."

„Und  ich  bin  schuld.  Du  weißt  das.  Wennm  ich
nich  wär'!"

Er  stöhnte  und  sah  brütend  vor  sich  hin.  Dan#
bäumte  er  sich  hoch  in  den  Kissen  auf,  sank  aber.
von  neuem  stöhnend,  wieder  darin  zusammen.

Gustav  hatte  sie  gefreit  —  und  meinte  nun  doch
dauernd,  daß  ihm  sein  volles  Recht  nicht  würde.
Das  war  mehr,  als  er  von  Gustav  erwartet  hatte.
—  Sein  Blick  bohrte  sich  förmlich  in  das  eben
Nächste  —  es  waren  seine  armen  verkrüppelten
Hände.  —  „Ich  will  nich  als  Ungerechter  hier  liegen!
  —  Und  —  kann  ich  ihn  nich  so  lieben  —  wiich
  sollt  —  kann  ich  kein  Erbarmen  mit  ihm  haben,
  Gerechtigkeit  soll  ihm  werden!“

„Marieken!“

„Ja!  —  Dul?“

„Setz  dich!  —  Das  viele  Stehen  is  noch  nichts.
Du“  —  er  überwand  bis  zum  äußersten  sich  selbst
—  „„du  bist  zu  gut  zu  mir,  Marieken!"“

„Das  kann  ich  mich  anders,“  sagte  sie  traurig.
gelassen.

„Ja,  —  dann  weiß  ich  keine  Hilf!"

„Ich  auch  nich.  —  Aber  vielleicht.
mal  gibt  sich  einer  auch  von  selbst."

Sie  schwiegen.  Der  Sturm  fuhr  in  mächtigen
Böen  herab  und  brach  sich  an  Türen  und  Fenstern.
An  der  Wand  aber  tickte  friedlich  dazu  die  Uhr.

„Was  du  woll  sagen  würd'st,  wenn  ich  nich
mehr  gut  zu  dir  wär?“  hub  sie  plötzlich  wie  träumend
  wieder  an.

„Nichts,  Marieken!  —  Gar  nichts.“  —

So  hab

manches-