Buch  „Wenn  de  Scharrnbulln  brummt“,  das  gerade
rechtzeitig  zu  seinem  60.  Geburtstag  auf  den  Marki
gebrasht  wird.

Er  sieht  die  Welt  und  die  Menschen  mit  eigenen
Augen  an.  Er  sieht  viel  mehr  als  wir  alle,  hört
auch  viel  mehr  als  wir  alle.  Darum  sind  auch  alle
Menschen,  die  er  uns  vorstellt,  so  lebenswahr.  Darum
  zeigt  sich  uns  das  Leben  auch  der  kleinsten
Menschen,  mögen  sie  noch  so  fern  der  großen  Verkehrsstraße
  wohnen,  so  reich  und  groß.  Und  immer
  findet  er  eine  freundliche  Seite  heraus.  Hinter
  allem  Spaß  und  Ulk  guckt  der  Ernst,  das
Starke  und  Bezwingende  des  Lebens  hervor,  aller
Ernst  aber,  alle  Gewalt  des  Lebensschicksals  wird
gemildert  durch  die  heitere  Miene,  mit  der  der
Alte  aus  Poppenbüttel  alles  ansieht.  Darum  nennen
  wir  seine  Bücher  mit  Recht  Spaßbücher,  und
der  Hamburger  Dichter  Hermann  Elaudius  legt  in
seinem  Gedenkartikel  im  „Eekbom“  besonderen  Wert
darauf,  diese  Seite  des  „Olen  ut  Poppenbüttel"
hervorzuheben.  Gleichwertig  neben  den  Spaßbökern
stehen  seine  beiden  Kriegsgedichtbücher:  „Röhrt  de
Hann'  un  snied't  de  Bann'!“  und  „Leewer  dod  as
Slav!“,  die  wie  alle  anderen  Bücher  in  Richard
Hermes  Verlag  in  Hamburg  erschienen  sind.

Wenn  wir  uns  das  neuste  Buch  „Wenn  de
Scharrnbulln  brummt“  ansehen,  so  müssen  wir  sagen,
  daß  die  60  Jahre  dem  Alten  nichts  haben  antun
  können.  Noch  ist  seine  ursprüngliche  Kraft  ungebrochen,
  noch  sprudelt  sein  Humor  in  alter
Frische,  so  daß  seine  Freunde  darauf  rechnen  können,
  daß  dieses  Buch  noch  nicht  den  Schlußstein
seiner  Werke  bedeutet.  Er  hat  sicher  noch  viel  in
seinem  Kasten  liegen,  und  er  wird  hoffentlich  noch
lange  mit  seinen  hellen  Augen  Umschau  halten  und
das,  was  er  sieht  und  hört,  zu  einem,  eben  nur
ihm  mglichen,  humoristischen  Bilde  gestalten.

H.  O.  Z.
r–t—[
August  Seemann  .

Mit  schweren,  schmerzlichen  Verlusten  durch  den
Krieg  hat  auch  die  plattdeutsche  Bewegung  zu  rechnen.
  So  hat  der  Tod  erst  in  den  letzten  Wochen
zwei  Opfer  gefordert:  In  der  Seeschlacht  vor  dem
Skagerrak  fand  der  Hamburger  Romandichter
Gorch  Fock  den  Heldentod  und  am  2.  Juli  fiel
August  Seemann,  der  mecklenburgische  Lyriker  und
Erzähler,  bei  einem  Minengefecht  im  Westen.  August
Seemann,  der  im  44.  Lebensjahre  stand  und  als
Lehrer  in  Berlin  lebte,  hat  eine  Reihe  plattdeutscher
  Bücher  veröffentlicht,  sein  letztes  im  vergangenen
  Herbst.  Er  nahm  als  plattdeutscher  Dichter
einen  eigenen  Standpumkt  ein.  Ausgehend  von  der
richtigen  Ueberzeugung,  daß  sich  in  Plattdeutsch  alles
  sagen  lasse,  hat  er  in  vorzüglichen  Stimmungsgedichten
  alles,  was  er  als  denkender  Mensch  auf

dem  Herzen  hatte,  zum  Ausdruck  gebracht.  Ein
eigener  Reiz  geht  von  seinen  Gedichten  aus,  dem

sich  niemand  zu  entziehen  vermag.  Auch  seine  Er-Unser

  Pommerland

297

zählungen,  die  leider  nur  einen  Band  seiner  Werke
füllen  (sämtlich  in  dem  Verlage  von  W.  Röwer,
Berlin)  verraten  dieselbe  eigenartige  Dichterpersönlichleit,
  in  der  sich  Ernst  und  Humor,  wie  so  pPft
bei  plattdeutschen  Dichtern,  vereinigte  finden.  August
Seemann  gehörte  dem  Vorstande  des  Allgemeinen
Plattdeutschen  Verbandes  an  und  war  ständiger
Mitarbeiter  der  plattdeutschen  Halhmonassschrift
„De  Gekbom“,  die  der  Verband  in  Richard  Hermes
Verlag  Hamburg  herausgibt.  az.

#

Büchereiwesen.

Bei  der  Zentrale  für  Volksbücherei,  Berlin-Schöneberg,
  Grunewaldstr.  6-7  sind  am  1.  Mai  ds.
Is.  Lehrkurse  für  den  mittleren  Dienst  an  wissenschaftlichen
  und  Volksbibliotheken  eröffnet  worden.
Im  laufenden  Sommerhalbjahr  werden  nachstehende
  Unterrichtsstoffe  behandelt:

Elemente  des  Bibliothekswesens.  Dr.  Ladewig.

Bau  und  Einrichtung  der  Volksbücherei.  Reg.=Baumeister
  Mac  Lean.
Geschichte  des  Buches  und  Druckes.  Prof.  Dr.

Loubier.
Allgemeine  Bibliographie.  Oberbibl.  Dr.  Kaiser.
Das  Volksbildungswesen.  Prof.  Dr.  Fritz.
Literargeschichtliche  Uebungen  für  Volksbücherei.
Dir.  Dr.  Ackerknecht.
Lateinisch.  Prof.  Dr.  Dihle.
Buchführung  und  Geschäftskunde.  Mantzke,  Doz.
a.  d.  Handelshochschule  Berlin.
Stenographie  und  Maschinenschreiben.  Comrad.
Bibliotheksschrift.  Dir.  Dr.  Ackerknecht.
Buchbinderei.  Buchbindermeister  Steffens.
Meldungen  zu  den  Kursen  sind  so  zahlreich  eingelaufen,
  daß  nur  die  Hälfte  derselben  berücksichtigt
werden  konnte.  Neuaufnahmen  finden  erst  Ostern
des  Jahres  1917  statt.

##
Berichtigung.

Herr  Dr.  Batlow,  Pastor  zu  Liegnitz,  schreibt
uns:

In  Heft  8—9  des  3.  Ig.  1915-16,  S.  227,
bringen  Sie  unter  der  Ueberschrift:  „Eine  Heldentat
  des  Statthalters  der  Provinz  Pommern“  den
Bericht  über  die  Rettung  einer  österreichischen
Mörserbatterie  durch  Prinz  Eitel  Friedrich.  Trotz
der  „estunterrichteten  Quelle“,  dem  österreichischen
Pressequartier,  liegt  hier  eine  Personenverwechslung
vor.  Prinz  Eitel  Friedrich  wurde  am  1.  August
1914  zum  Kommandeur  des  1.  Garderegiments  z.

F.  ernannt  und  ist  m.  W.  auch  spöter  niemals
beim  5.  Armeekorps  gewesen.  Der  Retter  jener

Mörserbatterie  war  vielmehr  Prinz  Oskar  von
Preußen,  der  bei  der  Mobilmachung  zum  Regimentskommandeur
  der  Liegnitzer  Königsgrenadiere
ernannt  wurde  und  als  solcher  bis  zu  seiner  Er-