Instruktion  für  Militär-Aerste  etc.  371

an  den  Füssen  vorkommen,  und  darnach  zurückgebliebene,  nicht  mit  Krampfadern
  der  umgebenden  Theile  verbundene  Narben;  c.  stattgehabte  und
gut  geheilte  Knochenbrüche,  deren  Folgen  vollständig  beseitigt  worden;
d.  kleine,  nicht  hinderliche  Geschwülste  von  gutartigem  Charakter,  e.  Krätze
und  andere  leicht  zu  beseitigende  Hautausschläge,  sowie  überhaupt  alle
leicht  heilbare  innere  Krankheiten  und  äussere  Uebel;  f.  noch  im  Unterleibe
  befindliche,  und  am  Bauchringe  weder  durch  vermehrte  Empfindlichkeit
an  diesem,  noch  durch  das  Gesicht  und  Gefühl  bemerkbare  Hoden  ;
£.  ‚leichte  Krümmung  des  Nackens  und  geringe,  nicht  auffallende  Schiefheit
  des  Halses,  bei  vollkommener  Bewegungsfähigkeit  desselben;  h.  ein
sogenannter  hohler  Rücken,  bei  welchem  die  Rückenwirbelsäule,  von
dem  ersten  Wirbelbeine  derselben  an,  zu  stark  gebogen  nach  hinten
tritt,  während  ihr  unterer  Theil  zu  stark  nach  vorn  gekehrt  ist;
i.  geringe,  nicht  auffallende  Erhöhung  der  einen  Schulter  oder  Hüfte  ;
k  geringes  Stammeln  oder  nicht  auffallend  fehlerhafte  Sprache;  1.  fehlerhafte
  Vorder-  (Schneide-)  Zähne,  wenn  nur  die  Augen-  und  Backenzähne
vorbanden  und  gut  sind;  m.  geringe,  unschmerzhafte  Krampfaderbrüche;
n.  einzelne,  unbedeutende  Krampfadern  an  den  unteren  Extremitäten;
o.  etwas  gebogene  Ober-  und  Unterschenkel;  p.  dicke  Knie,  vorausgesetzt,
dass  dieser  Zustand  angeboren  und  nicht  in  Folge  einer  früheren  oder
noch  vorhandenen  Krankheit  entstanden  ist;  q.  etwas  nach  innen  gebogene
Knie,  so  dass  selbige  nicht  am  Marschiren  hindern;  r.  breite  Füsse;  s.  geringer
  Grad  des  Plattfusses,  wo  das  Gehen  noch  nicht  auf  dem  innern
Rande  des  Fusses  geschieht;  t.  Mangel  eines  Zehen,  jedoch  nicht  des
grossen.

Zusats  zu  $.  17  r.  und  es.

Beim  Plattfusse  sind  die  Knochen  des  Unterschenkels,  Tibia  und  Fibula,  in  der
Regel  in  ihrer  innern  und  äussorn  Beschaffenheit  ganz  der  Norm  gemäss.  Doch  findet
eine  Abweichung  Statt  in  Hinsicht  der  normalen  Btellung  dieser  beiden  Knochen  auf
den  Fuss  und  des  Contiguitäts-Verhältnisses  ihrer  untern  Extremitäten  zu  den  einzelnen
  Knochen  der  Fusswurzel.  Der  innere  Knöchel  int  sehr  hervorragend  und  steht
tiefer  als  gewöhnlich.  Unter  dem  Kussern  Knöchel  bildet  sich,  nach  dem  Grade  des
widernatürlichen  Zustandes,  eine  mehr  oder  weniger  bedeutende  Aushöhlung.  Der
Rücken  des  Fusses  ist  nicht  gehörig  gewölbt,  sondern  in  der  Gegend  der  Knöchel,
also  in  der  Fusswurzel,  flacher  und  breiter,  so  dass  der  Fuss  hier  seine  grösste
Breite  hat.  Diejenige  Aushöhlung,  welche  sich  beim  normalen  Bau  des  Fusses  an  der
innera  und  untern  Seite  vom  Condylus  internus  bis  znm  ersten  Mittelfussknochen  vorändet,
  ist  beim  Plattfusse  nicht  allein  ausgefüllt,  sondern  im  Gegentheil  erhaben,  fast

genförmig  hervorragend.  Beim  Auftreten  tritt  die  Haut  und  die  darunter  gelegenen
Theile  bervor,  und  man  ist  nicht  im  Stande,  mit  der  Spitze  des  Fingers  unter  die
Funssohle  des  stehenden  Menschen  zu  dringen.  Der  Gang  eines  Plattfüssigen  geschieht
&amp;hnlich  mit  gebogenen  Knien  und  hat  Aehnlichkeit  mit  dem  Gange  eines  Menschen,
er  einen  Schubkarren  vor  sich  herschiebt.  Er  geht  stets  auf  dem  innern  Rande  dos
.  Fussgelenk  ist  selbst  in  dem  ausgebildetsten  Plattfunse  nicht  ganz  »teif,
leidet  aber  mehr  oder  weniger  an  dor  freien  Beweglichkeit,  und  vorzüglich  dann,  wenu
der  Fuss  extendirt  werden  soll.

Der  breite  Fuss  kann,  bei  einiger  Aufmerksamkeit,  gar  nicht  mit  dem  Plattfusse
verwechselt  werden.  Bei  ihm  stehen  die  Knochen  des  Unterschenkels  in  gehöriger
Richtang  auf  dem  Fusse,  und  unter  der  Fusssohle  findet  sich  die  gewöhnliche  Ausböhlang
  vor;  der  Rücken  ist  in  der  Gegend  der  Fusswurzel  gehörig  gewölbt  und  hier
nicht  breiter  als  gewöhnlich.  Beine  Ausdehnung  füngt  erst  in  den  Knochen  des  Mittelfusses
  an,  nimmt  nach  den  Zehon  hin  immer  mehr  zu  nnd  bei  einigen  liegen  die  Zehen
fast  in  einer  graden  Linie,  so  dass  der  grosse  Zehen  vor  dem  kleinsten  nur  sehr  wenig
hervorragt.  In  der  Regel  sind  diese  breiten  Füsse  auch  sehr  eischig.  Dem  breiten
Fusse  liegt  keineswegs,  wie  dem  Plattfusse,  eine  wirkliche  Störung  des  Contignitäts-Verhältnisses
  zum  Grunde,  sondern  er  ist  nur  eine  leise,  die  Funktion  nicht  im  geringsten
  afficirende  Deflexion  von  der  Normalform  des  Fusses.

#)  Cirkulare  an  d.  säinmtl.  Militärärzte  v.  31.  Juli  1818  und  M.  Mi  128  ad  1.