Einrichtung  und  Ausstattung  der  Lazarethe.  705

$.  44.  Die  Badeanstalt  (die  Anlegung  von  Dampf-Bado-Anstalten  darf  n
besonderer  Genehmigung  stattfinden)  ist  im  Erdgeschosse,  möglichst  ‘neben  der  E  Kochktiche,
  und  so  anzulegen,  dass  das  kalte  Wasser  aus  der  in  der  letzteren  etwa  bofindlichen
  Pumpe  leicht  hineingeleitet  und  das  gebrauchte  Wasser  durch  Röhren  abgelassen
werden  kann;  auch  ist  dieselbe  mit  einem  Ofen  zu  versehen,  um  sie  erforderlichen
Falls  heizen  zu  können.  Die  Anzahl  der  nöthigen  Badewannen  ist  im  Utensilien-Etat
angegeben,  wonach  die  Grösse  der  Badeanstalt,  mit  Rücksicht  auf  den  zum  Aus-  un
Ankleiden  erforderlichen  Raum,  in  jedem  einzelnen  Falle  zu  bestimmen  bleibt.  Da  eine
oder  mehrere  Badewannen  ausschliesslich  zum  Gebrauch  für  Krätz-  und  Venerischanke

  dienen,  so  ist  es  zur  Vermeidung  der  Ansteckung  nothwendig,  die  Badoanstalt
in  zwei,  oder  nach  Umständen  in  noch  mehr  Abtheilungen  zu  trennen.  Die  Badeanstalt
wird  auch  zur  Reinigung  und  zum  Waschen  der  ankommenden  Kranken  benutzt.

$.  45.  In  den  kleineren  Lazarethen  kann  die  Badeanstalt  mit  der  Waschküche
vereinigt  werden.

Die  Todtenkammer  muss  in  einem  eutlegenen  Theile  des  Lazarethgebändes
befindlich,  und  mit  Rücksicht  auf  vorkommende  Scheintodte  heizbar  sein.  Am  besten
ist  es,  die  Todtenkammer  in  einem  von  dem  Krankenhause  gänzlich  abgesonderten
Gebäude  anzulegen,  welches  aber  gegen  das  Eindringen  der  Ratten  und  Mäuse  etc.
wohl  verwahrt  und  so  eingerichtet  sein  muss,  dass  die  Luft  gehörig  durchatreichen
kenn.  Bei  Anlegung  der  Todtenkammer  ist  zugleich  darauf  Rücksicht  zu  nehmen,
dass  sie  hell  genug  sei,  um  darin  die  etwa  erforderlichen  Leichen-Sektionen  vornehmen
zu  können.

$.  47.  Um  die  Kleidungsstücke  und  Wäsche  der  mit  anusteckenden  Krankheiten
Behafteten  gehörig  reinigen  zu  können,  ist  in  jedem  grösseren  Lazareth  eine  Bodenkammer,
  oder  ein  anderes  abgelegenes  Gelass  von  entsprechender  Grösse  erforderlich,
welches  mit  Lattengerüsten  versehen  sein  muss,  worauf  die  zu  reinigenden  Kleidungsstücke
  etc.  gelegt  und  dann  mit  Chlor  oder  schwefelsauren  Dämpfen  durchräuchert
werden.  Wo  die  Lokalitlit  es  gestattet,  kann  zu  diesem  Behuf  auch  ein  Backofen  errichtet
  werden,  da  die  Hitze  den  Ansteckungsstoff  ebenfalls  vernichtet.

$.  48.  Ueber  die  innere  Einrichtung  der  Aufbewahrungs-Gelasso  lässt  sich  im
Allgemeinen  Nichts  bestimmen,  da  die  Grösse  derselben  von  dem  jedesmaligen  Bedürfniese
  abhängig  ist,  und  auch  die  Lokalität  dabei  in  Betracht  gezogen  werden  muss.

49.  Das  Oekonomielokal,  worin  dio  Viktualien  aufbewahrt  werden,  muss  im
Erdgeschose,  in  der  Nähe  der  Kochküche,  und  wo  möglich  nach  der  Mitternachtseite
belegen  sein.  Das  Lokal  zur  Aufbewahrung  des  Brodes  und  der  trockenen  Gemüse
muss  trocken  und  luflig  nd  gegen  das  Eindringen  der  Ratten  und  Mäuse  wohl  verwahrt
  sein.  In  kleineren  Lazarethen  genügt  es,  wenn  zur  Aufbewahrung  der  trockenen
Gemüse  ein  in  der  Kochküche  aufzustellender  Schrank  benutzt  wird.

8.  50.  Die  Keller  müssen  trocken,  luftig  und  wasserfrei  und  wo  möglich  überwölbt
  sein.  Der  Fussboden  derselben  wird  mit  Ziegeln  gepflastert.

$.  51.  Der  Boden  ist  mit  Rücksicht  auf  die  demselben  gegebene  Bestimmung  zum
Trocknen  der  Wäsche  bei  Regenwetter  etc.  und  zur  Aufbewahrung  der  Effekten  der
Kranken  und  der  vorrätbigen  Utensilien  und  Lagergeräthe,  in  mehrere  verschliessbare
Abtheilungen  zu  trennen,  was  durch  Lattenverschläge  zu  bewirken  ist.

8.52.  Auf  eine  regelmässige  Gestalt  den  Hofraums  muss  bei  der  Stellung  des
Lazarethgebäudes  vorzüglich  gesehen  werden.  Nebengebäude,  namentlich  die  Abtritte,
müssen  möglichst  so  angelegt  werden,  dass  sie  nicht  unangenehm  ins  Auge  fallen  und
die  Regelmässigkeit  des  Ganzen  dadurch  nicht  gestört  wird.  Die  nöthigen  Wasserabzüge
  dürfen  nicht  fehlen  Eine  Mauer  von  ü—N  Fuss  Höhe  muss  den  Hof  einschliessen,
some  derselbe  nicht  bereits  durch  Gebäude  begrenzt  wird.  Um  im  Sommer  die  Wäsche

dem  Hofe  trocknen  zu  können,  werden  auf  demselben,  in  angemessenen  Entfernungen
  von  einander,  starke  hölzerne  Pfähle  errichtet  und  daran  eiserne  Haken  zum
Anbinden  der  Leinen  befestigt,

8.  53.  Ob  ein  oder  mehrere  Brunnen  anzulegen  sind,  ist  nach  der  Lokalität  und
dem  Bedürfoiss  zu  erwägen.  Sie  müssen  sich  in  der  Nähe  der  Kochküche  und  der
Waschanstalt  befinden.

Auf  zweckmissige  Einrichtung  der  Abtritte  in  den  Lazarethen  ist  ganz
besondere  Sorgfalt  zu  verwenden.  Einerseits  muss  dabei  auf  die  grösstmöglichste  Bequemlichkeit
  der  Kranken,  andererseits  aber  auf  die  Salubrität  des  Gebäudes  Rücksicht
genommen  werden.  Da  die  Erfahrung  ergeben  hat,  dass  der  üble  Geruch  der  Latrinen
insbesondere  durch  Anwendung  transportabler  Kothkarren  verbreitet  wird,  so  sind  bei
Neueinrichtungen  oder  Veränderungen  künftig  keine  Kothkarren  mehr  anzuschaffen,
sondern  statt  derselben  massiv  ausgemauerte  Kothgruben  anzulegen.

Prager,  Mit.  Mod.  Wesen,  45