748  A.  Friedens-Lazarethe.

besondere  Kommission  bewirkt,  und  bei  Einlieferungen  von  Utensilien,
die  von  mehr  oder  minder  komplieirter  Form  und  Einrichtung  sind  oder
einer  näheren  technischen  Beurtheilung  bedürfen,  wie  Dampfkessel,  Feuerspritzen,
  eiserne  Bettstellen  etc.,  tritt  auch  noch  die  Konkurrenz  des
Baubeamten  (oder  Ingenieur-Officiers)  ein.

$  257.  Ueber  die  Abnahme  von  Utensilien,  die  in  Quantitäten  eingeliefert
  werden,  ist  ein  kurzes  Protokoll  aufzunehmen.

.  258.  Die  für  abnahmefähig  erklärten  Utensilien  müssen,  soweit
dies  sonst  nicht  anders  bestimmt  ist  ($$.  259  u.  260),  gleich  bei  der  Abnahme
  mit  den  Buchstaben  K.  U.  (Königl.  Utensil)  und  dem  Jahre  der
Anschaffung  gestempelt  werden.  Die  Bezeichnung  des  Jahres,  in
welchem  das  Utensil  in  den  Gebrauch  tritt,  wird  demnächst  zu  seiner
Zeit  darunter  gestempelt.  Ausserdem  wird  die  Wäsche  für  Kranke  mit
Ekel  erregenden  Uebeln  mit  A.,  für  Krätzkranke  mit  K.,  für  Venerische
mit  V.  bezeichnet.  In  der  Regel  nimmt  man  indessen  für  solche  Kranke
nicht  neue,  sondern  schon  im  Gebrauch  gewesene  Wäsche.  Je  nach  den
Stoffen  geschieht  diese  Stempelung,  die  ganz  deutlich  sein  muss,  durch
Einbrennen,  Einschlagen  (Prägen)  oder  Bezeichnen  mit  einer  guten  haltbaren
  Farbe.  Zu  empfehlen  ist  hierbei  nachfolgende  „Vorschrift  zur  Bereitung
  und  Anwendung  einer  unzerstörbaren  Tinte  zum  Zeichnen  leinener,
  baumwollener  und  wollener  Zeuge“.

Nr.  1.  Vorbereitende  Flüssigkeit:  2°,,  Loth  krystall.  kohlensaures  Natron,
13),  Ltb.  arabisches  Gummi,  ?:,„  Ltb.  Waschblau  werden  aufgelöst  in  10%.  Loth
kochendem  Regen-  oder  Flusswasser.  —  Nr.  2,  Tinte  zum  Zeichnen.  ?/,,  Lth.  Höllenstein,
  ?/,,  Loth  arabisches  Gummi,  10  Gran  Kienruss  (mit  einigen  Tropfen  Weingeist
abgerieben‘,  werden  aufgelöst  in  1/;.  Lth.  destillirtem  Wasser.  (Die  Ingredienzien
werden  aus  den  Dispensir-Anstalten  an  die  I.azareth-Oekonomie  verabfolgt  und  in  den
tabellarischen  Medikamenten-  Gnerechnungen  in  Ausgabe  gestellt.  (Erl.  d.  Mil.-Oekon.-Depart.
  v.  3.  Novbr.  1858;  Cirkul.  a.  d.  Generalärzte  v.  10.  Novbr.  1358.)  Will  man

nun  Wäsche  oder  Kleidungsstücke  zeichnen,  so  bestreicht  man  mittelst  eines  Pinsels
zuerst  die  zu  zeichnenden  Stellen  mit  der  Flüssigkeit  No.  I  in  der  Grösse  des  darauf
abzudrückenden  Stempels  und  lässt  die  Stelle  gehörig  trocken  werden,  worauf  das
Zeug  steif  wird  und  eine  glatte  Oberfläche  annimmt.  Dann  legt  man  in  eine  Aache
Untertasse  ein  Stück  Tuch  von  der  ungefähren  Form  und  Grösse  des  Stempels,  giesst
so  viel  von  der  Tinte  No.  2  darauf,  als  das  Stückchen  Tuch  von  der  Flüssigkeit  aufsunehmen
  vermag,  feuchtet  den  Stempel  damit  an  und  drückt  denselben  auf  die  vorhereitete
  Stelle  ab,  worauf  dus  Zeug  schon  nach  Verlauf  eines  Tages  gewaschen  werden

m  die  gezeichneten  Stellen  von  völlig  schwarzer  Farbe  zu  erlangen,  ist  es
jedoch  nöthig,  dass  die  Stempelabdrücke  eine  Weile  von  der  Sonne  beschienen  werden.
Beim  Stempeln  der  wollenen  Decken  ist  besonders  darauf  zu  sehen,  dass  die  Farbe
nicht  blos  in  der  oberen  Haarschicht  der  Decke  haftet,  sondern  auch  in  das  eigentliche
Gespinnst  derselben  eindringt.  Bei  Benutzung  dieser  Zeichnentinte  können  ee  hölzerne
  Stempel  gebraucht  werden.  Die  obige  Quantität  liefert  circa  53-000  Stempelabdrücke.
  Die  mit  beweglichen  Ziffern  einzurichtenden  Stempel  sind  sorgfältig  aufsubewahren.
  .  .

Neuerdings  ist,  wie  aus  dem  folgenden  Erlasse  hervorgeht,  eine  andere
  bessere  und  leichter  verwendbare  Tinte  zum  Wäschezeichnen  empfohlen.


(Erlass  des  Militär-Oel  Depart  ts  vom  2.  Februar  1863.)  Im  Geschäftsbereiche
  der  Intendantur  8.  Armeeherps  ist  eine  Dinte  zum  Stempeln  der  Wäsche-Gegenstände
  nach  einem  Recopt  des  Apotheker  Richter  in  Cöln  zur  Anwendung  gekommen,
  welche  der  Dampfwäsche  widersteht  und  vor  dor  bisher  verwendeten  Itempeldinte
  den  Vorzug  hat,  dass  eine  Behandlung  der  zu  stempelnden  Gegenstände  durch
eine  vorbereitende  Flüssigkeit  nicht  erforderlich,  die  Manipulation  des  Stempelns  also
weniger  mühevoll  und  zeitraubend  ist.

Der  Königlichen  Intendantur  wird  das  bezügliche  Recept,  sowie  eine  Begutachtung
desselben  and  Verbessorungs-Vorschläge  des  Ober-Stabsapothekers  Kleist  iftll
mit:  dem  Anheimstellen  mitgetheilt,  künftig  diese  Dinte  zum  Stempeln  der  Wäsche-Gegenstände
  verwenden  zu  lassen.