752  A.  Friedens-Lazarethe.

machen,  und  unten  in  den  Stubenthüren  Schieber  von  Holz  angebracht
werden,  sofern  nicht  schon  die  in  den  Grundsätzen  über  die  Einrichtung
neu  zu  erbauender  Garnison-Lazarethe  angeordnete  Anbringung  eines
Ventilators  an  jedem  Fenster  in  den  Krankenstuben,  Behufs  der  Luftreinigung
  genügend  sein  sollte.  (Neuerdings  sind  in  mehreren  Lazarethen
Versuche  mit  besonderen  Ventilations-Vorrichtungen  gemacht  worden,  so
z.  B.  in  Stettin,  in  Königsberg  u.  s.  w.)  Die  Räucherungen  und  die  Wahl
der  dazu  zu  verwendenden  Substanzen  müssen  der  Beurtheilung  des  betreffenden
  Arztes  überlassen  bleiben.

&amp;.  292.  Ganz  insbesondere  ist  auch  darauf  Bedacht  zu  nehmen,  dass
die  Luft  in  der  nächsten  Umgebung  der  Lazarethe  nicht  etwa  durch  die
Ausdünstungen  der  Latrinen  derselben  verunreinigt  und  dadurch  den
Kranken  nachtheilig  werde.  Zur  Milderung  des  üblen  Geruchs  der  Kothgruben-Latrinen
  ist  in  einigen  Orten  bereits  der  Versuch  gemacht  worden,
die  Exkremente  mit  ungelöschtem  Kalk  zu  überdecken.  Sofern  diese
Massregel  sich  als  zweckentsprechend  bewähren  und  die  Kosten  zu  dem
dadurch  erlangten  Nutzen  in  einem  angemessenen  Verhältnisse  stehen
sollten,  steht  der  allgemeinen  Anwendung  derselben  Nichts  entgegen.

8.  293.  Dass  Sauberkeit,  Trockenheit,  baldiges  Wegschaffen  aller
Unreinigkeiten  der  Kranken,  der  alten  Wäsche  nnd  der  Speisereste,  sowohl
an  sich,  als  zur  Erhaltung  einer  guten  und  gesunden  Luft  höchst  nöthig
sind,  bedarf  keiner  weiteren  Erörterung.  Es  ist  daher  Pflicht  der  dafür
verantwortlichen  Lazareth-Kommissionen,  dass  sie  mit  Energie  für  die
Erhaltung  der  Ordnung  und  Reinlichkeit  in  den  Lazarethen  Sorge  tragen.  —
Das  wirksamste  Mittel  gegen  Ungeziefer,  als  Wanzen,  Flöhe,  Ratten,
Mäuse  etc.  ist  sorgfältige  und  unausgesetzte  Reinlichkeit.  Gegen  die  Wanzen
dient  ausserdem  das  Losschlagen  der  lockeren  Stellen  des  Abputzes  solcher
Wände  und  Decken,  in  denen  sie  sich  eingenistet  haben,  die  frische  Verputzung
  und  sorgfältige  Verdichtung  der  Fugen,  das  öftere  Weissen,  das
Hinzusetzen  von  frischer  Ochsengalle  zur  Kalkmilch.  (Der  Oberstabs-  Apotheker
  Kleist  hat  im  Jahre  1858  cine  Anleitung  Behufs  Vertilgung  der
Wanzen  gegeben,  welche  den  Lazareth-Kommissionen  zur  Beachtung  empfohlen
  ist.)  Wegen  Anwendung  aussergewöhnlicher  Mittel  zur  Vertilgung
der  Ratten  und  Mäuse  cfr.  $.  387.

.  294.  Die  Fussböden  in  den  Krankenstuben  etc,  werden  im  Sommer
in  je  er  Woche  einmal,  im  Winter  alle  14  Tage  mit  nassem  Sande  gescheuert,
  wobei  jedoch  die  nöthige  Vorsicht  anzuwenden  ist,  damit  die
Dielen  und  Balken  nicht  von  der  Feuchtigkeit  angegriffen  werden.  Ausserdem
  werden  die  Stuben  alltäglich  trocken  ausgefegt  und  bei  dieser
Gelegenheit  die  Spucknäpfe  in  der  Regel  wöchentlich  cinmal,  da  wo  es
erforderlich,  aber  täglich  mit  frischem  Sande  versehen.  —  Das  Sandstreuen
darf,  ausser  auf  den  Vortreppen  und  Corridoren,  nicht  stattfinden,  und
auch  zum  Streuen  auf  den  Vortreppen  etc.  darf  kein  feiner  Sand  verwendet
  werden.

8.  295.  Ausserordentliche  Reinigungs-Massregeln,  zu  denen  übrigens
diejenigen  nicht  zu  zählen  sind,  welche  nach  stattgehabten  grösseren  baulichen
  Reparaturen  vorgenommen  werden,  werden  in  solchen  Fällen  angeordnet,
  wo,  nach  dem  Urtheile  der  ärztlichen  Behörde,  die  gewöhnlichen
Massregeln  zur  Erhaltung  der  Salubrität  nicht  ausreichen,  wie  dies  namentlich
  beim  Ausbruche  ansteckender  Krankheiten  der  Fall  ist.  Die  Art
und  Weise  der  vorzunehmenden  Reinigung  und  welche  Ausdehnung  derselben
  zu  geben  ist,  wird  alsdann  ärztlicher  Seits  unter  Konkurrenz  der