Versorgung  der  Dispensir-Anstalten  mit  Araneien,  Verbandmitteln  u.  -.  w.  813

Das  Ernenen  des  Wassers  chehe  in  der  „Yelse,  dass  das  alte  Wasser  in  ein
anderes  Gefiss  oder  durch  ein  kleines  Haarsieb  abgegossen,  dann  das  Aufbewahrungsfüss,
  ohne  die  an  den  Seiten  desselben  festsitzenden  Blutegel  heraussunehmen,  mit
chem  Wasser  ausgespült,  die  abgestorbenen  Egel  davon  getrennt  und  die  mit  ausgossenen
  lebenden  in  das  Gefüss  zurückgesetzt  werden,  worauf  sie  sodann  mit  frischem
asser  zu  versehen  sind.  Bo  oft  en  sich  nüthig  macht,  werden  jedoch  auch  akmmtliche
  Blutegel  aus  dem  Geflisse  entfernt,  und  letzteres  von  dem  an  den  Beiten  sitzenden
Schleime  durch  Scheuern  mit  Sand  gründlich  gereinigt.
4.  Bereitung  des  verdünnten  Essigs,  mit  welchem  die  gebrauchten
Blutegel  Behufs  ihrer  Entleerung  von  dem  eingesogenen
ute  su  behandeln  sin

Die  sur  Behandlung  der  gebrauchten  Blutegel  dienende  sänerliche  Flüssigkeit  wird
bereitet  an:

Unzen  2  Drachmen  Essig  von  vorschriftsmässiger  Stärke  der  Pharmakopoe,
oder  von  einem  solchen  Bluregehalt,  da«s  2  Unzen  desselben  von  einer  Drachme
kohlensaurem  Kali  nen  alisirt  werden,  un

12  Unzen  gewöbnlichem  Wass

Eine  solche  Mischung  ist  genau  nach  diesen  Angaben  in  den  Dispensir  -  Anstalten
zu  bereiten  und  zu  diesem  Behufe  vorräthig  zu  halten.

5.  Regeln  bei  der  Behandlung  der  gebrauchten  Blutegel,  um  denselben
as  eingesogene  Blut  gänzlich  wieder  zu  entsie

Das  Gelingen  eines  solchen  Verfshrens  ist,  um  für  die  Dauer  gesunde  und  saugnlige
  Biatege  wieder  zu  erlangen,  von  drei  nie  ausser  Acht  zu  Isssenden  Momenten

abhängig,  nämlich

a)  dass  die  angesetzten  Blutegel  sofort,  nachdem  sie  abgefallen  sind,  und  also  ohne
Zeitverlust  und  bevor  das  eingesogene  Blut  in  ihnen  mehr  oder  weniger  coagulirt
  ist,  mit  dem  ad  4  bezeichneten  verdünnten  Essig  Behufs  der  Biutentziehung
  übergossen  werden;

b)  dass  der  richtige  Moment  abgepasst  werde,  wo  der  Blutegel,  ohne  denselben
durch  unnöthiges  längeres  Belassen  in  dem  sauren  Bade  abzumatten,  in  den  erschlafften
  Zustand  verfallen  ist,  in  welchem  derselbe  sich,  ohne  Beschädigung
zu  erleiden,  bequem  mit  den  Fingern  untorsuchen  und  ausstreichen  lässt;

c)  dass  diejenigen  Blutegel,  welche  nach  dem  sauren  Bade  noch  etwas  Blut  zurückbehalten
  haben,  von  diesem  durch  sorgfältiges  sanftes  Ausstreichen  befreit
werden.

Das  specielle  Verfahren  hierbei  ist  folgendes:

Die  Blutegel,  welche  gesogen  haben,  werden  sofort,  nachdem  sie  abgefallen  sind,
in  ein  beliebiges  Glas  mit  weiter  Oeffnung  von  entsprechender  Grösse  gethen,  und  in
dem  Verhältniss,  dass  circa  6  Blutegel  auf  3  Unzen  Flüssigkeit  kommen,  mit  dem  ad  4
bezeichneten  verdünnten  Essig  von  lauwarmer,  jedoch  20)  Grad  R.  nicht  überschreitender
  Temperstur  übergossen,  und  darin  Minuten,  oder  so  lange  belassen,  bis  die
Bestrebungen  derselben,  aus  dem  Glase  heraus  zu  kommen,  aufgehört  haben,  wobei
man  die  Oeffnung  des  Gefässes  mit  einem  Stückchen  Zeug,  welches  mit  dem  verdünnten
  Esaig  angefeuchtet  worden,  verschlossen  hält,  und  urch  Be  ewegung  der  Flüssigkeit
  im  Glase  das  Kopfende  der  Blutegel  möglichst  unter  der  Flüssigkeit  zu  erhalten
  sucht.  ’

Die  Blutegel  gerathen  nach  der  Vebergiessung  sogleich  in  eine  heftige  Bewegung,
beginnen  alsbald  mit  dem  Ausspeien  des  Blutes  und  fahren  damit  so  lange  fort,  bis
sie  in  einen  Zustand  der  Erschlaffung  verfallen  sind,  so  dass  nach  Verlauf  von  5  Minuten,
je  nach  ihrer  Grösse  und  Widerstandskraft,  ein  Theil  alles  Blut,  andere  dasselbe  bis
auf  einige  Tropfen,  von  sich  gegeben  haben,  während  andere  noch  eine  so  grosse  Lebensenergie
  besitzen,  dass  sie  einer  zweiten  Uebergiessung  mit  dom  verdüunten  Essig
bedärfen,  um  das  zurückgehaltene  Blut  von  sich  zu  geben.

Erfolgt  eine  solche  Behandlung  sofort  nach  dem  Abfallen  der  Blutegel,  und  haben
diese  nicht  etwa  altes  Blut  bei  nich,  was  der  Blutegel  freiwillig  nicht  von  sich  geben
kann  und  was  sich  beim  Ausstreichen  durch  eine  dunkele  theerartige  Beschaffenheit  zu
erkennen  giebt,  so  gelingt  es  auf  diese  Weise  in  der  Regel,  alles  frisch  eingesogene
Blut  bis  auf  den  letzten  Tropfen  aus  dem  Blutegel  zu  entfernen,  und  bleiben  nur  wenige
übrig,  welche  noch  einer  manuellen  Nachhülfe  bedärfen.

Nach  V  ten  entferne  man  die  Blutegel  aus  dem  sauren  Bade,
spüle  sie  mit  reinem  Wasser  von  mindestens  +  15  Gr.  R.  gut  ab  und  prüfe,  ob  sie  so
weit  erschlafft  nind,  dass  sie  sich,  obne  irgendwie  misshandelt  zu  werden,  ausstreichen
lassen,  was  eich  durch  die  Praxis  am  besten  erlernen  lässt.