816  B.  Dispensir-Anstalten.

nl.  Betreffond  die  Frage,  in  wie  kurzen  Zwischenrkumen  die  Appliion
  der  Blutegel  wiederholt  werden  kan

Für  jetzt  steht  hierüber  nach  diesseitig  gemachten  Erfahrungen  nur  so  viel  feat,
dass  der  Blutegel  die  Blutentziehung  und  eine  wiederholte  Applikation  —  unbeschadet
seiner  Erhaltung  und  Saugkraft  —  sehr  wohl  vertr.  ragt,  m  wenn  solche  in  grössereu  Zwischenräumen
  von  4  zu  4  Wochen  vorgenommen  wi  wie  weit  selbige  dagegen  in
noch  kürzeren  Zwischenrkumen  ohne  Nachtheil  für  Gerber  wiederholt  werden  kann,
darüber  fehlt  es  bis  jetst  an  bestimmten  Anhaltspunkten  noch  gänzlich  und  wärden
solche  erst  durch  weitere  Erfahrungen  gefunden  werden  müssen.  Da  man  sich  nun
aber  mit  der  von  andern  Seiten  ausgesprochenen  Ansicht,  dass  sich  nur  durch  eine
rasch  auf  einander  folgende  Entleerung  und  Wiederbenutzung  der  Blutegel  von  5  zu
%  Tagen,  der  gröuste  financielle  Nutzen  aus  dem  in  Rede  stehenden  Verfahren  ziehen
lasne,  insofern  nicht  hat  befreunden  können,  als  der  Blutegel,  bei  welchem  durch
saure  Bad  ein  starkes  Abhäuten  in  Form  eines  denselben  umgebenden  netzartigen  Gewebes
  veranlasst  wird,  in  so  kurzer  Zeit  nicht  wohl  im  8  tande  ist,  den  normalen  Zustand
  seiner  Hülle  wiederherzustellen,  so  ist  in  dieser  Beziehung  vorläußg  und  bis  zur
Erlangung  grösserer  Gewissheit  ein  Zwischenraum  von  Il  bis  13  Tagen  angenommen,
für  die  grösseren  Militär-Lezarethe  jedoch  zur  Erzielung  näherer  Resultate  hierüber,
neben  jenem  aber  such  ein  Zeitraum  von  4  Wochen  für  zweckmässig  erachtet  worden.

Bei  solchen  Blutegeln  dagegen,  bei  denen  sich  an  der  Beite  Eindrücke  oder  an
einzelnen  Körpertheilen  förmliche  Einschnürnugen  (der  Beginn  der  Knotenkrankheit)

ar  machen,  und  die  erfehrungsmässig  ohnehin  bald  absterben,  ist  die  Wie:
applikation  resp.  die  Auffrischung  derselben  in  kürzeren  Zeitabschuitten  vog  circa  5
zu  5  Tagen  angerathen,  und  so  lange  es  gelin  will,  fortzusetzen,  und  ist  diese
Klasse  der  kranken  Blutegel  das  Gefäss  Nr.  5  Gestimmt  worden.

12.  Berichterstattuug.

Im  Januar  eines  jeden  Jahres  haben  die  Lazareth-Kommissionen  dem  betreffenden
Korps-Generalarzt  über  folgende  Punkte  Bericht  zu  erstatten:

a)  wie  viel  frische  Bintegel  im  Laufe  des  Jahres  angekauft  worden

b)  wie  viel  durch  die  qu.  Behendlung  wieder  saugfähig  gemacht  worden  und  zur
Applikation  gelangt  sind;

e)  wie  viel  durch  Absterben  in  Abgang  gekommen;

d)  welcher  von  den  vorgeschlagenen  Zwischenräumen,  der  I0-  bis  Iätägige,  oder
der  vierwöchentlicbe,  die  günstigsten  Resultate  ergeben  hat;

e)  welche  anderweite  bessere  Verfahrungsweisen  sich  etwa  gegen  die  hier  gegebenen
  Vorschriften  aus  dem  praktischen  Betriebe  herausgestellt  haben;

f)  Namhaftmachung  derjenigen  Lazareth-Gehülfen,  welche  durch  sorgsame  Behandlung
  der  gebrauchten  Blutegel  die  &gt;  günstigsten  Resultate  erlangt  haben,  um
diese  demnlichst  dem  Königlichen  Militäir-O  zur  Gewäheiner

  Remuneration  in  Vorschlag  zu  bringen.

Berlin,  den  13.  Juni  1857.

Der  Chef  des  Militär-  Medicinal-  Wesens.
Für  denselben
(gez.)  Dr.  Hoppe,  General-  Arst.

4.  (Cirkular  an  die  Generalärzte  vom  ?.  April  1860.)  Euer  Hohwohlgeboren  ermangle
  ich  nicht,  im  Verfolg  meines  ergebensten  Schreibens  vom  13.  November  1:38,
in  Nachstehondem  die  Gesammtresultate  in  Betreff  der  im  Jahre  1958  nach  der  Instruktion
  vom  13.  Juni  1857  in  den  Militälr-Lasarethen  wieder  saugfühig  gemachten  Blutegel
  ebenmässig  mitzutheilen.

IE.  Erlangte  Resultate.  Nach  den  vorgelegenen  Berichten  der  Lazareth-Kommissionen
  und  der  Herren  Korps-Generaliirste  ist  das  qu.  Verfahren  im  Jahre  1858

in  113  Militär-Lazarethen  in  Anwendung  gekommen,  und  sind  in  diesen  10209  Stück
Fische  Biutegel  angekanft  und  davon  nach  dem  vorgeschlagenen  Verfahren  13982  Stück
odor  nach  Procenten  86  pCt.  wieder  saugfühig  gemacht  worden  und  zu  neuer  Applikation
  gelangt.  Die  auf  solche  Weise  orsparten  13992  Blutegel  lassen  sich,  das  Stück

zu  2  Bgr.  nommen,  auf  Höhe  von  932  Thir.  4  Sgr.  ver  n;  ein  Ergebniss,
welches  mit  Rücksicht  darauf,  dass  die  Sache  im  Entstehen  b  en,  und  wie  jede
neue  Bache  sich  erst  durch  Praxis  und  weitere  Erfahrun  brechen  muss,  als

ein  günstiges  anzusehen  ist.  Die  günstigsten  Resultate  nd  erlangt  worden  in  den
Lazarethen  zu
Pr.  Stargardt,  denn  es  sind  von  3  angekauften  Egeln  52  saugfähig  gemachte  zur
pplikation  gekommen,