820  B.  Dispensir-Anstalten.

bei  den  übrigen  Armeekorpe  keine  günstigen,  zum  Theil  sogar  sohr  ungünstige  Resultate
  ne  Als  Nachtheil  wird  in  einigen  Berichten  erwähnt,  dass  so  behandelte
Blutegel  ber  der  Aufbewahrung  viel  mehr  der  Knotenkrankheit  unterlägen.  Darin
stimmen  jedoch  die  Berichte  mit  den  diesseitig  gemachten  Beobachtungen  überein,  dass
so  behandelte  Blutegel  gleich  nach  der  Manipulation  munter  und  rasch  im  Wasser
sich  umher  bewegen,  und  demnach  zu  früheren  und  öfteren  Applikationen  geeigneter
sein  möchten,  als  diejenigen,  bei  denen  das  netzartige  Gewebe  des  ganzen  Egels  bei
der  Blutentziehung  stark  angegriffen  worden  ist.  Die  grossen  Unterschiede  in  den
Resultaten  dürften  hier,  wie  dies  auch  in  einigen  Berichten  hervorgehoben  worden,
wobl  vorzugsweise  in  der  geringeren  oder  grösseren  Fertigkeit  rosp.  dem  Geschick
beim  Ausstreichen  zu  suchen  sein.  Es  geht  aber  sowohl  hieraus,  als  aus  den  bis  jetzt
in  der  Wiedersaugfibigmachung  der  Egel  gesammelten  Erfahrungen  so  viel  mit  Gewissheit
  hervor,  dass  die  höhere  Verwerthung  durch  möglichst  oft  zu  wiederholende  Applikation
  derselben  nur  durch  möglichste  Schonung  der  inneren  Organe  der  Egel  zu  erlangen
  ist  und  dass  hierbei  wieder  nur  solche  Reizmittel  in  Anwendu  ung  gebracht  werden,
durch  welche  die  Sau  I  fe  der  Egel  am  wenigsten  beeinträchtigt  wird.  Von  diesem
Grandsatze  ausgehend,  hat  der  Herr  Ober-Stabsapotheker  Kleist  mit  5  gesogenen
den  Versuch  gemacht,  nur  die  Mundöffnung  mit  dem  nach  der  Instraktion
verdlenten  Essig  in  Berührung  zu  bringen,  und  so  das  Ausstreichen  zu  bewirken,  was
vollkommen  gelang  und  gleichfalls  Biutegel  lieferte,  welche  gleich  nach  der  Manipulation
  sich  munter  im  Wasser  umherbewegen  und  hierauf  in  die  Hand  genommen  sich
kugelförmig  zusammenzogen.  Bei  dieser  Verdünnung  des  Essigs  ist  es  jedoch  nöthig,
während  des  Ausstreichens  das  Kopfende  in  dem  verdünnten  Essig  zu  belassen  und  das
Blut  in  denselben  hinein  zu  drücken,  mit  dem  Essig  aber  sofort  zu  wechseln,  sobald
derseibe  bei  zu  grosser  Mischung  und  Verdünnung  mit  Blut  keine  Reaktion  mehr  auf
die  Mundöffnung  des  Blutegels  ausübt.  —  Wie  sich  aus  den  Berichten  ergiebt,  ist  man
in  den  Lazaretben  zu  Brandenburg,  Coblenz  und  Rastatt  bereits  auf  eine  gleiche  Idee
gekommen  und  sind  aus  diesem  Verfahren  die  hervorragend  günstigsten  Resultate
welche  bisher  erlangt  worden,  hervorgegangen,  denn  es  sind  in
Brandenburg  mit  44  ange  auften  Blutegeln  178  Applikationen,
Coblenz  -  1372
tatt  -  134  }
bewerkstelligt  und  auf  diese  Weise  die  Ersparniss  in  diesen  3  Lazarethen  auf  Höhe
von  resp.  304,  132  und  259  pCt.  gebracht  worden.  In  Brandenburg  ist  hierbei  die  instruktionsmässi
  Verdünnung  des  Essigs,  in  Rastatt  ein  Gemisch,  bestehend  aus  I  Theil
Essig  und  2  Theilen  Wasser  in  Anwendung  gekommen.  Am  letzteren  Orte  sind  einzeine
  Blutegel  8  bis  ID  Mal  zur  Applikation  gelangt.  Mit  Rücksicht  darauf,  dass  bereits
  ermittelt  worden  ist,  wie  ein  zu  langes  Verweilen  im  Essigbade  resp.  die  Anwendung
eines  nicht  genügend  mit  Wasser  verdünnten  Essigs  ein  usamwünschrumpfes
und  früheres  Absterben  der  Blutegel  zur  Folge  hat,  erscheint  es  gerathen,  auch
bei  diesem  Verfahren  den  instruktionsmässig  verdännten  Ensig  in  Anwendung  zu  bringen.
  Bei  diesen  überaus  günstigen  Resultaten  kann  ich  Euer  etc.  nur  ergebenst  ersuchen,
  das  vorgedachte  Verfahren  gefälligst  zur  Kenntniss  der  sümmtlichen  Lazsrethe
Ihres  Korps  su  Bein  n  und  die  versuchsweise  Anwendung  insbesondere  da  anzusmpfehlen,
wo  die  Lazaretb-G  ehülfen  das  hierzu  nöthige  manuelle  Geschick  im  Ausstreichen,  worauf
hierbei  Alles  ankommt,  besitzen  und  nur  solche  Gehülfen  hiermit  zu  betrauen,  andernfalls
  aber  es  bei  dem  instruktionsmässigen  Verfahren  zu  belassen.

Uober  die  Behandlung  der  Blutegel  im  verdünnten  Essigbade  ohne

Ausstreichen.  Dies  Verfahren  hat  nur  in  sehr  wenigen  Lazsrethon  Nachahmung
da,  wo  es  geschehen,  keine  günstigen  Besultate  geliefert.  Dasselbe  ist
such  schon  n  deshalb  nicht  geeignet,  empfohlen  zu  werden,  weil

a)  damit  ein  lüngeres  Verweilen  des  Blutegels  im  Bade  verbunden  ist  und  dies
schon  ein  Zusammenschrumpfen  und  früheres  Absterben  zur  Folge  hat;

b)  es  auf  solche  Weise  nie  erreicht  werden  kann,  dass  alle  Blutegel  die  letzten
Spuren  Blut  freiwillig  von  sich  geben,  und  alle  solche  Egel,  welche  wenn  auch  nur

inige  Tropfen  Blut  zurückbehalten  haben,  in  den  Monaten  Juli  und  August,  besonders
bei  stattfindenden  Gewittern,  dies  Blut  dann  von  sich  geben,  sofort  erkranken  und  unrettbar
  verloren  sind;

e)  im  Handel  leider  auch  häufig  solche  Blutegel  vorkommen,  welche  bereits  gesogen,
  noch  altes  theerartiges  Blut  bei  sich  haben,  dies  freiwillig  aber  nicht  abgeben
können  und  bei  diesem  Verfahren  vorweg  als  verloren  zu  betrachten  sind.  Ferner
wird  hier  noch  bemerkt,  dass  die  anderweit  empfohlene  Methode  der  Blutentziehung
durch  Anhauchen  des  Blutegels  mit  Tabacksrauch  auch  in  einigen  Militär-Lazarethen
gep  rüft  worden  ist,  diese  Versuche  indess  sehr  ungünstig  ausgefallen  sind,  indem  dio
Iutegel  alsbald  darnach  abstarben.