Versorgung  der  Dispensir-Anstalt.  mit  Arzneien,  Verbandmitteln  u.  sw.  821

Ueber  die  Conservation  des  Wassers  durch  Moos,  Kohle,  Kiessand,
Marmor.  Die  Anwendung  des  Mooses  hat  bei  einigen  Lazarethen  günstige,  in  der
Mehrheit  der  Fälle  jedoch  keine  günstigen  Resultate  zur  Folge  gehabt,  und  wird  daher
  von  der  allgemeinen  Anwendung  desselben  um  so  mehr  zu  abstrahiren  sein,  als
dasselbe  häufig  in  Fäulniss  übergeht  und,  wie  die  Praxis  gelehrt  hat,  es  schwierig  ist,
die  abgestorbenen  Blutegel  sofort  darin  zu  entdecken  und  daraus  zu  entfernen.  Kiessand
  oder  kleine  Kieselsteinchen  haben  sich  dagegen  überall  bewährt,  und  ist  die  Anwendung
  derselben  zur  bessern  Conservation  des  Wassers  und  um  dem  Blutegel  ein
Mittel  zu  gewähren,  sich  die  Oberhaut  besser  abstreifen  zu  können,  allgemein  zu  empfehlen.
  Kohle  (worunter  Holzkohle  in  Stücken  von  der  Grösse  einer  Haseinuss  zu
verstehen  ist)  empfiehlt  sich  überall  da,  wo  das  in  Anwendung  kommende  Wasser  organische
  Stoffe  enthält  und  leicht  in  Fäulniss  übergeht.  Wo  wegen  schlechter  Beschaffenheit
  des  Brunnenwassers  Flusswasser  zur  Aufbewahrung  der  Blutegel  vorgezogen
wird,  ist  Marmorgruss  das  geoignetste  Mittel,  der  raschen  Fäulniss  desselben  vorzubeugen
und  die  Erzeugung  von  Infusorien  zu  vorhüten.  Recht  günstige  Resultate,  welche
nach  den  Berichten  erlangt  worden,  sprechen  auch  dafür,  nur  ist  der  Marmor  nicht  in
Pulverform,  sondern  in  kleiner  Btückenform,  in  welcher  er  sich  besser  reinigen  lässt,
anzuwenden.  Schutz-  resp.  Conservationsmittel  des  Wassers,  welcher  Art  sie  auch  sein
mögen,  sind  indess  immer  nur  auf  eine  gewisse  Zeit  beschränkt  und  machen  os  gleichwohl
  nöthig,  dass  die  durch  das  starke  Häuten  der  Egel  erzeugten  Schleimabsonderun
von  den  Wänden  der  Geflisse  und  von  dem  Schutzmittel  selbst  durch  sorgfältiges  Reinigen
  von  Zeit  zu  Zeit  beseitigt  werden.

Ueber  die  verschiedene  Anwendung  von  Brunnen-  oder  Flusswasser.
Eine  bestimmte  Norm  darüber,  ob  Brunnen-  oder  Flusswasser  zur  Aufbewahrung  zu
verwenden  sei,  lässt  sich  deshalb  nicht  geben,  weil  das  Brunnenwasser  an  den  verschiedenen
  Garnisonorten  nie  von  gleicher  Beschaffenheit  angetroffen  wird  und  es  Orte
giebt,  wo  dasselbe  in  dem  Grade  mit  organischen  Stoffen,  Kalk-  etc.  Salzen  überladen
ist,  dass  es  selbst  den  Apothekern  nicht  gelingen  will,  die  Biutegel  am  Leben  zu  erhalten.
  Es  kann  daber  nur  nach  den  am  Orte  selbst  gesammelten  Erfahrungen  entschieden
  werden,  welchem  Wasser  hier  der  Vorzug  zu  geben  ist.  Brunnenwasser  ist  in
der  Instruktion  besonders  deshalb  empfohlen  worden,  weil  es  im  Allgemeinen  sich  länger
conserviren  lässt,  als  Regen-  und  Flusswasser.

Im  Allgemeinen.  Ueber  die  Rast,  welche  dem  Biutegel  bis  zur  Wiederapplikation
  zu  gewähren  ist,  sprechen  sich  die  Berichte  im  Allgemeinen  in  den  Sommermonaten
  für  eine  4  wöchentliche,  in  den  Wintermonaten  für  eine  2  bis  3  wöchentliche
aus.  Schliesslich  führe  ich  ergebenst  an,  dass  in  den  Berichten  von  vielen  Seiten  die
Ueberzeugung  ausgesprochen  worden  ist,  dass  im  finkalischen  Interesse  und  zum  Gelingen
  der  guten  Bache  unerlässlich  nöthig  sei,  dass  wo  möglich  nur  solche  Lazareth-Gehülfen
  mit  der  Ausführung  der  Wiedersaugfäbigmachung  der  Blutegel  betraut  werden,
welche  Lust  und  Liebe  zur  Sache  haben  und  ds  hierzu  nöthige  manuelle  Geschick
besitzen,  weshalb  ich  Ew.  Hochwohlgeboren  ergebenst  anheimgebe,  hierauf  besonders
in  den  grösseren  Garnisonorten  möglichst  Rücksicht  nehmen  zu  lassen.

5a.  (Erl.  d.  Chefs  d.  Mil.-Med.-Wesens  v.  14.  Juli  1862.)  Euer  Hochwohlgeboren
ermangele  ich  nicht,  über  die  Gesammtresultate  der  im  Jahre  1861  in  den  Militär-Lazarethen
  wieder  saugfühig  gemachten  Blutegel,  sowie  über  die  in  dieser  Angelegenheit
weiter  gemachten  Erfahrungen  und  Verbesserungen  Nachstehendes  ergebenst  mitzu-Nach

  den  von  den  Herren  Korps-General-Aerzten  eingesandten  Uebersichten  und
Berichten  und  auf  Grund  derselben  hier  zusammengestellten  General-Uebersicht,  ist  das
im  Jahre  1861  durch  dies  Verfahren  erzielte  Resultat  in  sofern  ein  recht  erfreuliches

machung  befasst  haben,  27,611  Stück  Bilutegel  angekauft,  und  50,774  Applikationen

ausgeführt  worden,  so  dass  23,103  Stück  Biutegel  als  erspart  zu  betrachten  sind,

welche  letztere  zum  Werthe  von  2  Sgr.  pro  Stück  berechnet,  eine  Minderausgabe  von
1544  Tbir.  6  Sgr.  ergeben.

Die  Ersparniss  ist  nach  den  hier  aufgestellten  Berechnungen  bei  den  verschiedenen

Armee-Korps  eine  von  einander  etwas  abweichende  gewesen,  und  hat  betragen,  beim

8.  Armee-Korps  123,  5°),

.  ”  ”  ’  8,

Garde-Korps  88,1,

5.  Armeo-Korps  81,  6,