Versorgung  der  Dispensir-Anstalten  mit  Arszneien,  Verbandmitteln  u.s.w.  835

Beschaffenheit  in  7  verschiedene  Klassen  bringen,  aiinlich  „’  in  solche  von  geringerer
Qualität  resp.  Vorfälschung  von  Arzneistoffen,  2)  von  ischer  Unreinheit,  3)  von
unrichtigen  specifischem  Gewicht,  4)  von  mangelhafter  Zerkleinerang  oder  Mischung,
#)  von  Verunreinigung  durch  Staub,  Stiele,  Hällen,  Wurzelknollen  etc.,  6)  von  unvorschriftsmässiger
  Zubereitung,  ;)  von  Verderbniss  durch  zu  lange,  oder  nicht  swockentsprechonde
  Aufbewahrung  der  Arzneien.
ad  1  und  ?.  Die  Zahl  der  wegen  geringer  Güte  der  Droguen  und  Unreinheit
der  Chemikalien  und  Präparate  getadelten  Arzneimittel,  als  derjenige  Theil,  worauf  in
Bezug  auf  die  kontraktlichen  Lieferungen  ein  besonderes  Gewicht  gelegt  werden  muss,
ist  beim  Garde,  1.,  2.  Armee-Korps,  in  Posen  und  Neisse  im  Vergleich  zur  Zahl  der
überhaupt  geprüften  Mittel  als  unerheblich,  bei  den  revidirten  Dispensir-Anstalten  der
übrigen  Armee-Korps  dagegen  als  beachtungswertli  zu  bezeichnen.  Der  hier  erhobene
Tadel  traf  vorzugsweise  Aether  9  Mal,  Cort.  Chin.  reg.  6  Mal,  folia  sennae  IN  M
Opium  I)  Mal,  radix  glycirrhizge  conc.  15  Mal,  rad.  jalapae  pulv.  3%  Mal,  rad.  rbei
7  Mal,  rad.  sarsaparill.  conc.  %  Mal,  hydrargyr.  muriat.  mite  (Brandenburg  1  Mal  enthielt
  Spuren  von  Sublimat)  und  diverse  Salze,  wo  anstatt  der  gereinigten  Salze  die
rohe  wohlfeilere  Waare  geliefert  worden.  Sämmtliche  Arzneimittel  gehören  zu  denen,
welche  grossentheils  von  intensiver  Wirksamkeit  sind  und  in  hohem  Preise  stehen,  so
dass  im  Interesse  der  Kranken,  wie  der  Staatskassen  auf  deren  reelle  Lieferung  besonders
  gesehon  werden  muss
ad  3.  Von  uurichtigem  epecifischem  Gewicht  wurden  Aether  und  dessen  Präparate,
  Tinkturen,  Lösungen  und  Säuren  angetroffen,  was  sich  zum  Theil  aus  dem  Mangel
eines  Instrumentes  zur  Prüfung  des  specifischen  Gewichts  in  den  Dispensir-Anstalten
erklärt.  Um  dienem  Uebelstande,  insoweit  es  thunlich,  Abhülfe  zu  verschaffen,  werden
alle  diejenigen  Dispensir-  Anstalten,  wo  einjährige  Volontär-Pharmaceuten  angestellt
werden,  zur  Abnahme  des  specifischen  Gewichts  mit  einem  INN)  Granglas  versehen
werden.
ad  !  und  5.  Mangelhafte  Zerkleinerung  oder  Mischung  etc.  wurde  im  Ganzen
seltener  monirt  und  gehört  zu  den  leichter  abstellbaren  und  zu  kontrolirenden  Fehlern
von  weniger  erheblichem  Belag
ad.  Die  unvorschriftsmässige  Zubereitung  bezog  sich  auf  Saturationen,  Tinktaren,
  Salbon,  Pflaster,  Brechweinstein,  Goldschwefel  etc.  Sie  füllt  theils  den  in  den
Dispensir-Anstalten  atattgefundenen  Belbatbereitungen,  theils  den  liefernden  Apothekern
zur  Last  und  hat,  obgleich  tadelnswerth,  keine  ernsto  Bedeutu
ad  ;.  Verdorbeue  Arzneimittel  fanden  sich  in  aumerordentlich  grosser  Anzahl
vor.  Die  Verderbniss  war  grossontheils  durch's  Alter  und  vieljährige  Aufbewahrung
bedingt  uud  betrifft  namentlich  solche  Mittel,  welche  nur  seltener  gebraucht  werden,
oder  andere,  wovon  in  Folge  früherer  Mobilmachung  die  Dispensir-Anstalten  mit  zu
grossen  Vorräthen  versehen  worden,  oder  aber  solche,  bei  denen  es  an  zweckmässigen
Gefässen  gefehlt  hat,  und  ist  die  Verderbniss  auch  zum  Theil  durch  ungeeignete  feuchte
Lokalien  herbeigeführt  worden.  Was  den  Mangel  an  geeigneten  Gefässen  anlangt,  no
wird  diesem  Uebelstande  für  die  Folge  durch  die  vom  Königl.  Militär-Oekonomie-Departement
  in  grösserer  Zahl  und  geeigneter  Form  bewilligten  Standgefisse  mögichst
Abhülfe  verschafft  werden,  jedoch  erscheint  es  dringend  geboten,  dass  in  dor
BRtandgefässe  auch  ein  gewisses  Mass  und  Ziel  innegehalten  werde,  und  kann  ich
Euer  etc.  dieserhalb  nur  ergebenst  ersuchen,  bei  Ihren  Revisioneu  der  Dispensir-Anstalten
  darauf  zu  seben  und  den  Ober-Militär-Aerzten  anzuempfehlen,  dass  solche  Arzneimittel,
  welche  zu  den  seltner  gebräuchlichen  gehören,  nicht  auf  Vorrath  angeschafft,
nondern  nach  Bedarf  fertig  aus  der  Stadt-Apotheke  verschrieben  werden;  nicht  minder
fälligst  anzuorduen,  dass  die  Arzneibestände  von  Seiten  des  Krztlichen  Vorstandes
Ger  Dispensir-Anatalt,  unter  Zuziehung  des  Volontär-Pharmaceuten  resp.  des  liefornden
Stadtapothekers  fleissiger  wie  zeither,  und  mindestens  alle  Jahre  einer  speciellen
Revision  unterworfen  werden,  und  alles  dasjenige  daraus  entfernt  worde,  wo  über  die
verdorbene  und  nicht  zu  redressirende  Beschaffenheit  derselben  kein  Zweifel  weiter
obwaltet,  damit  auf  solche  Weise  der  Anwendung  ganz  oder  halb  verdorbener  Arrneistoffe
  vorgebeugt  werde.  Fasst  man  nun  das  vorstehend  erörterte  Resultat  der  aumergowöhulichen
  Revision  zusammen,  so  lässt  «ich  die  erapriessliche  Nützlichkeit  und
Zweckmässigkeit  derselben  nicht  wohl  verkennen,  denn  sie  hat
)  zu  oinem  genauen  und  sicheren  Urtheil  über  den  Zustand  der  Dispensir-Anstalten
  und  über  die  Beschaffenheit  der  gelieferten  Arzneien  geführt  und  vorhandene
Müngel  und  Fehler  in  derselben  aufgedeckt  und  zur  Sprache  gebracht;
2)  einer  grössern  Zahl  von  Militär-Aerzten  nutzbringende  Belohrungen  über  die
wesentlichen  Eigenschaften  der  Medikamente,  über  die  am  häufigsten  vorkommenden
Verfälschnngen  und  über  dio  Prüfungsart  der  guten  Beschaffenheit  der  Arzneimittel

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