854  B.  Dispensir-Anstalten.

10.  (Erl.  d.  Chefs  d.  Milit.-MeL-Wösens  vom  ?2.  Oktober  1830.)  In  den  Garnison-Lazarethen
  des  2.  Armee-Korps,  wo  die  zu  Verbandmaterial  erforderliche  alte
Leinwand  zum  Theil  durch  Ankauf  beschafft  werden  muss,  ist  seit  circa  3  Monaten
der  Versuch  gemacht  worden,  Shirting  statt  der  alten  Leinwand  zum  Heftpflasterstreichen
  zu  verwenden.  Dieser  Versuch  ist,  nach  dem  Berichte  des  Herrn  General-Areten
  Dr.  Jungnickel,  günstig  ausgefallen,  indem  dadurch  mit  geringeren  Kosten  ein
besseres  Hefipflaster  erlangt  worden  ist,  und  da  im  Bereiche  des  1.  Armee-Korps  die
aus  den  Kasernen  nnd  Larzarethen  an  die  Dispensir-Anstalten  zu  Verbandmaterial  abgegebene
  alte  Leinwand  bisher  nicht  ausgcereicht  hat,  sondern  ebenfalls  ein  gronser

beil  der  für  diene  Anstalten  erforderlichen  alten  Leinwand  hat  angekauft  werden
miissen;  so  ist  auf  meinen  desfallsigen  Vorschlag  von  dem  Kg).  Mil.-Oekon.-Departement
  mittelst  Verfügung  vom  20.  Oktober  1850  genehmigt  worden,  dass  auch  beim
].  Armee-Korps  soweit  als  nöthig  Shirting  statt  der  alten  Leinwand  zum  Heftpflasterstreichen
  benutzt  werde,  jedoch  unter  der  Bedingung,  dass  der  dazu  zu  verwendende
Shirting  nicht  theurer  als  2'/,  Sgr.  pro  Elle  zen  steben  komme.  Zugleich  ist  aber  die
Kg].  Intendantur  des  1.  Armee-Korps  Seitens  des  Kg].  Mil.-Oekon.-Departements  angewiesen
  worden,  dafür  zu  sorgen,  dass  der  Redarf  der  Lazaretlie  an  alter  Leinwand
aus  den  zur  Aurrangirung  kommenden  Wäschertücken  gedeckt  und  dadurch  der  Ankanf
  von  Ahirting  zum  Pfasterstreichen  entbehrlich  werde.  Euer  Hochwoblgeb«.ren
stelle  ich  ergebenst  anheim,  hiernach  di»  Militär-Aerzte  des  1.  Armee-Korps  gefälligst
mit  Instruktion  zu  versehen.

11.  «Utensilien  -  Etat  der  Garnison  -  Lazarethe.)  Einer  der,  bei  allgemeiner  Einführung
  der  weissen  Bettdecken-  und  Kopfpolster-Bezüge  massgebenden  Gründe  war
der,  ein  grönseres  Material  zur  Deckung  des  Bedarfs  an  alter  Leinwand  und  Charpie
damit  zu  gewinnen.

12.  Verbandmittel-Uebersichten.  Damit  es  den  Intendanturen  möglich
werde,  einen  ungeführen  Ueberblick  über  den  jährlichen  Bedarf  an  Verhandmittein  in
den  einzelnen  Dirpensir-Anstalten  des  Korps-Bezirks  zu  gewinnen  und  danach  die  aus
den  Depots  und  Garnison-Anstalten  abzugebenden,  zu  Vurbandgegenstäinden  geeigneten
Materialien-Quantitäten  bemessen  zu  können,  reicht  jede  Dispeusir-Anstalt  am  Ende
des  Jahrus  dem  Korps-General-Arzte  eine  Nachweisung  ein,  aus  welcher  sich  der  muthmassliche
  Bedarf  für  das  kommende  Jahr  ergiebt.  Aus  alleu  diesen  Nachweisungen
lässt  der  General-Arzt  eine  General-Uebernicht  zusammenstellen  und  reicht  solche  der
Ioteudantur  ein.  Es  kommt  bei  Anfertigung  dieser  Uebersichten  nicht  darauf  an,  das
an  den  sonst  vorhandenen  Vorräthen  feblende  Quantam  anzugeben,  sondern  es  haben
diese  Uebersichten  vielmehr  den  Zweck,  aus  einer  mehrjährigen  Berechnung  den  durchschaittlichen
  Bedarf  für  ein  Jahr  zu  ermitteln.  —  Reichen  die  den  Lazaretlien  überwiesenen
  Bestände  nicht  aus,  80  steht  es  denselben  jederzeit  frei,  bei  der  Inteudantur
die  Ueberweisung  der  fehlenden  Verbandgegeustände  za  beantragen.  Dicse  holt  gewöhnlich
  in  solchen  Fällen  die  gutachtliche  Aeusserung  des  Korps-General:  Arztes  über
die  Nothwendigkeit  der  geforderten  Gegenstände  ein,  weist  daun  ein  Depot  oder  vins
grosce  Dispensir-Anstalt  zur  Uebersendung  der  Verbandmittel  an  und  giebt  dem  General-Arzt
  vom  Geschehenen  zur  Kontrole  Kenntniss.

Beschaffung  der  Bruchbänder  und  Suspensorien.  $.  18.

Bruchbänder  und  Suspensorien  brauchen  zwar  da,  wo  sie  von  den
Instrumentenmachern  und  Bandagisten  am  Orte  selbst  gut  und  zu  billigen
Preisen  zu  erlangen  sind,  für  den  laufenden  Bedarf  in  den  Dispensir-Anstalten
  nicht  vorräthig  gehalten  zu  werden,  indem  es  angemessener  ist,
sie  immer  nur  nach  Massgabe  des  Bedarfs  und  den  betreffenden  Individuen
anpassend  anzuschaffen;  jedoch  muss  die,  zur  vorschriftsmässigen  Ausstattung
  der  zur  Aufbewahrung  in  der  Dispensir-Anstalt  befindlichen
Bandagenkasten  erforderliche  Anzahl  einfacher  Bruchbänder  stets  komplet
vorhanden  sein.  Wo  aber  die  Eingangs  erwähnten  Gegenstände  am  Orte
selbst  nicht  gut  oder  billig  genug  zu  haben  sind,  müssen  dieselben  auch
für  den  kurrenten  Bedarf  von  auswärts  her  (und  zwar  durch  die  Lazareth-Kommission
  desjenigen  in  der  Nähe  gelegenen  Orts,  wo  die  Instrumentenmacher
  und  Bandagisten  solche  zu  billigen  Preisen  ablassen)  in  angemessener
  Anzahl  auf  Vorrath  für  die  Dispensir-Anstalt  bezogen  werden.  Die
Lazureth-Kommissionen  und  Militär-Aerzte  müssen  bei  Beschaffung  der
genannten  Bandagen  ganz  besonders  darauf  sehen,  dass  keine  Ueber-