Versorgung  mit  Arsneien  u.  Verbandm.  auf  Märschen,  im  Kriege  et.  99

die  Anfertigung  der  Flauellbindon  für  die  Feldlazarethe  und  für  die  Bandagenkasten
und  Medioin-  und  Bandagenkasten  der  Truppen  igentlich  erst  beim  Eintritt  der  Mobilmachung
  erfolgen  soll;  so  erscheint  es  do  er  Allerh.  befohlenen  Krie,
schaft  nothwendig,  die  in  Rede  stehenden  Binden,  soweit  sie  zur  Ausstattung  der
enkasten  und  Medicein-  und  Bandagenkasten  der  Truppen  erforderlich  und  in
diesen  Kasten  nicht  etwa  schon  vorhanden  sind,  schon  jetzt  anfertigen  zu  lassen.  Ew.
Hochwohlgeboren  ersuche  ich  daher  ergebenst,  gefälligst.  zu  veranlassen,  dass  in  einer
von  Ihnen  zu  bestimmenden  Dispensir-Anstalt  oder  auch  in  zweien  derselben  ungesäumt
zur  Anfertigung  und  demnlichstigen  Vertheilung  dieser  Binden  geschritten  werde.  Was
dagegen  die  Flanellbinden  für  die  Feldlazarethe  betrifft,  so  muss  deren  Beschaffung
bis  zum  Eintritt  der  Mobilmachung  ausgesetzt  bleiben.

8.  (Cirkular  an  die  sämmtlichen  Militär-Aerzte  vom  28.  Oktober  1855,  an  die
General-Aerzte  vom  23.  November  1955  über  den  Gyps-Verband.)  Nachdem  Benasn
selbst  als  die  grösste  Vervollkommnung  seines  Verbandes  die  Auffindung  eines  Bindemittels
  bezeichnet  hatte,  welches  demselben  im  Augenblicke  der  Applikation  Festigkeit
zu  verleihen  im  Stande  wäre,  so  gelang  os  im  Jahre  1852  dem  niederländischen  Regiments-Arzte
  Dr.  Mathysen,  den  vielfach  gesuchten  Stoff  in  dem  Gyps  zu  entdecken  und
dadurch  besonders  unter  Mitwirkung  des  Dr.  van  de  Loo  einen  wesentlichen  Fort
schritt  auf  dem  Gebiete  der  Chirurgie  herbeizuführen.  Beit  dem  December  1333  batve
ich  selbst  im  hiesigen  (Berlin)  Charit-Krankenhanse  Gelegenheit  genommen,  bei  einer
sehr  bedeutenden  Anzahl  von  Kranken,  insbesondere  bei  mehr  als  hundert  Frakturen,
die  neue  Verbandmethode  zu  prüfen  und  dieselbe  in  dem  Masse  bewährt  gefunden,
dass  ich  ihre  Einführung  in  der  Armee  veranlassen  zu  missen  glaubte,  um  so  mebr,
ale  der  Gypsverband,  ausser  der  Eigenschaft,  rasch  zu  konsolidiren,  im  Allgemeinen
aueh  noch  den  Vorzug  der  Einfachheit,  Billigkeit  und  grösseren  Dauerhaftigkeit  im
Vergleich  zu  dem  Kleisterverbande  darbietet.  Die  konstituirenden  Elemente  des  neuen
Verbandes,  welcher  übrigens  alle  Indikationen  mit  dem  Kleisterverbande  gemeinsam
hat,  bilden:  1)  eine  weiche,  den  betreffenden  Theil  unmittelbar  deckende  Umhüllung
von  Watte,  feinem  Werg,  Leinwand  oder  am  Besten  von  Flanell  in  Rolibindenform  —
als  Unterlage  für  den  eigentlichen  soliden  Theil  des  Verbandes;  2)  die  gegypsten  Ver
bendstücke;  3)  allenfalls  auch  noch  ein  mässig  dicker  Gypsbrei  zum  Uebertünchen  und
zur  Unterstützuug  der  Wirksamkeit  der  unter  2  ermähnten  Verbandgegenstände.  —
Die  sub  1  bezeichnete  Unterlage,  welcher  für  Vorderarm-  und  Schlässelbeinbrüche  noch
Longuetten  hinzuzufügen  sein  würden,  bedarf  keines  besonderen  Kommentars,  da  ihre
Applikation  naeh  allgemein  bekannten  Grundsätzen  stattinde  Was  dagegen  die  geypsten

  Verbandstücke  anbelangt,  so  ist  zunächst  zu  bemerken,  dass  von  den  durch
en  Erfinder  des  Verbandes  aufgestellten  Formen  die  Rollbinde  als  die  einfachste  und
in  der  Regel  ausreichende  bezeichnet  zu  werden  verdient.  Die  Anwendung  gegypster
Skultetscher  Binden  ist  zu  komplieirt,  und  derselbe  Vorwurf  trifft  den  zweiklappigen
und  den  sogenannten  Kataplasmen-  -Verband.  Bei  der  mannichfachan  Verwendung  des
Gypsverbandes  in  der  Charits  reichte  die  Rollbinde  überall  aus.  Berugs  der  zu  diesen
Binden  geeigneten  Stoffe  haben  die  Versuche  ergeben,  dass  die  durch  Waschen  von
der  Schlichte  befreite  Leinwand  im  Allgemeinen  als  das  tauglichste  Material  zu  erachten
ist,  denn  obwohl  auch  ungestärkte  baumwollene  Binden  von  nicht  allzudichtem  Gewebe
sehr  wohl  zu  gebrauchen  sind  und  flanellene  sogar  den  Vorzug  vor  den  leinenen  be
sitzen,  dass  sie  einen  noch  festeren  Verband  geben,  so  sind  do  ch  beide  Arten,  wenn  sie
einmal  applicirt  sind,  bei  der  Abnahme  des  Verbandes  kaum  jemals  in  einem  solchen
Zustande  zu  erhalten,  dass  sie  von  Neuem  verwendet  werden  könnten,  während  dagegen
eine  leinene  Binde  in  der  Regel  zu  4  bis  5  Verbänden  verwerthbar  bleibt.  Es  dürfte
demnach  im  Allgemeinen  an  den  leinenen  Binden  festzuhalten  und  der  Gebrauch  der
flanellenen  auf  diejenigen  Fülle  zu  beschränken  sein,  wo  z.  B.  zur  Feststellung  von
Gelenken  ein  vorzugsweise  starrer  und  unnachgiebiger  Verband  erforderlich  erscheint.
Zum  Gypsen  der  Binden  ist  sowohl  der  sogenannte  Form-  oder  Modellirgype,  als  auch
der  gewöhnliche  Maurergyps  von  mir  geeignet  befundet  worden,  jedoch  möchte  der
erstere  da,  wo  er  zu  haben  ist,  vorzuziehen  sein,  indem  er  mit  grösserer  Sorgfalt  gebrannt,
  feiner  gemahlen  und  auch  mit  fremdartigen  Substanzen  weniger  rt  vorn
ist.  Stets  bleibt  die  hauptsächlichste  Anforderung,  welche  man  an  einen  gut  verwen
baren  Gyps  zu  stellen  hat,  diejenige,  dass  er  sorgfältig  gebrannt  und  konservirt,  d.
dass  er  nicht  einen  Theil  seines  Krystallisations-  Wassers  beim  Brennen  vardekbehniten
oder  später  in  feuchter  Luft  wieder  aufgenommen  hat  und  dass  er  nicht  durch  zu  hohe
Hitzegrade  in  einen  Zustand  übergeführt  (todt  gebrannt)  worden  ist,  in  welchem  er  sein
Krystallisations-Wasser  nicht  wieder  aufzunehmen  vermag.  Ein  gut  gebrannter  Gyps
verbindet  sich  mit  der  ihm  durch  das  Brennen  entzogenen  Wassermenge  (4  Gewichtstheile
  Gyps  mit  einem  Gewichtstheil  Wasser)  unter  mässiger  und  allmäliger  Wirmeentwickelung
  (einer  Temperaturerhöhung  von  10  bis  12”  R.)  binnon  10  bis  12  Minuten