30  B.  Dispehsir-Anstalten.

wa  einer  festen,  binnen  25—27  Minuten  zu  einer  steinharten  trockenen  Masse.  Diese
‚Eigenschaften  behält  der  Gypn  nach  den  von  mir  gemachten  Beobachtungen  viele  Mo-‘beats
  hindurch,  sobald  er  durch  sorgfältigen  Versohluss  vor  der  Aufnahme  von  Feuchugkeit
  bewahrt  wird.  Bei  dem  Impräigniren  desselben  in  die  Binde  kommt  es  vorzu
daranf  en,  möglichst  viel  davon  dem  Gewebe  einzuverleiben,  da  gerade  Go
‚Menge  des  Gypses  den  Festigkeitsgrad  des  Verbandes  wesentlich  bedingt.  Man  breitet
'wa  diesem  Behufe  zunächst  das  eine  Ende  der  von  Schlichte  und  Stärke  freien  Birde
auf  einem  platten  Brette  oder  Tische  aus,  bostreut  die  eine  Seite  derselben  mit  Gypsmehl,
  weiches  so  fein  sein  muss,  dass  es  zwischen  den  Fingerspitzen  gerieben  keine
körnige  Beschaffenheit  erkennen  lässt  und  reibt  alsdann  mit  den  Fingern  so  lange  nachdrücklich
  ein,  als  noch  das  Gewebe  davon  aufuimmt.  Das  so  bekandelte  Ende  der
Binde  wird  ganz  locker  aufgewickelt  und  mit  dem  übrigen  Theil  derselben  in  der  nämllohen
  Weise  verfahren.  Nachdem  die  eine  Seite  der  Binde  absolvirt  ist,  gebt  man  zum
'Eioreiben  der  anderen  über,  wobei  man,  um  das  Abstäuben  des  Gypses  zu  verhüten,
-stets  diejenigen  Bindentheile,  welche  man  nicht  gerade  bearbeitet,  lose  aufgerollt  erhalt.
  —  Unter  dieser  Manipulation  nehmen  2  Zoll  breite  mittelstarko  leinene  Binden
‘durchschnittlich  1  Loth  Gyps  pro  Elle  auf.  —  Um  nun  die  Gypsbinde  sum  Verbands
ensuwenden,  legt  man  dieselbe  etwa  ?  Minuten  vor  ihrer  Applikation  in  (kaltes)
'Wasser,  wodurch  sie,  falls  sie  locker  genug  aufgewickelt  war,  vollständig  durchnässt
wird.  Anstatt  des  Wassers  kann  man  sich  auch  einer  Alaunlösung  bedienen,  welche
‚die  Konsolidstion  noch  beschleunigt.  Indessen  ist  dieselbe,  ausser  in  solchen  Fällen,
‚wo  der  Gyps  besonders  durch  unsorgsames  Aufbewahren  an  Bindefähigkeit  etwas  ein-‚gebüsst
  hat,  kaum  je  erforderlich  und  wenn  eie  im  concentrirten  Zustande  (1  Theil
'Alsun  auf  13  bis  20  Theile  Wasser)  benutzt  wird,  sogar  entschieden  nachtheilig,  indem
sie  nicht  nur  ein  zu  rasches,  die  Applikation  der  Binde  verhinderndes  Erstarren  des
Gypses,  sondern  auch  binnen  wenigen  (6)  Minuten  eine  erhebliche  Temperstur-Erhö-‘hung
  (von  fast  20°  R.)  in  dem  Verbande  zur  Folge  hat.  Bieht  man  sich  zur  Anwendung
  einer  Alaunlösung  veranlasst,  so  wird  man  im  Allgemeinen  in  dem  Verhältnisse
von  einem  Loth  Alann  zu  I  Quart  Wasser  eine  geeignete  Mischung  finden.  —  Leimwasser
  hält  die  Konsolidation  ausserordentlich  auf  und  lässt  den  &amp;yps  Stunden  lang
als  eine  schmierige  Masse  erscheinen;  es  ist  deshalb  vollständig  zu  verwerfen.  Im
Nothfalle  soll  man  anstatt  des  Wassers  nach  van  de  Loo  auch  Urin  verwenden  können.  —
Die.  angefeuchtete  Binde  legt  man  im  Allgemeinen  nach  den  gewöhnlichen  Regeln  der
Verbandkunst  in  den  verschiedensten  Formen  als  dolabra  simplex,  reverne,  spica,
testado  un.  s.  w.  an,  jedoch  mit  dem  Unterschiede,  dass  bier  die  einzelnen  Touren  einander
  stets  zu  4  Fünfteln  decken  müssen,  damit  der  Verband  den  erforderlichen  Grad
von  Festigkeit  erhält.  Zeigen  sich  während  der  Applikation  der  Binde  einige  Stellen
in  derselben  vom  Wasser  nicht  durchtränkt,  so  feuchtet  man  dieselben  mit  einem  nassen
Schwamme  an.  In  solchen  Füllen,  wo  wegen  Wunden  in  den  Weichtheilen  u.  a.  w.
die  Bildung  von  Kleppen  nothwendig  ist,  kann  man  dieselbe  leicht  dadurch  bewerkstelligen,
  dass  man  die  Binde,  sobald  sie  über  die  betreffende  Gegend  hinweggeführt
int,  dorchschneidet  und  darauf  an  derjenigen  Stelle,  wo  man  ein  Charniergelenk  für  die
Kieppe  anlegen  will,  vermittelst  eines  kantigen  Instruments,  z.  B.  mit  einem  Spatelrande
  den  Gyps  von  der  Bindenoberfläche  leicht  abstreicht.  Die  Vollendung  des  Ver
bandes  erfolgt  alsdann  in  der  Weise,  dass  man  die  Binde  von  dem  Punkte  aus,  wo  sie
itten  war,  weiter  führt.  —  Etwa  1)  Minuten  nach  der  Applikation  hat  der
Verband  und  zwar  ohne  eine  merkliche  Veränderung  seines  Volumens,  so  dass  weder
eine  Lockerung  desselben,  noch  eine  Einschnürung  des  bandagirten  Theiles  erfolgt,
einen  hinlänglichen  Festigkeitsgrad  erlangt,  oft  auch  noch  früher,  und  bei  dem  Ge
brauche  mehrerer  längerer  Binden,  deren  Enden  man  besunders  mit  Hülfe  von  etwas
Gypebrei  leicht  an  einander  löthen  kann,  zeigt  sich  die  zuerst  angelegte  nicht  selten
sehon  orstarrt,  während  man  mit  den  andern  noch  beschäftigt  ist.  Die  Bolidität  des  auf
WÄR  Siehe  Weise  hergestellten  Verbandes  ist  zwar  für  die  meisten  Fälle  ausreichen
  uweilen  erscheint  es  indessen  wünschenswerth,  dieselbe  noch  mehr  zu  sichern
und  zu  erhöhen.  Zu  diesem  Behufe  bedient  man  sich  eines  Gypsbreies,  welchen  maa
am  Zweckmässigsten  in  der  Weise  bereitet,  dass  man  feines  Gypspulver  in  ein  mit
Wasser,  oder,  falls  man  nicht  u  bindendes  Material  zu  verwenden  gezwungen  ist,
mit  Alsunlösung  (l  Loth  auf  1  Quart)  mehr  oder  weniger  gefülltes  Gefäss  so  lange
einstreut,  bis  dasselbe  an  die  Oberfläche  des  Wassers  heranreicht,  und  alsdann  die  Masse
tig  umrührt.  Den  Brei  trägt  man  auf  den  Verband  beliebig  dick  mit  der  Hand
auf,  vertbeilt  ihn  möglichst  gleichmässig  und  glättet  ihn  kurs  vor  seiner  völligen  Konsolidation
  vermittelst  einen  feuchten  Schwammes.  —  Die  zu  demselben  Zwecke  vom
Pirogoff  vorgeschlagenen  Schienen  sind  unter  allen  Umständen  für  überflässig  su  er-Sobald
  der  Verband  sich  lockert  und  die  entstandenen  Lücken  sich  nicht
obne  Nachtheil  für  die  Wirksamkeit  desselben  mit  Watte  u.  dgl.  ausfüllen  lassen,  so