Allgemeine  Anweisung  zur  Desinfection.  1095

hat  der  General-Stabs-Arzt  der  Armee  unter  dem  2.  Mai  1663  den  General-Aerzten
  zur  Kenntnissnahme  und  weiteren  Benachrichtigung  an  die
Ober-Militär-Aerzte  mit  dem  gleichzeitigen  Ersuchen  mitgetheilt,  den  Letzteren
  anzuempfehlen,  auch  ihrerseits  in  geeigneter  Weise  bei  den  Truppen
anf  Beobachtung  möglichster.  Reinlichkeit  in  den  Kasernen  hinzuwirken
und  etwaige  Mängel  in  Bezug  auf  gehörige  Reinigung  und  Lüftung  der
Kasernenstuben  sowohl,  wie  sonstiger,  zum  Aufenthalt  von  Mannschaften
bestinnter  Garnison-Anstalten  den  betreffenden  Truppen-Kommandeuren
Behufs  der  Abhülfe  zu  melden.

II.  Anlage  A.  des  Regulativs.

Allgemeine  Anwelsung  zum  Desinfeett  fahren.

Uuter  Desinfection  versteht  man  die  Fortschaffung,  Zerstörung  oder  Unschädlichmachnug
  von  Ansteckungsstoffen.

L  2.  Das  kräftigste  Desinfectionsmittel  ist  das  Feuer;
durch  Verbreunen  werden  Gegenstände  von  geringerem  Wertbe,  an  denen  Kontagien
leicht  .n,  am  sichersten  unschädlich  gemacht;  doch  ist  dies  Verfahren  nur  bei  den
hefügsten  ansteckenden  Kraukheiten  anzuwenden  Auch  durch  gelindes  Ansen
(Briefe,  Papier)  oder  trockene  Hitze  (Baumwolle,  arolle  etc.)  können  viele  Stoffe  desin.
fieirt  werden.  Metallene  Werkzeuge  werden  geglü

&amp;  3.  Die  Luft  ist  bei  längerer  Berührung  it  den  Stoffen  nächst  dem  Fener
eins  der  wichtigsten  Desinfectionsmittel.

Rascher,  als  die  Luft,  wirkt  das  Chlor,  man  kann  es  entweder  aus  Kochsalz
  und  Brauostein  entwickeln,  oder  Chlorwasser,  Chlorkalk,  Chlornatron  oder  Salpetersalzsäure
  in  Gebrauch  zieben.  —  Nühere  Angaba  des  Verfahrens.

Auch  die  Salpetersäure  ist  ein  schr  kräftiges  Desinficiens  (in  Dampfform.)

$  6.  Der  Gebrauch  der  Schwefeldämpfe  ist  auf  Desinfection  woliener  Decken  etc.
zu  beschränken.
7.  Der  Essig  ist  ein  schwaches  Mittel;  man  gebraucht  ihn  zum  Räuchern  in
Krankenzimmern,  zum  Waschen  der  Hände,  als  Zusatz  zu  Bädern  und  zum  Desinficiren
der  Briefe.

.  Kaustisches  Kali  wirkt,  concentrirt  und  verdünnt,  kräftig  desinficirend  ;
der  Gebranch  desselben  beschränkt  sich  bauptsächlich  auf  Waschen  und  Baden

8  Der  Kalk,  welchen  man  gebraucht,  um  Leichen  zu  schneller  Verwesung  zu
bringen,  muss  gebranut  und  an  der  Luft  zerfallen  oder  gelöscht  sein.  —  Chlorkalk
wirkt  kräftiger,  ist  aber  viel  theurer.

8.  Desinfection  der  Menschen.  1.  Vou  weniger  gefährlichen  ansteckenden
sind  in  Seifwasser  zu  baden  oder  damit  zu  waschen.  Bei  gefährlichereu
  Krankheiten  wird  dem  Wanser  statt  Seifo  Essig  oder  etwas  Seifsiederlauge
(nicht  über  ';,  Pfd.  zum  Bade)  rugesetz

Wärter  und  andere,  mit  den  "Kranken  länger  zusammen  gowesene  Personen
verfahren  ebouso,

3.  Personen,  die  mit  Kranken  nur  kurze  Zeit  in  Berlihrung  gewesen  sind,  waschen
sich  vor  Verlassen  der  Wohnung  des  Kranken  Gesicht  und  Hände  mit  Seifmwasser.  Bei
gefährlichen  Kraukheiten  ist  statt  Seifwasser  eine  gehörig  verdünnte  Chloroatron-  oder
Chlorkaik-Bolution,  oder  eiu  Gemisch  aus  Wasser  mit  Essig  oder  Seifsiederlauge  zu
nehmen.  Die  hierbei  zugleich  räthliche  Desinfection  der  Kleidungsstücke,  incl.  Kopfbedeckung
  geschieht  am  besten  durch  Chlorgas.  Die  Person  setzt  sich,  mit  einem,  um  den
Hals  dicht  schliessenden  Laken  versohen,  höchstens  5  Minuten  auf  einen  Stuhl,  unter
welchem  ich  in  einem  Gefässe  1  Lotb  Salzsäure  und  1  Quentcheu  Chlorkalk  befindet.

An  geführlichen  ansteckenden  Krankheiten  Verstorbene  werden,  unter  Freilassung
  des  Gesichts,  in  grosse  mit  starker  Chlorkalklösung  getränkte  Laken  eingeschlagen
  und  zuweilen,  bei  sich  verzögernder  Beerdigung,  damit  benprengt,  Die  mit
solchen  Leichen  Beschäftigten  verfahren,  wie  ad  3  angegeben;  bei  Verletzungen  wird
schleunig  ärztliche  Hülfe  nachgesucht  und  die  Wunde  vorläufig  mit  den  eben  erwähnten
Mitteln  sorgfültig  gereinigt.

.1  Desinfection  der  Lokalien.  1.  Befinden  sich  die  Kranken  im  Zimmer,
so  genügt  bei  gelinderen  ansteckenden  Krankheiten  fleissiges  Lüften  oder  Räuchern  mit
Essig;  bei  gefährlicheren  sind  neben  dem  Lüften,  Räucherungen  mit  salpetersauren
Diämpfen  oder  Chlorgas  (Sprengen  mit  Chlorwasser,  Tücher  in  starke  Chlorkalklösung
getaucht  und  aufgubängt)  zu  empfehlen.  Ueberfüllungen  mit  Chlorgas  sind  sofort  durch

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