4  Einleitung.

licher  als  irgend  einer  Ausdruck.  Mit  Hülfe  der  dem  Welfen  stets
feindlich  gesinnten  übrigen  Fürsten  gelingt  es  Friedrich  zwar  die
Verwirklichung  der  verrätherischen  Pläne  Heinrichs,  welcher  Art  dieselben
  auch  gewesen  sein  mögen,  zu  verhindern,  ihn  seiner  Uebermacht
  zu  berauben  und  tief  zu  demüthigen.  Aber  die  Grundlagen,
auf  denen  das  ganze  künstliche  Gebäude  seiner  Politik  nach  innen
und  außen  beruhte,  waren  tief  erschüttert,  ja,  umgestürzt:  die  bisher
verfolgten  Pläne  mußte  er  aufgeben  und  die  von  ihm  seitdem  angestrebten
  Ziele  liegen  in  einer  ganz  anderen  Richtung.  Die  gewaltige
  Macht  Heinrichs  des  Löwen  wurde  zerschlagen  und  zersplittert:
durch  Vertheilung  der  Beutestücke  an  die,  welche  ihm  zum  Siege
verholfen,  war  Friedrich  bemüht,  dieselben  für  die  Dauer  an  sich  zu
fesseln.  Aber  vergeblich:  denn  mehr  oder  weniger  offen  ahmten
jetzt  die  übrigen  Reichsfürsten,  obenan  die  mächtigsten,  das  Beispiel
Heinrichs  nach,  und  möglichste  Befreiung  von  der  Oberhoheit  des
Kaisers,  möglichste  Durchführung  der  Territorialhoheit,  das  sind  die
Ziele,  die  von  jetzt  an  die  Politik  der  Reichsfürsten  fast  ausschließlich
  bewegen.  Und  damit  kommt  die  Entwickelung  des  Reichs  im
Innern  in  eine  ganz  neue  Richtung.  —

Nicht  bloß  deshalb  aber,  weil  sein  Sturz  einen  in  der  Geschichte
  des  deutschen  Mittelalters  Epoche  machenden  Abschnitt  bildet,
  sondern  auch  der  Großartigkeit  seiner  ganzen  Erscheinung  wegen,
wegen  seiner  vielseitigen,  bis  in  die  entlegensten  Gegenden  sich  erstreckenden
  Thätigkeit,  seines  in  seinen  Erfolgen  so  überaus  bedentenden
  Wirkens  und  Gründens  namentlich  im  Norden  und  Nordosten
  Deutschlands  verlohnt  es  sich  wohl  der  Mühe,  die  an  bunten
Wechselfällen  so  reiche,  in  die  Entwickelung  des  Reichs  unter  drei
Herrschern  aus  dem  Hohenstaufischen  Hause  so  eng  und  verhängnißvoll
  verflochtene  Geschichte  Heinrichs  des  Löwen  in  eingehender  Weise
zu  behandeln.

Das  Geschlecht,  dem  der  merkwürdige,  gewaltige  Mann  entsprossen
  war,  in  dessen  Geschichte  er  den  eigentlichen  Glanzpunkt
bezeichnet,  um  es  gleich  darauf  der  Gefahr  gänzlicher  Verdunkelung
auszusetzen,  das  Geschlecht  der  Welfen  rühmte  sich  unter  den  deutschen
  Fürstenhäusern  eines  der  ältesten  zu  sein.  Bis  hinauf  in  die
Mitte  des  fünften  Jahrhunderts,  wo  zuerst  deutsche  Stämme  in
Italien  selbst,  im  Herzen  des  immer  macht=  und  haltloser  zusammensinkenden
  Römerreichs  sich  mit  gewaffneter  Hand  eine  neue
Heimath  begründeten,  suchte  es  seine  Vorfahren  zu  einem  ununter-