6  Einleitung.

unterstützte  den  Bischof  Werner  von  Straßburg  in  seinem  siegreichen
  Kampfe  gegen  Burgund;  seine  Theilnahme  an  dem  wiederholten
  Aufstande  des  Herzogs  Ernst  von  Schwaben  aber  zog  ihm  den
Zorn  des  Kaisers  und  schwere  Strafe  zu;  nach  der  Demüthigung
seines  Bundesgenossen  hat  er  lange  Zeit  in  strenger  Haft  gesessen
und  erst  als  man  sich  seiner  Treue  ganz  versichert  lauben  konnte,
wurde  er  wieder  zu  Gnaden  angenommen.

Mit  seinem  Sohne,  Welf  III.,  that  das  Geschlecht  einen  wichtigen
  Schritt  vorwärts  zur  Erlangung  einer  bedeutenden  Stellung
im  Reiche:  er  wurde  im  Jahre  1047  von  Heinrich  III.  mit  dem
Herzogthume  Kärnthen  belehnt.  Durch  die  damals  noch  von  demselben
  abhängige  Mark  Verona  faßten  die  Welfen  auch  in  Italien
von  Neuem  festen  Fuß.,)

Der  neue  Glanz,  der  durch  Erwerbung  der  herzoglichen  Würde
über  das  Geschlecht  gekommen  war,  sollte  aber,  so  schien  es,  nur
von  kurzer  Dauer  sein  und  bald  wieder  erbleichen.  Denn  schon  im
Jahre  1055  starb  Herzog  Welf  III.  ohne  Leibeserben  zu  hinterlassen,
und  die  directe  Linie  des  uralten  Geschlechts  erlosch  damit,  freilich,
wie  sich  später  zeigte,  nur  um  der  nun  in  ihre  Rechte  tretenden
jüngeren  eine  um  so  glänzendere  Zukunft  zu  gewähren.

Schon  frühzeitig  hatte  sich  von  dem  Stamme  der  Welfen  eine
Nebenlinie  abgezweigt,  die  im  Besitz  der  Markgrafschaft  Este  in
Italien  zu  Macht  und  Ansehn  gekommen  war.  Mit  ihr  vereinigte
sich  die  jetzt  aussterbende  ältere,  deutsche  Linie,  indem  Welfs  III.
Schwester  Kuniza  mit  Azzo  II.,  dem  Markgrafen  von  Este,  vermählt
  wurde.  Der  aus  dieser  Ehe  entsprossene  Sohn,  Welf  IV.,
ist  der  Stammvater  des  jüngeren,  bis  auf  den  heutigen  Tag  in  ununterbrochener
  männlicher  Descendenz  blühenden  Welfenhauses.  Die
sich  Welf  dem  IV.  anfangs  eröffnende  glänzende  Aussicht,  die  Besitzungen
  seiner  italienischen  Vorfahren  mit  denen  der  deutschen  zu  vereinigen
  und  dadurch  eine  im  Reiche  kaum  übertroffene  Machtstellung
zu  erlangen,  verwirklichte  sich  zwar  nicht,  da  nach  dem  Tode  Kuniza's
  Azzo  II.  sich  von  Neuem  vermählte  und  dem  ihm  aus  dieser
zweiten  Ehe  geborenen  Sohne  seine  eigenen  Lande  zu  überlassen
beschloß;  doch  gelang  es  ihm,  unterstützt  von  seiner  Großmutter
Jrmengard,  der  Mutter  Welfs  III.  und  Kuniza's,  die  sämmtlichen

1)  Er  verwandelt  Altdorf  in  ein  Mönchkloster;  die  Nonnen  kommen  nach
Altomünster.