Einleitung.  7

schwäbischen  Stammbesitzungen  seines  Hauses  in  seine  Hand  zu
bringen,  so  sehr  auch  die  Weingartener  Geistlichkeit,  die  sich  als
Erbin  derselben  ansah,  ihm  allerhaud  Hindernisse  in  den  Weg  legte.

Mit  Welf  IV.  recht  eigentlich  beginnt  das  ununterbrochene
Wachsthum  der  Welfischen  Hausmacht:  er  hat  den  Grund  zu  derselben
  gelegt.  Die  Mittel  freilich,  mit  denen  er  sein  Ziel  zu  erreichen
bemüht  war,  können  wir  nicht  anders  als  verwerfen.

Es  war  allerdings  eine  wild  bewegte,  alle  Leidenschaften  entfesselnde
  Zeit,  in  der  Welf  IV.  lebte,  und  der  größte  Theil  der  mit  ihm
gemeinsam  zum  thätigen  Eingreifen  in  die  Schicksale  des  Reichs
berufenen  Männer  handelte  eben  nicht  anders:  nur  darauf  bedacht,
die  Stürme,  in  denen  das  Reich  rang,  zu  einer  möglichsten  Vergrößerung
  ihres  Besitzes  und  ihrer  Macht  zu  benutzen,  befolgten
diese  Fürsten,  obenan  Welf  IV.  eine  Politik,  die  sich  einzig  und  allein
danach  bestimmte,  auf  welcher  von  beiden  mit  einander  kämpfenden
  Seiten  für  sie  augenblicklich  der  größere  Vortheil  zu  erwarten
war.

Seine  Ehe  mit  Ethelinde,  der  Tochter  des  Grafen  Otto  von
Nordheim,  des  Herzogs  von  Baiern,  und  die  so  scharf  ausgesprochene
Stellung  seines  Schwiegervaters  wiesen  ihm  beim  Ausbruch  des
Kampfs  zwischen  Heinrich  IV.  und  den  Sachsen  seinen  Platz  entschieden
  auf  Seiten  der  letzteren  an.  4#

Eine  Zeit  lang  hat  er  denn  auch  ihrer  Partei  angehört;  als
ihre  Sache  jedoch  eine  unglückliche  Wendung  nahm,  als  1070  Otto
von  Nordheim  geächtet  und  seines  Herzogthums  beraubt  wurde,  da
löste  Welf  IV.  die  ihn  bisher  mit  diesem  verknüpfenden  Bande,  verstieß
  seine  Gemahlin  Ethelinde  und  erhielt  von  Heinrich  IV.  als
Belohnung  für  seinen  Abfall  das  Herzogthum  Baiern.  Doch  fühlte
sich  Welf  dadurch  keineswegs  etwa  dauernd  an  den  Kaiser  gefesselt.
Das  Bestreben,  sich  im  Besitze  der  neu  erworbenen  Macht  möglichst
  zu  befestigen,  dann  auch  seine  Beziehungen  zu  dem  großen
Gegner  Heinrichs,  Gregor  VII.,  wiesen  ihn  bald  auf  einen  neuen
Parteiwechsel  hin.  Zwar  focht  Welf  noch  in  der  Schlacht  an  der
Unstrut  tapfer  auf  der  Seite  des  Königs  und  trug  nicht  unwesentlich
  zum  Siege  desselben  bei:  das  entscheivende  Uebergewicht  aber,
welches  derselbe  dort  mit  seinem  Beistande  gewann,  so  daß  der
Aufstand  der  Sachsen  endgültig  niedergeschlagen  zu  sein  schien,  ließ
auf  einmal  die  Sache  Heinrichs  als  einen  für  die  übrigen  Fürsten  gefährlich
  guten  Fortgang  nehmend  erscheinen,  und  nur  um  ihre  eigene