8  Einleitung.

Stellung  und  Macht  besorgt  fielen  gerade  jetzt  verschiedene  von
demselben  ab.

Welf  IV.  war  mit  unter  diesen  Treulosen.  Im  Bunde  mit
seinem  ehemaligen  Genossen,  Otto  von  Nordheim,  den  er  erst  so
schmählich  im  Stich  gelassen,  betrieb  jetzt  Welf  mit  Eifer  die  Erhebung
  eines  Gegenkönigs.  Selbst  seine  tiefe  Demüthigung  zu  Canossa
gewann  Heinrich  IV.  diese  harten  Herzen  nicht  wieder:  im
Frühjahr  1077  wurde  Rudolf  von  Schwaben  zum  Gegenkönig  gewählt
  und  Welf  IV.  war  eine  seiner  wesentlichsten  Stützen.  Deshalb
  gleich  Rudolf  selbst  von  Heinrich  geächtet  nahm  Welf  thätigen
Antheil  an  den  wilden,  wechselvollen  Kämpfen,  die  nun  durch  das
ganze  Reich  mit  erneuter  Wuth  entbranuten.  Namentlich  mit  dem
an  Rudolfs  Stelle  zum  Herzog  von  Schwaben  erhobenen  Friedrich
von  Hohenstaufen,  dem  Schwiegersohne  Heinrichs,  lag  er  in  heftiger
Fehde.  So  traten  die  beiden  Häuser  der  Welfen  und  Hohenstaufen
  sich  gleich  von  dem  Augenblick  an,  wo  sie  zuerst  eine  bedeutende
Stellung  im  Reiche  einnahmen,  feindselig  gegenüber,  und  mit  geringen
  und  immer  nur  täuschenden  Unterbrechungen  sollte  es  immer
so  bleiben!

Hand  in  Hand  mit  diesem  rein  vom  Egoismus  dictirten  Benehmen
  gegen  Heinrich  IV.  gingen  Herzog  Welfs  Bestrebungen,  auf
Grund  seiner  Parteistellung  seinem  Hause  auch  in  Italien  eine
glänzende  Zukunft  zu  sichern.  Trotz  der  zweiten  Ehe  seines  Vaters
Azzo  II.  und  obgleich  derselbe  die  ihm  in  ihr  geborenen  Söhne  zu
seinen  Erben  bestimmt  hatte,  mochte  Welf  IV.  die  Hoffnung  noch
nicht  aufgegeben  haben,  die  italienischen  Besitzungen  seines  Geschlechts
in  seine  Hand  zu  bekommen.  Den  Welfen  aber  in  ZItalien  eine
ganz  besonders  machtvolle  Stellung  zu  sichern,  zugleich  die  Bande,
die  ihn  an  die  päpstliche  Partei  und  diese  an  ihn  fesselten,  noch
fester  anzuziehen,  beabsichtigte  er  schon  seit  längerer  Zeit  die  Vermählung
  seines  Sohns,  Welf  V.,  mit  der  reichen  tuscischen  Markgräfin
  Mathilde.  Mathilde,  die  Tochter  des  Markgrafen  Bonifacius
von  Tuscien,  war  nur  kurze  Zeit  mit  Herzog  Gottfried  von  Lothringen
  vermählt  gewesen  und  bald  verwittwet;  sie  war  nicht  bloß
im  Besitze  der  bedeutendsten  Macht  Oberitaliens,  sie  zeichnete  sich  auch
aus  durch  ihren  fast  männlichen  Charakter,  war  frei  von  den  Neigungen
und  Schwächen  ihres  Geschlechts,  dabei  erfüllt  und  begeistert  von
dem  Ivdeale  eines  weltbeherrschenden  Papstthums,  wie  es  in  dem
Streben  ihres  Freunres  und  Vertrauten,  Gregor  VII.,  seinen  leben-