10  Einleitung.

wilden  und  planlosen  Schwankungen  und  Wechseln  kommen,  wie
sie  seines  Vaters  Regierung  erschüttert  hatten.  So  stand  denn  auch
Herzog  Welf  V.  in  bewährter  Treue  auf  der  Seite  des  Kaisers  und
wurde  von  dessen  Vertrauen  mehrfach  zur  Ausführung  wichtiger
Aufträge  berufen.  Gemeinschaftlich  mit  dem  Erzbischof  von  Trier
führte  Welf  V.  im  Jahr  1107  zu  Chalons  mit  Papst  Paschalis  II.
Unterhandlungen  über  die  Beilegung  des  Investiturstreits,  freilich
vergeblich:  das  lärmende,  übermüthig  prunkende,  unverhohlen  mit
Gewalt  drohende  Benehmen  Welfs  mochte  einem  günstigen  Ausgang
eben  nicht  förderlich  gewesen  sein.  Im  Jahre  1111  war  der  übermüthige
  Herzog  dann  zugegen  bei  der  wirklichen  Anwendung  der  von
ihm  angedrohten  Gewalt,  bei  der  Verhaftung  des  Papstes  zu  Rom.
Auch  in  dem  Kampfe,  der  1114  zwischen  Heinrich  V.  und  den
Sachsen  unter  Anführung  des  Herzogs  Lothar  ausbrach  und  der
nach  der  Niederlage  der  Kaiserlichen  im  Welfesholze  1115  eine  sehr
bedenkliche  Wendung  anzunehmen  drohte,  stand  Welf  V.  treu  auf
der  Seite  Heinrichs.  Gemeinsam  mit  Bischof  Erlung  von  Würzburg
unterhandelte  er  im  Auftrage  des  Kaisers  mit  den  Aufrührern,  aber
freilich  vergeblich;  ja,  sein  Genosse  Erlung  ging  selbst  zur  feindlichen
Partei  über.  Damals  war  es,  daß  Heinrich  V.  das  bisher  dem
Würzburger  Bischof  zugehörige  ostfränkische  Herzogthum  seinem  Reffen,
dem  damals  noch  jugendlichen  Conrad  von  Hohenstaufen,  übergab
und  damit  einen  leidenschaftlichen,  aber  nicht  eben  glücklichen  Gegner
der  Welfen  in  ihrer  unmittelbarsten  Nähe  zu  bedeutender  Mach
brachte.  ·
Nach  Welfs  V.  kinderlosem  Tode  1119  vereinigte  sein  jüngerer
Bruder  Heinrich,  der  Schwarze  zubenannt,  nicht  bloß  den  ganzen
welfischen  Hausbesitz  in  seiner  Haud,  sondern  er  folgte  auch  in  der
baierischen  Herzogswürde  nach.  Auch  in  Rücksicht  seiner  Stellung
zum  Kaiser  trat  er  des  Verstorbenen  Erbschaft  an:  ihm  treu  anhängend
  führte  auch  er  in  seinem  Auftrage  mehrfach  wichtige  Unterhandlungen,
  namentlich  mit  dem  Papst,  und  von  seinem  Ansehn  und
seiner  Geltung  im  Rathe  des  Kaisers  giebt  es  einen  Beleg,  daß  er  zu
den  wenigen  weltlichen  Fürsten  gehört,  die  1122  beim  Abschluß  des
wichtigen  Wormser  Concordats  zugegen  waren.  Aber  nicht  bloß
durch  engen  Anschluß  an  den  Kaiser  sicherte  sich  Herzog  Heinrich
eine  angesehene  und  einflußreiche  Stellung  im  Reiche,  auch  auf  eine
andere  Weise  machte  er  wichtige  Erwerbungen  für  sein  Haus.  Er  war
nämlich  mit  der  älteren  Tochter  des  Herzogs  Magnus  von  Sachsen,