Einleitung.  11

Wulfhild,  vermählt:  durch  sie  erwarb  er  nach  seines  Schwiegervaters
Tode  die  Hälfte  der  ausgedehnten  Billung'schen  Güter  in  Sachsen,
darunter  namentlich  Lüneburg.  So  faßten  die  Welfen  zuerst  in
Sachsen  festen  Fuß,  welches  dann  später  der  eigentliche  Sitz  ihrer
Macht  werden  sollte.

Im  Jahre  1125  starb  Kaiser  Heinrich  V.  und  mit  ihm  erlosch
das  Geschlecht  der  salischen  Kaiser.  Eine  wichtige  Entscheidung  trat
an  die  zur  Wahl  eines  neuen  Reichsoberhaupts  berufenen  Fürsten
heran.  Unter  den  Candidaten  für  den  erledigten  Thron  ragten  besonders
  zwei  Männer  hervor:  Herzog  Friedrich  von  Schwaben  und
Herzog  Lothar  von  Sachsen.  Für  Friedrich  sprach  seine  Verwandtschaft
  mit  dem  salischen  Hause,  Lothar  gewann  viele  Stimmen  dadurch,
daß  er  in  den  letzten  Jahren  zu  den  entschiedensten  und  offensten
Gegnern  des  gewaltigen  Heinrichs  V.  gehört  hatte.  Da  er  aber
sich  anfänglich  eben  so  wenig  wie  der  dritte  in  Aussicht  Genommene,
Markgraf  Leopold  von  Oesterreich,  zur  Annahme  der  Krone  bereit
finden  ließ,  so  glaubte  Friedrich,  der  Hohenstaufe,  seiner  Sache  schon
ganz  sicher  zu  sein.  Die  während  der  letzten  Jahre  der  Regierung
Heinrichs  V.  so  bedeutend  angewachsene  Opposition  aber,  namentlich
die  der  Sachsen,  sowie  das  hochfahrende  und  übermüthige  Benehmen
Friedrichs  bewirkten  schließlich  noch  eine  ganz  andere  Wendung.
Entscheidend  war  es  dabei  namentlich,  daß  Herzog  Heinrich  der
Schwarze,  dessen  Tochter  Judith  mit  dem  Schwabenherzoge  vermählt
war,  der  demselben  daher  sehr  nahe  stand  und  an  seiner  Erhebung
besonderes  Interesse  haben  mußte,  seine  in  diesem  Falle  doppelt
schwer  wiegende  Stimme  nicht  ihm,  sondern  seinem  Gegner,  Lothar
von  Sachsen,  zuwandte.  In  einer  stürmischen,  formlosen  Versammlung
  wurde  die  Krone  Lothar  übertragen:  es  war  ein  auf  lange
Zeit  über  das  Schicksal  des  Reichs  entscheidender  Schritt,  namentlich
dadurch,  daß  nun  die  beiden  mächtigsten  Fürstenhäuser,  die  sich  schon
zeitweise  feindlich  gegenüber  gestanden  hatten,  jetzt  in  den  schroffsten
Gegensatz  zu  einander  traten.  War  die  Wahl  Lothars  doch  vor
allem  dadurch  zu  Stande  gekommen,  daß  Herzog  Heinrich  der  Schwarze
seinen  Hohenstaufischen  Schwiegersohn  im  Stich  ließ  und  dem  Gegner
desselben  seine  Stimme  gab:  offener  als  bisher  mußten  deshalb  jetzt
Welfen  und  Hohenstaufen  einander  befehden,  zumal  da  die  anfängliche
  Unterwerfung  Friedrichs  von  Schwaben  unter  den  neuen  Herrscher
  nur  eine  scheinbare  war,  und  derselbe  sehr  bald  seine  wahre
Gesinnung  bethätigte.  Den  damit  unvermeidlich  bevorstehenden