12  Einleitung.

Kämpfen  aber  ward  Heinrich  der  Schwarze  entrückt:  nicht  lange  nach  der
Erwählung  Lothars  trat  er  in  das  von  seiner  Familie  von  jeher
besonders  gepflegte  und  begünstigte  Kloster  Weingarten  ein  und  starb
schon  am  25.  September  1126.

Die  Durchführung  des  nahenden  Kampfes  wurde  somit  auf  die
Schultern  seiner  beiden  Söhne  gelegt.  Der  jüngere  derselben,
Welf  VI.,  bekam  nach  der  zwischen  den  Brüdern  vorgenommenen
Erbtheilung  die  hauptsächlichsten  der  welfischen  Allodialgüter  in
Schwaben,  während  Heinrich  der  Stolze  das  sächsische  Erbe  und
die  baierische  Herzogswürde  in  seiner  Hand  vereinigte.  Nicht  bloß
die  Stellung,  die  sein  Vater  zuletzt  eingenommen  hatte,  sondern
namentlich  auch  die  ausgedehnten,  jetzt  in  seinem  Besitz  befindlichen
Billung'schen  Güter  in  Sachsen,  so  wie  die  Gefährdung  des  süddeutschen
  Besitzes  seines  Hauses  durch  die  Feindschaft  des  Herzogs
von  Schwaben  wiesen  Heinrich  dem  Stolzen  seinen  Platz  unter  den
entschiedensten  Anhängern  Lothars  an.  Auch  äußerlich  fand  diese
seine  Parteistellung  ihre  Bekräftigung:  schon  früher  hatte  Lothar
seine  einzige  Tochter  Gertrud  dem  Baiernherzog  verlobt,  zu  Pfingsten
1127  wurde  sie,  obgleich  erst  12jährig,  den  Gesandten  desselben  von
ihren  Aeltern  feierlich  übergeben  und  nach  Gunzenlech  geleitet,  wo
am  29.  Mai  die  Hochzeit  in  Gegenwart  vieler  baierischer  und
schwäbischer  Großen  prunkvoll  gefeiert  wurde.  Mit  der  Hand  Gertruds
  erwarb  Heinrich  zugleich  neue,  überaus  wichtige  Besitzungen
in  Sachsen,  nämlich  die  braunschweigisch=  nordheimischen  Güter.,)

Der  Kampf  zwischen  Lothar  und  den  Hohenstaufen  kam  bald
zum  Ausbruch.  Herzog  Heinrich  nahm  als  der  bedeutendste  Bundesgenosse
  seines  Schwiegervaters  eifrig  und  erfolgreich  daran  Theil.
Doch  gelang  es  ihm  nicht,  das  Glück  dauernd  an  dessen  Fahnen  zu
fesseln  und  die  namentlich  um  den  Besitz  des  wichtigen  Nürnberg
geführten  Kämpfe  des  Jahres  1127  endeten  ganz  entschieden  zu
Gunsten  der  Hohenstaufen.  Mit  ihren  Erfolgen  wuchs  diesen  denn
auch  der  Muth  und  die  Unternehmungslust:  der  jüngere  der  beiden
Brüder,  Conrad,  wurde  gegen  Ende  1127  von  der  fränkischen  Partei,
in  welcher  der  alte  Stammeshaß  gegen  die  Sachsen  noch  nicht  erloschen
  war,  offen  als  Gegenkönig  aufgestellt;  derselbe  ging  dann,
da  er  seines  Erfolges  in  Deutschland  doch  noch  keineswegs  sicher
war,  nach  Italien,  und  wurde  vort  am  29.  Juni  1128  zu  Monza

1)  Vergl.  Jassé,  Lothar,  Beil.  II.  p.  230.