Einleitung.  15

und  Bischöfen.  Noch  auf  dem  Sterbebette  hatte  er  seinen  Schwiegersohn,
  Heinrich  den  Stolzen,  dem  er  erst  die  tuscische  Mark  verliehen
  hatte,  auch  mit  dem  Herzogthum  Sachsen  belehnt.  Dadurch
und  durch  Niederlegung  der  Reichskleinodien  in  seine  Hand  bezeichnete
  er  denselben  den  versammelten  Fürsten  noch  einmal  als  den
von  ihm  gewünschten  Nachfolger.

Wie  die  Dinge  augenblicklich  lagen,  schien  die  Nachfolge  Heinrich
  dem  Stolzen  auch  gar  nicht  entgehen  zu  können.  Er  war  der
mächtigste  Fürst  des  Reichs:  außer  seinen  sächsischen  und  schwäbischen
  Allodialgütern  vereinigte  er  in  seiner  Hand  zwei  Herzogthümer,
  Sachsen  und  Baiern,  in  Italien  hatte  er  die  wichtige  tuscische
Mark  inne,  und  konnte  so  nicht  mit  Unrecht  sich  rühmen,  von  der
Ostsee  bis  zum  Mittelmeer  reiche  seine  Herrschaft.  Aber  eben  diese
übergroße  Macht  war  es,  die  ihm  Neider  und  Feinde  machte,  und
zwar  um  so  mehr,  als  er  durch  sein  hochfahrendes,  übermüthiges
Wesen  —  nicht  mit  Unrecht  trug  er  den  Beinamen  „der  Stolze“  —
schon  lange  den  Unwillen  der  meisten  Fürsten  erregt  hatte.  Namentlich
  während  des  letzten  italienischen  Zugs  war  diese  Richtung
seines  Wesens  klar  zu  Tage  getreten.  So  erklärt  es  sich  denn
leicht,  daß  sich  jetzt  von  vornherein  eine  Partei  fand,  welche  der
Erhebung  Heinrichs  auf  den  Thron  aufs  Entschiedenste  Opposition
machte,  und  da  Heinrich  seinerseits,  von  Eigendünkel  verblendet  und
in  dem  Glauben,  die  Krone  könne  ihm  gar  nicht  entgehen,  fast  so
that  als  sei  er  bereits  in  der  höchsten  Würde,  so  war  es  dieser
Partei  leicht,  durch  einen  kühnen  Schachzug  alle  seine  hochfahrenden
Pläne  mit  einem  Schlage  über  den  Haufen  zu  werfen.  Auf  Veranlassung
  des  dem  Herzog  von  Sachsen  und  Baiern  wegen  seines
Auftretens  während  der  letzten  Romfahrt  ungünstig  gesinnten
Papstes  Innocenz  II.  und  unter  Führung  des  den  Welfen  ebenso
wie  früher  Lothar  entschieden  feindlichen,  ehrgeizigen  Erzbischofs
Albero  von  Trier,  vereinigte  sich  die  Hohenstaufische  Partei  zu  einer
eng  geschlossenen  Gemeinschaft.  In  formloser,  illegaler  Weise  versammelten
  sich  die  dazu  gehörigen  Fürsten  in  Lützelcoblenz  und  am
7.  März  1138  erwählten  sie  dort  Conrad  zum  König.

Wie  gering  trotz  seiner  außerordentlichen  Macht  Heinrichs  des
Stolzen  Anhang  war,  zeigte  sich  jetzt  aufs  Deutlichste:  wenige
Wochen  genügten  und  Conrad  war  fast  durch  das  ganze  Reich  anerkannt.
  Nur  Heinrich  und  mit  ihm  eine  Anzahl  sächsischer  und
baierischer  Großer  lehnten  es  entschieden  ab,  sich  ihm  zu  unterwer-