Erstes  Kapiiel.

Der  Kampf  um  das  Herzogthum  Sachsen.

Heinrich  der  Stolze  war  in  einem  Augenblicke  abgerufen  worden,
  wo  für  sein  Geschlecht  alles  auf  dem  Spiele  stand.  Eben  noch
hatten  sich  die  beiden  feindlichen  Parteien  mit  gezücktem  Schwerte
gegenüber  gelagert,  nur  mit  Mühe  hatte  man  einen  Waffenstillstand
zu  Wege  gebracht,  der  Heinrich  zwar  nicht  im  rechtlichen,  aber  doch
im  faktischen  Besitz  des  wichtigsten  seiner  Herzogthümer,  Sachsens,
ließ.  Im  Norden  Deutschlands  hatte  so  seine  Sache  einen  sehr  glücklichen
  und  ermuthigenden  Fortgang  genommen,  schon  mochte  er  von
frohen  Hoffnungen  erfüllt  sein  auch  für  die  Wiedergewinnung  Baierns:
  da  raffte  ihn  ein  unerwarteter  Tod  hinweg  im  Beginn  des
blühendsten  Mannesalters  ,  aus  dem  Gebäude  seiner  stolzen  Hoffnungen,
  mitten  hinweg  aus  dem  rüstigen  Streben  für  die  Neubegründung
  seiner  Macht.  Am  20.  October  1139  war  er  zu  Quedlinburg#1.
gestorben:  trauernd  geleiteten  ihn  die  Seinen  zur  letzten  Ruhe,  die
man  ihm  in  der  Kaisergruft  zu  Lutter  bereitete,  an  der  Seite  seines
  ihm  vorangegangenen  Schwiegervaters  und  Freundes.

Die  Kunde  von  dem  plötzlichen  Tode  eines  so  gefährlichen  Gegners
  mußte  der  staufischen  Partei  ebenso  überraschend  wie  hoch  erfreuend
  kommen.  Sie  befreite  fie  von  einem  schweren  Kampfe  oder
doch  von  Zugeständnissen,  die  sie  nur  gezwungen  und  im  Bewußtsein,
daß  sie  den  gewaltigen  Herzog  doch  nicht  ganz  darniederzuschlagen
vermöchte,  zu  machen  im  Begriff  gewesen  war.  Jetzt  auf  einmal
schienen  die  Hohenstaufen  gewonnenes  Spiel  zu  haben.  Dieser  plötzliche
  Glückswechsel,  der  unerwartete  Tod  eines  rüstigen,  noch  nicht

1)  Die  Vehrhoftmachung.  die  für  er  r*—  seinem  Tode  erst  37  Jahr  alt

Heinrich  in  das  Jahr  1123  el,  ien  gewese
im  21.  Jahr  stattzufinden:  ranach  wäre