Der  Kampf  um  das  Herzogthum  Sachsen.  23

Dieser  einer  übermächtigen  Partei  gegenüber  zurückgelassene,  auf
den  Rath  seiner  Familie  und  die  thätige  Beihülfe  der  sächsischen
Großen  angewiesene  Knabe  war  Heinrich,  später  der  Löwe  zubenannt,
dem  es,  wie  sein  Leben  ja  gleich  in  Noth  und  Kampf  begann,  bestimmt
  war,  in  jähem  Wechsel  einst  alle  Höhen  des  Glücks  und  die
ganze  Tiefe  des  Unglücks  zu  ermessen.

Der  Erbe  der  in  diesem  Augenblick  auf  das  Ernstlichste  gefährdeten
  welsischen  Macht  war  damals  gerade  zehn  Jahr  alt.  Er  war
im  Jahr  1129  geboren),  vermuthlich  zu  Ravensburg  in  Schwaben:
wenigstens  war  dort  um  jene  Zeit  die  Residenz  seines  meist  allerdings
  in  Angelegenheiten  des  Reichs  wie  seinen  eigenen  abwesenden
Vaters:).  Ueber  seine  erste  Jugend  wissen  wir,  wie  das  natürlich
ist,  nichts;  nur,  daß  er  der  Sitte  jener  Zeit  gemäß  erst  spät,  um
Pfingsten  1135  getauft  wurde').  Auch  über  die  Art  und  Weise
seiner  Erziehung  sind  wir  nicht  unterrichtet.  Dieselbe  wird  sich  aber
nicht  über  die  Sitte  ihrer  Zeit  erhoben  haben:  denn  daß  der  jugendliche
  Welfe  sich  eine  Zeit  lang  als  Zögling  der  gelehrten  Mönche
in  Hildesheim  befunden  habe,  scheint  mehr  eine  Combination  späterer
  Geschichtschrkiber  zu  sein"),  nahe  gelegt  allerdings  durch  das
lebhafte  Interesse  für  eine  höhere  Bildung,  welches  Heinrich  und
sein  Haus  später  auszeichnet,  so  wie  durch  die  freigebige  Vorliebe
die  er  namentlich  auch  der  Hildesheimer  Kirche  zuwendete").

Wie  in  der  Erziehung  der  Fürstensöhne  jener  Zelten  überhaupt,
hat  man  es  sich  wohl  mehr  angelegen  sein  lassen,  aus  dem  jungen
Welfen  einen  tapfern  Kriegsmann  und  tüchtigen  Heerführer  zu  machen,
die  sonstige  Entwickelung  aber  der  kommenden  Zeit,  ihren  Wirren
und  Kämpfen  überlassen.  Im  Reiten,  Speerwerfen,  Wettlaufe,  diesen
namentlich  bei  den  kräftigen  Sachsen  so  beliebten  Künsten,  thaten
es  Heinrich  noch  später  nur  sehr  wenige  gleich,  wie  er  auch  in  Kenntniß
  des  Waffenhandwerks  allen  voranstand").  Für  die  geistige

1)  Dies  ergiebt  sich  aus  den  Ann.
Stederburg.  (Mon.  SS.  XVI,  231),6
wonach  er  1195  im  Alter  von  66  Jahren

rbt.

4)  Bgl.  Vita  Meinwerei  epi  Paderbr.
  Mon.  S8.  XI,  p.  1

5)  S.  Regesten  n.  17  und  139.

6)  Radevic.  II,  38:  GQui  (sc.

2)  Ugl.  Hormanr  Weitrag  3.  Gesch.
beinrics  d.  L.  p.

Ann.  W.  g“  —i  (Mon.
xvi,  308)  a.  1135:  Heinricus  dux,
lius  Heinrici,  postea  Bawariae  et
Saxoniae  dux,  in  pentecosten  bapti-Zatus
  est.

Heinricus)  a  primis  ˙unabulie  Patre  ct
matre  orbatus,  ubi  primum  adolerit,
pollens  viribus.  deoora  sfacie,  sed  multo
maxime  ingenio  Falidus  non  se  luxui
neque  inertiae  corrumpendum,  eed
(uti  mos  Sazronum  cst)  equitari,  iaoulari,
  eursu  cum  aequnalibus  certare

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