24  1.  Buch.  1.  Kapitel.

Entwickelung  Heinrichs  aber  war  es  besonders  wichtig,  daß  gleich
seine  erste  Jugend  hineinfiel  in  eine  wild  bewegte  Zeit,  wo  sein
Haus  um  sein  Ansehn  und  seine  Macht,  ja  fast  um  seine  Existenz
zu  kämpfen  hatte.  Gerade  zehnjährig  wurde  er  das  Haupt  einer
großen,  mit  zäher  Ausdauer  gegen  die  Hohenstaufen  ringenden  Partei:
früh  reifte  er  daher  zu  einem  erfahrenen  und  selbstbewußten  Mann.
Aber  nicht  bloß  Kenntniß  der  Welt,  der  Menschen,  des  Kriegs
erwarb  er  sich,  sondern  aus  dem  stolzen  Bewußtsein,  auf  eigener
Kraft  beruhe  seine  Stellung,  aus  dem  steten,  trotz  aller  Wechselfälle
  schließlich  doch  glücklichen  Kampf  gegen  die  Uebermacht  entwickelte
  sich  in  Heinrich  auch  zeitig  jener  Stolz  auf  seine  Kraft,
jenes  Pochen  darauf,  und  damit  ein  trotziger  und  starrer  Sinn,
ein  unbeugsames  Selbstgefühl,  endlich  aber  ein  Ueberschätzen  seiner
Kräfte,  —  Fehler,  die  dann  auch  recht  eigentlich  den  Punkt  bezeichnen,
  wo  Heinrichs  größte  Schwäche  lag,  von  wo  aus  seine  schließliche,
  fast  tragische  Katastrophe  nicht  nur  erklärlich,  sondern  beinahe
nothwendig  erscheint.

Heinrichs  nächste  Verwandten  waren  es,  die  sich  zunächst  die
Wahrnehmung  der  Rechte  des  jungen,  unmündigen  Herzogs  angelegen
  sein  lassen  mußten.  Zwei  edle  Frauen  vor  allen  vertraten
jetzt  die  so  hart  angefochtene  Sache  der  Welfen,  Heinrichs  Mutter
Gertrud  und  seine  Großmutter  Richenza.  Namentlich  die  letztere
war  eine  hochherzige,  muthvolle  Frau,  die  es  nicht  vergaß,  daß  sie
einst  mit  ihrem  Gemahle  Lothar  den  Kaiserthron  getheilt  hatte,
die  in  den  Hohenstaufen  noch  immer  seine  Gegner  haßte.  Mit
leidenschaftlicher  Entschlossenheit  nahm  sie  den  Kampf  auf:  den
Gemahl  ihrer  einzigen  Tochter,  dem  nach  Lothars  Tode  die  Kaiserkrone
  nur  durch  der  Feinde  Tücke  entgangen  zu  sein  schien,  hatte
sie  von  einem  frühen  Tode  dahinraffen  sehen:  jetzt  betrachtete  sie
sich  selbst  als  das  Haupt  der  sächsischen,  der  welfischen  Partei,  und
mit  der  ganzen  Leidenschaftlichkeit  ihres  stolzen  Herzens  warf  sie
sich  zur  Führerin  derselben  auf,  vor  allen  aber  zur  Schützerin  und
Vorkämpferin  für  die  Rechte  ihres  unmündigen  Enkels.  Sie  scheint
es  auch  gewesen  zu  sein,  welche  ihre  Tochter,  die  weniger  feurig,
weniger  in  Haß  gegen  die  Staufer  erglühend,  weit  eher  geneigt
Die  sehr  beredte  Schilderung  ist  leider  zu  Liebe  ist  gewiß  mancher  Zug  willwenig
  zuverlässig,  denn  der  Hgenllbe  Kriich  binzugefügt.  Auch  würde  die
siellung  gegen  Welf  VI.  und  der  Nach=  Charakteristik,  wenn  sie  nach  1176  geahmung

  der  sallustischen  Vergleichung  schricben  worden  wäre,  wohl  etwas
zwischen  Cato  und  Cäsar  (Catil.  54)  anders  ausgefallen  sein.