Der  Kampf  um  das  Herzogthum  Sachsen.  25

war,  einen  leidlichen  Frieden  einzugehen  als  durch  einen  mit  unerschütterlicher
  Hartnäckigkeit  geführten  Kampf  alles  auf  das  Spiel
zu  setzen,  durch  ihren  ermuthigenden  und  anspornenden  Einfluß  zum
getreuen  Ausharren  bei  der  Sache  ihres  Sohnes  vermochte.

Neben  diese  beiden  edlen  Frauengestalten  tritt  dann  als  dritter
Vorkämpfer  für  die  welfische  Partei,  und  zwar  recht  eigentlich  als
ihr  Verfechter  mit  den  Waffen  in  der  Hand,  der  Onkel  des  jungen
Heinrich,  Herzog  Welf  VI.  Nicht  bloß  um  der  seinem  Bruder  angethanen
  Kränkung  willen  griff  er  zu  den  Waffen,  auch  sein  eigenes
Recht  hatte  er  zu  schützen,  das  die  Hohenstaufen  so  gut  gekränkt
hatten,  wie  das  des  Herzogs  von  Sachsen  und  Baiern.  Welf  VI.
stellte  sich  Conrad  III.  gegenüber  recht  eigentlich  als  der  Vertreter
der  welfischen  Ansprüche  in  ihrem  ganzen  Umfange,  ohne  von  denselben
  auch  nur  ein  Haar  breit  nachzugeben.  Sebst  wenn  Heinrich
dem  Stolzen  —  so  erklärte  er  —  beide  Herzogthümer  mit  Recht
abgesprochen  worden  wären,  so  sei  dadurch  doch  noch  keineswegs
sein  ganzes  Geschlecht  aller  Ansprüche  beraubt;  im  Gegentheil  müßte
auch  dann  das  in  Betreff  der  Lehen  geltende  Recht  der  Erbfolge
wenigstens  in  Betreff  Baierns  walten  und  er  selbst  seinem  Bruder
zum  Nachfolger  gegeben  werden  ).  Den  welfischen  Ansprüchen  wollte
er  mit  den  Waffen  in  der  Hand  Anerkennung  verschaffen,  und  konnte
er  den  einstigen  Besitz  nicht  für  den  Sohn  des  Geächteten  erkämpfen,
so  wollte  er  ihn  voch  in  keines  andern  Hände  übergehen  lassen  als
in  seine  eigenen.

So  begann  denn  der  Kampf,  dessen  die  Hohenstaufen  durch  den
Tod  Heinrichs  des  Stolzen  überhoben  zu  sein  glaubten,  nun  erst
mit  rechter  Heftigkeit:  in  Sachsen  waren  es  die  sächsischen  Großen
selbst,  welche  sich  um  ihren  jugendlichen  Herzeg  schaarten  und  angespornt
  und  geleitet  von  der  edlen  Welfin  Richenza,  seine  Rechte
gegen  jeden  Eindringling  zu  verfechten  droheten;  in  Süddeutschland,
namentlich  in  Baiern  selbst,  erhob  Welf  VI.  vas  Banner  der  Welfen
und  hielt  es  hoch  trotz  der  Wechselfälle  eines  ungleichen  Kampfes.
Der  Tod  Heinrichs  des  Stolzen,  den  die  Hohenstaufen  als  einen
unerwarteten  Glücksfall  begrüßt  hatten  und  der  ihnen  nicht  bloß
das  Gelingen  ihrer  Pläne  gegen  die  Welfen,  sondern  auch  die  Erhaltung
  des  inneren  Friedens  zu  bringen  schien,  wurde  gerade  im

Anon.  Weingart.  Hess,  Mon.  proclamens,  dum  iustitiam  apud  regem

Guelf.  p.  36):  Ipse  Gaelso  ducatum  impetrare  non  posset,  ad  rebellionem  8e
iuore  bereditatis  ad  se  Sspectare  parat.

1130.