Der  Kampf  um  das  Herzogthum  Sachsen.  27

nen  die  Sachsen.  Conrad  glaubte,  ganz  als  Sieger  aus  dem  Kampf
hervorgehen  zu  können;  nicht  unterhandeln  wollte  er,  sondern  verlangte
  von  den  Sachsen  einfach  unbedingte  Unterwerfung,  und  soweit
  ging  er  hierin,  daß  er  den  sächsischen  Großen,  welche  zu  gütlichen
  Unterhandlungen  zu  erscheinen  bereit  waren,  das  erbetene
sichere  Geleit  verweigerte.)  Statt  sich  daher  auf  fernere  Unterhandlungen
  einzulassen,  die  voraussichtlich  poch  ohne  jedes  Resultat
blieben,  wandten  sich  die  sächsischen  Großen  mit  um  so  entschiedenerem
  Nachdruck  gegen  den  Eindringling  Albrecht  den  Bären.
Nicht  bloß  aus  Sachsen  wurde  er  vertrieben,  sondern  man  nöthigte
ihn  sogar  seine  Mark  zu  verlassen.  Nach  der  Zerstörung  der
Festung  Witekke  und  der  Stammburg  der  Anhaltiner,  Anhalt  selbst,
nahm  Graf  Rudolf  von  Stade  förmlich  von  dem  Lande  Besitz.)
Albrecht  blieb  schließlich  nichts  übrig  als  sein  Land  einstweilen  in
Feindes  Hand  zu  lassen  und  sich  zum  Kaiser  zu  flüchten,  um  bei
ihm  nachdrücklichen  Schutz  und  die  gewaffnete  Wiedereinsetzung  in
das  ihm  Geraubte  durchzusetzen.

Augenblicklich  aber  war  Conrad  III.  nicht  im  Stande  seinem
Wunsche  zu  willfahren.  Denn  auch  im  Süden  des  Reichs  hatte
vie  welfische  Partei  zu  den  Waffen  gegriffen  und  der  Kampf  nahm
namentlich  in  Baiern  selbst  sehr  bedenkliche  Dimensionen  an.  Dort
war  es  Welf  VI,  der  die  Ansprüche  des  jugendlichen  Heinrich  verfocht.
  Und  gerade  diese  Erhebung  mußte  Conrad  ganz  besonders
mit  Besorgniß  erfüllen,  nicht  bloß  deshalb,  weil  sein  Gegner  im
Anfange  ganz  entschieden  vom  Glück  begünstigt  wurde,  sondern  weil
Welf  sich  der  stillen  Bundesgenossenschaft  sehr  mächtiger  Feinde  des
Königs  selbst  zu  erfreuen  hatte.  Gerade  damals  war  der  Normannenherzog
  Roger  von  Ceoelestin  II.  der,  nachdem  er  ihn  vergeblich
zu  bekämpfen  versucht  hatte,  sich  unerwartet  mit  ihm  aussöhnte,
zum  König  von  Siclien  erhoben  worden:  es  war  dies  ein  Schritt,
der  niemand  unangenehmer  überraschen  mußte  als  Conrad.  Auf
jede  Weise  suchte  er  diese  Erhebung,  die  seiner  Stellung  in  Italien
die  ernstlichste  Gefahr  brachte,  rückgängig  zu  machen  und  stand  dem
neuen  König  als  sein  entschiedenster  Feind  gegenüber.  Conrad  ging

1)  Ann.  Stadens.  p.  324  a.  1140..
praedieti  Principes  minime  venerunt,
rege  eis  ducatum  prachbere  nolente.


2,  Ann.  Palid.  p.  80:  His  omnibus
  needum  contenti  Predicti  prineipes

  marchionem  patria  climinarerunt,
  Ancheld,  urbem  ipsius  incendentes.
  —  Ann.  Magdeburg.  p.
Rodem  etiam  anno  obsesse  sunt
et  destructe  munitiones  iste,  Groninge,
Anchald,  Gebelinzi,  Witekke.