28  1.  Buch.  1.  Kapitel.

1140.  damit  um,  möglichst  bald  selbst  nach  Italien  zu  eilen,  um  die  Angelegenheiten
  dort  in  seinem  Sinne  zu  ordnen  und  das  neue  sicilische
  Reich  gleich  in  seinen  ersten  Anfängen  zu  ersticken.  Nur  die
welfischen  Unruhen  in  Deutschland  hinderten  die  baldige  Ausführung
dieses  Plans.  Im  Interesse  Rogers  lag  es  daher,  daß  der  Kampf
in  Deutschland  möglichst  lange  hingezogen  wurde.  Denn  dadurch
gewann  er  Zeit,  seine  neue  Macht  zu  befestigen  und  sich  zu  erfolgreichem
  Widerstande  zu  rüsten.  Er  wurde  damit  ganz  natürlich
auf  die  Bundesgenossenschaft  Herzog  Welfs  VI.  hingewiesen,  und
so  finden  wir  denn  hier  zum  erstenmal  jene  eigenthümliche  Parteistellung,
  die  nicht  bloß  in  der  Geschichte  Heinrichs  des  Löwen  wichtig,
  sondern  für  die  ganzen  ferneren  Schicksale  der  Hohenstaufen
bis  zu  dem  Moment,  wo  sich  Heinrich  VI.  mit  der  Krone  beider
Sicilien  schmückte,  von  der  weitgreifendsten  Bedeutung  gewesen  ist,
—  den  Bund  nämlich  der  Feinde  des  Kaiserhauses  in  Deutschland
mit  den  Feinden  desselben  im  südlichen  Italien:  ein  Bund,  der
lange  Zeit  die  Grundlage  der  eigenthümlichen,  oft  sehr  merkwürdigen
  politischen  Combinationen  jener  Zeit  gebildet  hat  und  mehr  als
einmal  den  von  Süden  und  Norden  her  eingeengten  Staufern  mit
der  größten  Gefahr  zu  drohen  schien.

Aus  seinem  reichen  Schatze  zahlte  König  Roger  an  Welf  VI
bedeutende  Subsidien?),  da  derselbe  nicht  bloß  für  die  Sache  der
Welfen,  sondern  auch  für  das  neue  sicilische  Königreich  das  Schwert
führte.  Auch  war  das  Glück  der  Unternehmung  des  Herzogs  im
Anfang  günstig.  Herzog  Leopold  von  Baiern,  Conrads  Stiefbruder,
konnte  noch  immer  nicht  in  den  Vollbesitz  seiner  Macht  kommen,
sondern  war  noch  fortwährend  mit  den  welfenfreundlich  gesinnten
Großen  des  Lands  in  Fehde.  So  belagerte  er  zu  Anfang  August
die  Burg  zweier  treu  zu  ihrem  alten  Herzogshause  stehenden  Brüder,
  Phalei:  da  plötzlich  erschien  Welf  mit  einer  raschgesammelten

13.  aus.  Mannschaft  zum  Entsatz  vor  derselben.  Am  13.  August  1140  entspann
  sich  ein  heftiger  Kampf,  auf  beiden  Seiten  fielen  der  Tapferen
viel::)  Welf  hatte  den  Verlust  des  tapfern  Grafen  Albert  von  Bo-1

  Hermanni  Altah.  Ann.  Welfonem  ducem  pecunia  conductum,
(Mon.  SS.  XVII.  381):  Rogerius  ex-  contra  Chunradum  in  Alemannia  contunc
  apostol  ca  auctoritate  rex  exal-  citarit.
tatus  cum  iam  nullum  preter  Chun-  2,  Hermann.  Altah.  de  advocatis
radum  regem  baberet  obstaculum,  aAltah.  Mon.  SS.  XVII,  373.