1141.

32  1.  Buch.  1.  Kapitel.

Welfen  möglich.  An  der  Spitze  seiner  Gegner  stand  jetzt  Gertrud,
des  jungen  Heinrichs  Mutter:  ihr  fehlte  der  starke,  vom  Haß  zu
immer  neuem  Ringen  angespornte  Sinn,  die  unerschütterliche,  fast
leidenschaftliche  Kraft  ihrer  Mutter  Richenza.  Sie  war  der  Leitung
eines  in  wildester  Gährung  begriffenen  Landes  wohl  nicht  recht  gewachsen,
  und  nicht  frei  von  Launen,  persönlicher  Abneigung  und
Vorliebe,  hatte  sie  sich  durch  ungerechte  Maßregeln  die  Herzen
mancher  edlen  Sachsen  entfremdet.  So  hatte  sie  namentlich  den
schon  in  dieser  Zeit  zu  hoher  Bedeutung  gelangten  Grafen  Abolf
von  Schauenburg,  den  Inhaber  Wagriens,  schwer  gekränkt,  indem
sie  nach  der  schnellen  Vertreibung  Albrechts  des  Bären  den  von
diesem  in  den  Besitz  jener  Landschaft  gesetzten  Heinrich  von  Barewide
  ganz  gegen  die  wohlbegründeten  Ansprüche  des  Grafen  Abolf
darin  bestätigte,  und  zwar  vorzüglich  bewogen  durch  die  großen
Summen,  welche  er  dafür  erlegte,  und  aus  kleinlicher  persönlicher
Abneigung  gegen  den  Schauenburger)  Indem  Gertrud  daher  den
Frieden  dringend  herbeiwünschen  mochte,  war  sie  am  ersten  zu  einem
leidlichen  Compromiß  geneigt.  Dazu  kam,  daß  die  welfische  Sache
in  Sachsen  entschieden  den  Sieg  davon  getragen  hatte,  daß  Albrecht
der  Bär  dort  selbst  seine  Sache  als  verloren  ansah  und  sich  unter
Vermittelung  des  neuen  Exzbischofs  von  Mainz,  Marcolf,  von  der
Gewalt  der  Waffen  bereits  zu  friedlichen  Unterhandlungen  mit  den
sächsischen  Großen  bequemt  hatte.)

Die  beiden  kämpfenden  Parteien  standen  sich  sonach  ungefähr
mit  gleichen  Kräften,  gleichen  Vortheilen  und  Schwächen  gegenüber,
und  insofern  hatte  ein  Versuch  Frieden  zu  stiften  gerade  jetzt  vielmehr
  Aussicht  auf  Crfolg  als  früher.  Aber  nicht  bloß  einen  Frieden
von  zweifelhafter  Dauer  wollte  Conrad  III.  begründen,  ihm  lag
vielmehr  daran,  dem  Reiche  wirklich  dauernde  Ruhe  zu  verschaffen.
Kein  Weg  aber  schien  ihm  sicherer  dahin  zu  führen,  als  wenn  er
die  beiden  Familien,  welche  sich  bisher  um  den  Besitz  der  beiden
Herzogthümer  mit  steigender  Erbitterung  befehdet  hatten,  durch  eine

1)  Helmold.  I,  56.  Tunc  domina

29.  August  1141)  hortatu,  sicut  tradi-Gertrudis,
  mater  pueri,  dedit  Henrico

tur,  Adelbertus  marchio  cum  pro  conde

  Badewid  Wagirensium  provinciam,
aeccepta  ab  eo  pecunia,  volens
suscitare  pressuras  Adolfo  comiti
  eo,  quod  non  diligeret
eum.

2)  Ann.  Palid.  p.  80  ertr.:
Cuius  (ao.  Marcolft  —  Erzb.  seit  dem

serrando  ducatu  molimina  sua  cerneret
  ubique  oassari,  quin  etiem  wrse
et  depredationes  in  po
ut  prudens  ab  incepto  *  et  r*“
lerti  eura  quosque  principuam  Sarcnie
conveniens,  oportuna  satisfactione,  duo
repatriaret,  eegit-