Adolf  II.  und  Bischof  Vicelin.  35

Gegner  bei  den  entschievensten  der  sächsischen  Großen  gewiß  Anstoß
erregt  und  ihr  früheres  Ansehn  in  mancher  Beziehung  beeinträchtigt
  haben  mochte.  Gertrud  kehrte  daher  von  Frankfurt  aus  noch
einmal  auf  einige  Zeit  in  das  Herzogthum  ihres  Sohnes  zurück.)
Ihr  Einfluß  aber  auf  die  Regelung  der  sächsischen  Angelegenheiten
scheint  kein  so  überwiegender  mehr  gewesen  zu  sein  wie  bisher.
Vielmehr  trat  aus  der  Reihe  der  den  jungen  Herzog  umgebenden
und  leitenden  Großen  jetzt  ganz  besonders  der  Mann  hervor,  welcher
  lange  Jahre  hindurch  der  nächste  und  getreuste  Rathgeber,
Freund  und  Kampfgenosse  desselben  sein  sollte,  —  Graf  Adolf  II.
von  Schauenburg.

Es  war  ein  altes  edles  Geschlecht,  aus  welchem  derselbe  seine
Abstammung  herleitete.  In  der  Gegend  von  Minden  lag  seine
Stammburg,  nach  der  es  sich  genannt,  und  noch  heute  bilden  ihre
stattlichen  Ruinen  eine  Zierde  des  lieblichen  Weserthals.  Dem
Stammvater  des  Geschlechts  war  auf  einem  Reichstage  zu  Minden
von  Conrad  II.  im  Jahre  1030  die  Grafenwürde  verliehen  worden.
Mit  großer  Auszeichnung  hatte  derselbe  dann  an  den  Kämpfen
gegen  die  Slaven  theilgenommen  und  sich  schnell  durch  ganz  Sachsen
hin  Ruhm  und  Auszeichnung  erworben.  Von  dem  Bischof  von
Minden,  dem  er  als  treuer  weltlicher  Kämpfer  zur  Seite  stand,
erhielt  er  reiche  Lehen  und  wurde  zu  seinem  Kämmerer  erhoben,  —
eine  Würde,  die  dann  ebenso  wie  die  großen  Lehen  in  seiner
Familie  forterbte.  Die  Schauenburger  gehörten  so  bald  zu  den
reichsten  und  angesehensten,  namentlich  aber  wegen  ihrer  großen
Tüchtigkeit  im  Kriege  und  ihrer  oft  glänzend  bewiesenen  Tapferkeit
hochgepriesenen  Geschlechtern  Sachsens.

Als  daher  1106  die  Slaven  von  Neuem  gegen  das  deutsche
Grenzgebiet  anzustürmen  begannen  und  bei  einem  Ueberfall,  mit  dem
sie  Hamburg  heimsuchten,  Graf  Gotfried  von  Holstein  seinen  Tod
gefunden  hatte,  so  wußte  Herzog  Lothar  von  Sachsen  keinen  bessern
Mann,  dem  er  den  Schutz  der  so  ernstlich  gefährdeten  Grenzmark
hätte  anvertrauen  können,  als  den  Grafen  Adolf  von  Schauenburg.
Es  war  der  Enkel  oder  Urenkel  des  von  Conrad  II.  in  den  Grafenstand
erhobenen,  welcher  jetzt  von  Lothar  wegen  seiner  schon  vielfach  erprobten
Tüchtigkeit  die  Grafschaft  Holstein  als  sächsisches  Lehen  erhielt.  Die

Bgl.  Ann.  Palid.  p.  91.  Am  Reg.  u.  1.  unb  Reg.  u.  2,  wonach  sie

26.  Ne  ist  Gertrud  mit  ihrem  Sohne  ebenfalls  i  ihrem  Sohn  3.  Sept.  1142
in  Mainz  beim  Erzb.  Marcolf,  ivgl.  in  Bremen  anwesend  ist.)
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1106.