1124.

1126.
16  Febr.

36  1.  Buch.  2.  Kapitel.

Erwartungen,  welche  der  Herzog  in  ihn  gesetzt,  erfüllte  er  in  jeder
Weise:  unter  seiner  Leitung  begann  sich  der  Zustand  des  schwer
heimgesuchten  Landes  zu  bessern  und  schon  zeigten  sich  die  ersten
Keime  zu  einer  neuen  Blüthe,  welche  Graf  Adolf  I.  sorgfältig  pflegte,
indem  er  mit  dem  mächtigen,  christenfreundlichen  Slavenfürsten
Heinrich  in  Frieden  und  freundschaftlichem  Bündniß  lebte.  Unter
seinem  Schutze  begann  damals  der  Slavenapostel-  Vicelin  seine  aufopfernde
  Thätigkeit:  die  Glanzzeit  desselben  sollte  zusammenfallen  mit
dem  ein  völlig  neues  Leben  in  Holstein  begründenden  Wirken  von
Adolfs  jüngerem  Sohne.

Zum  Nachfolger  des  ersten  Schauenburger  Grafen  von  Holstein
  war  für  den  Fall  seines  Todes  sein  älterer  Sohn  Hartung
bestimmt.  Der  jüngere,  der  später  so  berühmt  gewordene  Adolf  II.,
war  der  Sitte  der  Zeit  gemäß  zum  Geistlichen  bestimmt  und  lag
bereits  den  hierzu  vorbereitenden  gelehrten  Studien  ob.  Unerwartet
  aber  wurde  er  in  die  weltliche  Laufbahn  und  zum  Nachfolger
seines  Vaters  in  der  Grafschaft  berufen.  Hartung  nämlich  nahm
an  dem  Zuge  theil,  welchen  Lothar  zur  Unterstützung  Ottos  von
Mähren  gegen  den  Böhmenherzog  Sobieslav  angetreten  hatte.
Derselbe  nahm  einen  überaus  unglücklichen  Verlauf:  mitten  im  Gebirge,
  bei  Chlumez,  erlitt  Lothar,  von  den  Böhmen  auf  dem  Marsch
überfallen,  eine  völlige  Niederlage,  am  18.  Februar  1126.  Unter
den  vielen  Edlen,  deren  Tod  Lothar  zu  beklagen  hatte,  war  auch
Hartung.  So  kam  es  denn,  daß  des  Gefallenen  jüngerer  Bruder,
Avolf,  den  gelehrten  Studien  und  der  Absicht,  in  den  geistlichen
Stand  zu  treten  entsagte  und  nach  dem  Tode  seines  Vaters  von
Lothar  mit  der  Grafschaft  Holstein  belehnt  wurde.)  Und  mit  ihm
kam  der  richtige  Mann  an  den  richtigen  Platz.

Die  ersten  Jahre  seiner  Verwaltung  freilich  hatte  Graf  Adolf
II.  nur  wenig  over  gar  keine  Gelegenheit,  viel  zum  Segen  des  Landes
  zu  thun.  Gleich  im  Anfange  verselben  zog  er  sich  durch  voreilige
  Einmischung  in  die  dänischen  Thronstreitigkeiten  ernstliche  Verluste
  zu.  Magnus  hatte,  um  sich  die  durch  eine  neue  Erbfolgeordnung
gefährdete  Nachfolge  zu  sichern,  hinterlistiger  Weise  seinen  Vetter  Knud
Laward  ermordet,  den  Kaiser  aber  durch  große  Geldsummen  zur

1)  Helm.  I.  49  extr.  Adollus  nisse  vgl.  Jaffé,  Lothar.  Beilage  3,
accepit  cometiam  terrse  Nordalbingo=  p.  234,  woraus  sich  ergiebt,  da  wrum,
  vir  prudens  et  divinis  et  huma-  Angabe  des  Chron.  Holsatige.  Adbolf  I.

nis  robus  exercitatissimus.  Ueber  die  sei  1131  etorben,  nicht  weiter  anzuchronologische
  Anordnung  dicser  Ereig=  zweifeln  za