Adolf  II.  und  Bischof  Vicelin.  37

Verzeihung  bewogen.)  Knuds  Bruder  aber,  Erich,  sann  auf  Rache:
alles  aber,  was  er  gegen  Magnus  unternahm,  misglückte,  überall
erlag  er  der  Uebermacht  seines  Gegners  und  wurde  zur  Flucht  genöthigt,
  was  ihm  den  wenig  ehrenvollen,  später  aber  durch  glänzende
Thaten  gegen  einen  sehr  rühmlichen  eingetauschten  Beinamen  „Hasenfuß“
  einbrachte.  Von  allen  Seiten  eingeengt,  hatte  er  sich  schließlich
  in  das  feste  Schleswig  werfen  müssen.  Als  nun  Magnus
mit  einem  großen  Heere  die  Stadt  von  allen  Seiten  berannte  und
bald  in  arge  Bedrängniß  brachte,  da  wandten  sich  Erich  und  die
Schleswiger  an  ihren  Nachbar,  den  Grafen  von  Holstein:  hundert
Mark  boten  sie  Adolf  II,  wenn  er  ihnen  zu  Hülfe  kommen  und
Magnus  zur  Aufhebung  der  Belagerung  nöthigen  wollte.  Sofort
aber  erschienen  auch  von  Magnus  Boten,  welche  dieselbe  Summe
versprachen,  wenn  sich  Avolf  jeder  Einmischung  in  den  Kampf  enthalten
  wollte.  So  wetteiferten  die  beiden  streitenden  Parteien,  den
mächtigen  Grafen  auf  ihre  Seite  zu  ziehen,  —  eine  Erscheinung,  die
sich  uns  hier  zum  erstenmale  darbietet,  später  aber,  als  Dänemark
durch  fortwährende  Thronstreitigkeiten  immer  mehr  zerrüttet  wurde,
und  Herzog  Heinrich  im  ganzen  Norden  der  gewaltigste  Fürst  war,
sich  immer  häufiger  wiederholte,  und,  da  beide,  der  Sachsenherzog
sowohl  wie  der  Graf  von  Holstein,  solche  Gelegenheiten  auf  das
Vollständigste  und  oft  in  ziemlich  gewissenloser  Weise  auszubeuten
wußten,  wesentlich  zur  Befestigung  und  Erweiterung  ihrer  Macht
beigetragen  hat.  So  zwischen  zwei  Parteien  gestellt,  von  jeder  durch
gleiche  Vortheile  angelockt,  ging  Adolf  mit  den  Seinen  zu  Rathe  und
entschied  sich  dahin,  dem  Hülferufe  Erichs  und  der  Schleswiger
Folge  zu  leisten:  namentlich  bewog  ihn  dazu  die  Rücksicht  auf  die
große  Bedentung,  welche  der  Handel  der  Stadt  Schleswig  auch  für
sein  Gebiet  hatte.  Er  überschritt  im  Sommer  1133  mit  einem
Heer  die  Eider:  aber  noch  ehe  die  ganze  Macht  über  den  Fluß  gelangt
  war,  drangen  die  kampf=  und  beutelustigen  Soldaten  übereilt
vor;  von  der  nahe  an  der  Eider  stehenden  Hauptmacht  getrennt,  wurden
  sie  von  Magnus,  der  ihnen  mit  tansend  auserlesenen  Kriegern
entgegeneilte,  angegriffen  und  gänzlich  geschlagen.  Nur  dem  geringeren
  Theile,  darunter  dem  Grafen  selbst,  gelang  es,  sich  durch  die
Flucht  über  die  Eider  zu  retten.)

Als  dann  nach  dem  Tode  Lothars  der  Kampf  zwischen  Welfen

1n  Helm.  I,  50  Vgl.  Dahlmann,  2)  Helm.  I,  51.
Cesch.  v.  D  I,  p.  227  fl.

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