Abolf  II.  und  Bischof  Bicelin.  39

ohne  den  Grafen  in  Wagrien  ein,  um  sich  an  den  Slaven  zu  rächen  um.
und  gegen  die  verwüstenden  Einfälle  derselben  ein  für  allemal  zu
sichern.  Sie  belagerten  Plön,  eroberten  und  zerstörten  es;  alle  Slaven,
  deren  sie  habhaft  werden  konnten,  wurden  getödtet.)  Diese
blutige  Rache  brach  die  Macht  der  wagrischen  Slaven  vollständig:
sie  waren  so  gut  wie  aufgerieben.  Jetzt  erst  war  das  Land  deutscher
  Herrschaft  und  Cultur  erschlossen,  aber  zugleich  auch  so  gut
wie  entvölkert.  Hierhin  nun  lenkte  Graf  Adolf,  als  er  wieder  in
den  Besitz  seiner  Grafschaft  gekommen  war,  vor  allem  seine  Aufmerksamkeit,
  und  das,  was  sein  einstiger  Gegner  mit  starker  Faust  erkämpft
hatte,  suchte  er  durch  die  Künste  des  Friedens  sich  erst  recht  zu  befestigen
  und  nutzbar  zu  machen.  In  diesem  kleinen  Gebiete  entfaltete
Graf  Adolf  eine  in  jeder  Hinsicht  höchst  bedeutende  Thätigkeit,
durch  welche  er  sich  um  Hebung  der  Cultur  und  des  Wohlstandes
in  diesen  kaum  den  Slaven  entrissenen  Gegenden  ein  außerordentliches
  Verdienst  erwarb,  gleichzeitig  auch  dem  jungen  Herzog
Heinrich  ein  Vorbild  wurde  für  dessen  späteres  Wirken  in  derselben
Richtung.  »

Gesegnetere  Fruchtbarkeit,  besser  zu  einem  sich  nach  allen  Weltgegenden
  hin  erstreckenden  Handel  geeignete  Lage  als  sie  die  Niederungen
  und  Mündungsgebiete  der  Weser,  Elbe  und  Trave  darbieten,
kann  es  kaum  geben.  Zwar  waren  die  Deutschen  nicht  lange  erst
dieser  Gegenden  völlig  Herr  geworden,  auch  waren  ihre  Ansiedlungen
  noch  von  dem  Andringen  der  unruhig  gährenden,  seegeübten
Slaven  bedroht:  aber  ein  Mann,  der  mit  kriegerischer  Tüchtigkeit
und  unerschütterlicher  Wachsamkeit  gegen  die  Slaven  zugleich  das
Talent  vereinigte,  Colonisten  heranzuziehen  und  unter  dem  Schutze
seines  Schwerts  dem  Ackerbau  und  dem  Handel  eine  Stätte  zu
bereiten,  der  konnte  in  diesen  Gegenden  außerordentliches  leisten
und  für  sie  ver  Schöpfer  einer  überaus  glänzenden  Zukunft  werden.
Alle  diese  Eigenschaften  aber  vereinigte  Graf  Adolf  II.  von  Schauenburg
  im  seltensten  Maße  und  wußte  sie  in  der  erfolgreichsten
Weise  anzuwenden.

Die  Kämpfe  der  Deutschen  mit  den  Slaven  tragen  sehr  häufig
den  Charakter  von  Vernichtungskämpfen:  immer  weiter  dringen  sie
nach  Osten  vor,  aber  unterworfen,  wirklich  ihr  Eigenthum  ist  eine
Strecke  Landes  erst,  wenn  sie  wüst  und  so  gut  wie  entvölkert  ist.

1)  Helm.  I,  56.