40  1.  Buch.  2.  Kapitel.

Und  selbst  wo  dies  nicht  der  Fall  war,  erwiesen  sich  doch  die  Slaven
als  ein  zu  sprödes,  unbiegsames  Element,  als  daß  man  sie  zu  Trägern
  der  neuen  Cultur  hätte  machen  können.  So  kamen  denn
bereits  in  dieser  Zeit  die  Colonisationen  im  ausgedehntesten  Maßstabe
  auf:  und  wie  heute  das  Ziel  der  Auswanderer  jenseits  des
Meers  liegt,  so  zogen  damals  die  Deutschen  aus  den  stark  bevölkerten
  Gegenden  des  mittleren  Deutschland,  namentlich  aber  von
den  Niederlanden  her  an  die  Küsten  der  Nord=  und  Ostsee  und
bereiteten  dort  in  den  den  Slaven  abgenommenen  Gebieten  der
deutschen  Cultur  eine  neue  Stätte.  Niemand  aber  erkannte  den
hohen  Werth  dieser  „niederländischen  Colonien““],  unter  welchem
Namen  man  sie  zusammenzufassen  pflegt,  besser  als  Graf  Adolf  II.
von  Holstein,  der,  durch  den  jungen  Herzog  Heinrich  wieder  zu
seinem  Besitzthum  gelangt,  sich  eben  durch  seine  planmäßige  colonisierende
  Thätigkeit  um  ganz  Norddeutschland  ein  hohes  Verdienst
erworben  hat.

Weit  und  breit  ließ  Adolf  es  lundthun,  daß  Colonisten  von
ihm  gutes  Land  erhalten  könnten:  nach  Westfalen,  Friesland,  Holland,
  Flandern  und  Utrecht  gingen  seine  Boten.  Zum  Schutze
seiner  neuen  Pflanzung  gegen  die  Slaven  stellte  er  Segeberg,  das
in  den  letzten  Kämpfen  von  Heinrich  von  Badewide  zerstört  worden
  war?),  wiedrr  her  und  machte  diese  Festung  zu  einem  der
wichtigsten,  ja  bald  für  uneinnehmbar  geltenden  Punkte  in  Niedersachsen.
  Bereitwillig  leisteten  zahlreiche  Schaaren  unternehmender
Männer  aus  den  Niederlanden  dem  verlockenden  Rufe  des  Grafen
Folge  und  in  langen  Zügen  wanderten  sie  an  die  Küste  des  Meers.
Westlich  von  Segeberg,  dem  schützenden  Mittelpunkt  der  ganzen
Pflanzung,  siedelte  Adolf  die  Holsteiner  an:  zum  Lohne  für  ihre
gegen  die  Slaven  bewiesene  Tapferkeit  erhielten  sie  das  beste  und
fetteste  Land  auf  beiden  Ufern  der  Trave.")  Neben  ihnen,  im  Dargungau
  bei  Segeberg,  ließen  sich  die  Westfalen  nieder,  während  die
Holländer  in  der  Gegend  um  Eutin  und  die  Friesen  um  Süsel  Wohnsitze
  erhielten.)  Die  Bedingungen,  auf  welche  hin  sich  viese  Colo-1)

  Vgl.  das  bekannte  Werk  von  grate  in  terram  desiderabilem  et  in-Wersebe,
  Ueber  die  niederländischen  colito  eam  et  participamini  deliclis

Colanien  u.  s.  rw  Hannover,  1815.  eius,  eo  quod  vobis  debeantur  optima
elm.  I,  56.  —  wonach  dicse  eius,  qui  tulistis  eam  de  manu  inimi-Wnt

  Segebergs  in  das  J.  1138  corum.

gehört.  4)  Helm.  ibid.  giebt  diese  Ver-3/

  Uelm.  I.  57  läßt  ihn  den  Hol=  theilung  des  Landes  an.
fteinern  sagen:  Estote  primi  et  demi-