Adolf  II.  und  Bischof  Bicelin.  41

nisten  in  Wagrien  niederließen,  werden  die  damals  üblichen,  den
Einwanderern  sehr  günstigen  gewesen  sein.  Diese  niederländischen
Colonisten  erhielten  das  Land  zu  vollem  Eigenthum,  zahlten  dem
Grafen  nur  einen  Zins  und  hatten  außerdem  ihre  besondere  Gerichtsbarkeit:—
  Privilegien,  die  man  unter  dem  Gesammtnamen  des  „hollischen
  Rechts“  zusammenzufassen  pflegt.  Den  östlichen  Theil  Wagriens
  aber  nebst  den  Meeresküsten,  wo  Oldenburg  und  Lütjenburg
die  wichtigsten  Städte  waren,  überließ  Adolf  gegen  beveutenden
Tribut  den  wagrischen  Slaven.

Ganz  besonders  wichtig  aber  wurde  für  die  Entwickelung  der
Cultur  in  Niedersachsen  die  Gründung  einer  Stadt,  welche  bald  der
Mittelpunkt  des  ganzen  dortigen  Handels  wurde.  Auf  einer  von
der  Trave  und  Wakeniz  umflossenen  Insel,  einst  berühmt  durch  den
vort  befindlichen  heiligen  Hain  Buku  und  aus  der  Zeit  auch  noch
mit  Wällen  und  Gräben  versehn,  gründete  Adolf,  geschützt  durch
neu  angelegte  Befestigungen,  eine  Stadt,  welche  durch  ihre  Lage  an
einem  trefflichen  Hafen  und  im  Grenzgebiete  zwischen  Deutschen  und
Slaven  bald  der  bedeutendste  Handelsplatz  der  ganzen  Gegend
wurde  und  fortwachsend  und  blühend  sich  allmählich  zur  Metropole
des  gesammten  norddeutschen  Handels  aufschwang:  —  Lübeck.)  Zur
Sicherung  des  Friedens  für  seine  neuen  Anlagen  setzte  sich  Graf
Avolf  auch  mit  den  nahen  Obotriten  in  Verbindung,  ging  mit
ihrem  Fürsten,  Niclot,  einen  Vertrag  ein  und  vermochte  einen
Theil  des  Stammes,  sich  in  dem  entvölkerten  Wagrien  niederzulassen.)


Es  entfaltete  sich  nun  in  diesen  so  lange  öden  und  leeren
Gegenden  ein  frisches  und  bewegtes  Leben,  und  wo  erst  noch  meilenweit
  das  Land  unbewohnt  gestanden  hatte,  entwickelten  sich  Handel
und  Wandel  schnell  zu  hoher  Blüthe.  Jetzt  kehrten  auch  die  einst
vertriebenen  Missionare  zurück:  vor  allen  begann  der  unermüdliche
Vicelin  seine  segensreiche  Thätigkeit  von  Neuem,  und  das,  was  Graf
Avolf  theils  durch  das  Schwert,  theils  durch  die  Künste  des  Friedens
gewann,  sicherte  und  befestigte  er  durch  seine  Predigt  und  die  Bekehrung
  der  Slaven.  Er,  der  mit  der  colonisierenden  Thätigkeit  des

1)  ibid.  Aldenburg  vero  et  Lutilenburg
  et  cetoras  terras  mari  contiguas
  dodit  Slavis  incolendas  factique
zune,  ei  tributarii.

„  Helmold.  I.  57.  Lol-  Dech,
Onctooneen  zur  Gesch.  Lübe

3)  Helm.  l.  e.  Trunsmisitque  nuncios
  ad  Niclotum,  Obotritorum  prineipem,
  componere  oum  eo  amiecitias,
omnes  nobiliores  donariis  sibi  adeo

tringens,  ut  omnes  ei  obsequi  et
terram  eins  compacare  certarent.