42  1.  Buch.  2.  Kapitel.

Grafen  Adolf  und  später  Heinrichs  des  Löwen  auf  das  Engste
verbunden  war,  der  recht  eigentlich  bemüht  war,  durch  die  Segnungen
  des  Christenthums  die  Schöpfungen  der  weltlichen  Gewalt
zu  sichern  und  ihnen  inneren  Halt  zu  geben,  gehört  zu  den  bemerkenswerthesten
  Erscheinungen  dieser  Zeit.  Wenn  er  auch  den  größten
und  denkwürdigsten  Missionaren  aller  Zeiten  nicht  gerade  ebenbürtig
an  die  Seite  gestellt  werden  kann,  wenn  er  auch  dem  Getriebe  der
großen  Welt  fremd  geblieben  und  sein  Einfluß  keine  Staaten  gelenkt
hat,  so  haben  es  ihm  doch  an  edler  Einfalt  und  wahrhaft  christlicher
  Demuth,  an  rücksichtsloser  Opferfreudigkeit  nur  wenige  gleichgethan.
  Er  hat  viel  Noth  und  Widerwärtigkeiten  mancher  Art  zu
erdulden  gehabt;  nichts  aber  hat  ihn  von  der  Lebensaufgabe,  die  er
sich  gestellt,  der  Bekehrung  der  Slaven,  abwendig  zu  machen  vermocht.

Von  schlichten  und  armen  Aeltern  war  Vicelin  zu  Quernhameln
an  der  Weser  geboren.)  Dort  erhielt  er  auch  die  Anfänge  einer  gelehrten
  Bildung  durch  die  Canoniker  des  Orts.  Mit  dem  Eintritt
in  das  Jünglingsalter  trat  er  auch  ein  in  die  Irrungen  und  Versuchungen
  des  weltlichen  Lebens:  er  widerstand  ihnen  nicht,  und  den
Lockungen  einer  üppigen  Lebensweise  erliegend  kam  er  bald  in  ernstliche
  Gefahr.  Der  Eindruck  aber,  den  der  Spott  eines  Priesters  machte,
als  er  mit  seinen  gelehrten  Kenntnissen  prahlend  auf  die  ihm  vorgelegten
  Fragen  doch  nicht  Rede  und  Antwort  stehen  konnte,  war  ein
sehr  tiefgehender  und  brachte  ihn  zu  der  Erkenntniß,  daß  er  zu  seinem
  Seelenheile  einen  andern  Weg  einschlagen  müßte.  Er  wandte
sich  nach  Paderborn,  dessen  Klosterschule  damals  unter  des  gelehrten
Hartmann  Leitung  zu  großem  Ansehn  gelangt  war.)  Mit  dem  unermüdlichsten
  Fleiße  gab  er  sich  den  Studien  und  geistlichen  Uebungen
hin,  ja  er  übertrieb  diesen  Eifer,  so  daß  sein  Lehrer  selbst  ihn  abmahnend
  zurückhalten  mußte.  Dafür  aber  hatte  sein  Streben  auch
so  trefflichen  Erfolg,  daß  ihm  bald  gemeinsam  mit  Hartmann  die  Leitung
  der  Schule  übertragen  wurde.))  Der  immer  mehr  steigende
Ruhm  derselben  war  wesentlich  mit  des  Vicelin  Werk.  Namentlich
die  etwas  gelockerte  und  daher  in  Verfall  gerathene  äußere  Zucht  zog
er  straff  wieder  an  und  führte  strenge  Sitte  und  Ordnung  ein.  Frei-1)

  Helm.  I,  42:  Vicelinus  itaque  2)  ibid.  Abiit  ergo  Patberbur-Mindensi
  parochia  oriundus,  in  villa  nen,  ubi  tunse  forte  litterarum  studia
Publica,  cui  nomen  Quernhamele,  —  ülrebant  sub  nobili  magistro  Hart-Fenitus
  est  Parentibus  magis  honestate  manno.
dunm  carnis  et  sanguinis  nobilitate  3)  ibid.  —  in  brevi  factus  est  in

ornatis.  scholis  regendis  magistro  adiutor.