Adolf  II.  und  Bischof  Vicelin.  43

lich  ging  er  in  seinem  Eifer  da  wohl  zuweilen  etwas  zu  weit,  so  daß
seine  Strenge  in  Härte  ausartete:  namentlich  soll  er  auch  die  Schläge
bei  seinen  Schülern  nicht  gespart  haben.  Aber  der  Ruhm  seiner
Sittenstrenge  und  rastlosen  Gelehrsamkeit  hatte  sich  schnell  weithin
verbreitet,  und  so  kam  es,  daß  ihn  der  Erzbischof  Friedrich')  nach  Bremen
  berief,  um  die  Leitung  der  dortigen  in  Verfall  gerathenen  Klosterschule
  zu  übernehmen.)  Vicelin  folgte  dieser  Aufforderung,  hielt  es
aber  in  seiner  neuen  Stellung  nicht  lange  aus;  die  Erkenntniß,  wie
viel  ihm  noch  an  Gelehrsamkeit  fehlte  und  der  in  ihm  immer  wachsende
  Drang  nach  Erweiterung  und  Vertiefung  seiner  Kenntnisse  trieben
  ihn  fort.  Mit  seinem  Lieblingsschüler  Dietmar  nahm  er  Urlaub
und  begab  sich  nach  Paris,  der  damaligen  Metropole  aller  theologischen
  Weisheit.  Drei  Jahre  lang  lag  er  dort  mit  unermüdlichem  Eifer
den  ernstesten  Studien  ob;  von  dem  Scheinwesen,  der  bloßen  Spiegelfechterei
  der  Disputationen  hielt  er  sich  fern.  Auch  eine  streng  ascetische
  Lebensweise  hielt  er  ein,  um  sich  der  Priesterweihe  würdig  zu  machen:
  denn  diese  wollte  er  zunächst  erlangen,  um  sich  dann  ganz  dem
großen  Berufe  hinzugeben,  zu  dem  der  Plan  allmählich  in  ihm  aufgestiegen
  war.)

Aus  Frankreich  zurückgekehrt  begab  sich  Vicelin  nach  Magdeburg
  und  wurde  dort  vom  Erzbischof  Norbert  zum  Priester  geweiht.)
Er  war  beseelt  von  dem  Wunsche,  sich  ganz  dem  Dienste  Gottes  zu
weihen,  und  zwar  nicht  in  einsamem  Beten  und  Fasten,  sondern  indem
  er  sich  an  den  am  meisten  gefährdeten  und  arbeitsreichsten  Posten
stellte.  Nun  hatte  er  Kunde  erhalten  von  dem  das  Christenthum  fördernden
  Streben  des  Slavenfürsten  Heinrich,  der  damals  seinen  Sitz  in
Lübeck  hatte.  Dorthin  beschloß  er  sich  zu  wenden,  um  unter  den  Slaven
das  Evangelium  zu  predigen.  Der  Erzbischof  Adalbert  von  Hamburg
stimmte  seinem  Vorhaben  bei  und  betraute  ihn  ausdrücklich  mit  dieser
Mission.  Mit  zwei  Genossen,  Rudolf,  einem  Hildesheimer,  und  Ludolf,
einem  Verdener  Geistlichen,  trat  er  seine  Wanderung  an.  In  Lübeck
trugen  sie  dem  Slavenfürsten  Heinrich  ihr  Anliegen  vor  und  erhielten  von
ihm  die  Erlaubniß  zur  Predigt  sowie  das  Versprechen  alles  nöthigen

11  1104—1123.  erweihr  sich  anknüpfenden  chronologi-2)
  Helm.  I,  44.  chen  Probleme  vgl.  die  Untersuchung
3)  Helm.  I,  45.  setzt  die  Reise  nach  von  Jaffé,  Lothar  d.  S.  Beil.  III,
Paris  lange  Jahre  nach  seiner  Ueber=  p.  232,  wo  der  einzig  mögliche  Weg
siedelung  nach  Bremen:  —  emensis  einer  Lösung  richtig  angegeben  ist:  daergo
  quam  pluribus  annis“  —.  nach  fällt  Vicclins  Weihe  in  die  Zeit

4)  Ueber  die  an  den  Aufenthalt  nach  dem  18.  Juli  1126.
Vicelins  in  Frankreich  und  seine  Prie-