44  1.  Buch.  2.  Kapitel.

Schutzes  und  Beistandes.  Diese  Verheißungen  erfüllt  und  dadurch
ihr  Unternehmen  wesentlich  gefördert  zu  sehen,  wurde  ihnen  nicht  vergönnt.
  Denn  als  die  Missionare  nach  einem  kurzen  Besuch  in  Sachsen
  nach  Lübeck  zurückkehrten,  um  unter  Heinrichs  Schutz  ihr  Werk
zu  beginnen,  da  empfing  sie  die  Trauerkunde  von  dem  Tode  des  christenfreundlichen
  Fürsten.  Unter  Heinrichs  Söhnen  aber,  Zwentebulch
und  Knud,  brach  in  Folge  von  Erbstreitigkeiten  wilder  Bruderzwist
aus,  der  diese  kaum  im  Erblühen  begriffenen  Gegenden  von  Neuem
auf  das  Tiefste  zerrüttete.  Unter  solchen  Umständen  mußten  die  drei

Missionare  ihr  Vorhaben  denn  freilich  einstweilen  aufgeben.)
Bald  aber  eröffnete  sich  dem  Vicelin,  der  durch  die  plötzliche
Unausführbarkeit  seines  Plans  tief  bekümmert  war,  ein  anderes  Gebiet
erwünschter  Thätigkeit.  Er  begleitete  den  Erzbischof  Adalbert  auf  einer
Visitationsreise  nach  Hamburg  und  von  da  nach  Nordalbingien.  Als
der  Kirchenfürst  da  von  den  Einwohnern  Neumünsters  um  einen  Priester
  angegangen  wurde,  gab  er  ihnen  als  solchen  den  Vicelin;  denn
da  Neumünster  gerade  in  dem  Grenzgebiet  gegen  die  Slaven  lag,  so
wurde  demselben  auf  diese  Art  Gelegenheit  zur  Förderung  seines  Bekehrungswerks
  gegeben.  Vicelin  fand  einen  reichen  und  ihn  vielfach
in  Anspruch  nehmenden  Wirkungskreis.)  Denn  obgleich  die  Nordalbingien
  bewohnenden  Slaven  schon  früher  zum  Christenthum  bekehrt
waren,  so  war  der  neue  Glaube  doch  in  Folge  der  nahen  Berührung
mit  ihren  heidnischen  Nachbarn  und  Stammgenossen  noch  nicht  tiefer
eingedrungen,  namentlich  aber  fand  Vicelin  an  der  Lebensweise  seiner
Schutzbefohlenen  viel  zu  bessern.  Diese  Nordalbingier  waren  ein  wilder,
  zügelloser,  besonders  durch  die  anhaltenden  Kämpfe  mit  den  Slaven
  vielfach  zu  Räuberei  geneigter  Stamm.  Aber  des  Vicelin  unermüdliche
  Thätigkeit  war  von  gesegnetem  Erfolg  begleitet,  und  bald
verbreitete  sich  der  Ruf  seines  Wirkens  weithin,  so  daß  von  fern  her
glaubenseifrige  Geistliche  herbeieilten,  um  sich  unter  seiner  Leitung
einer  gleichen  Thätigkeit  zu  widmen.')  So  wuchs  die  junge  Pflanzung
  rasch  und  kräftig  erstarkend  und  fand  auch  von  Seiten  der  hohen
Geistlichkeit  regere  Theinahme  und  Unterstützung.  Der  Kirche  von
Neumünster  hatte  schon  der  Kaiser  Lothar  Freiheit  von  allen  Abgaben
und  Leistungen  gewährt.  Als  Adalbert  von  Bremen  ihr  den  Vicelin
vorsetzte,  wies  er  denselben  und  seine  Genossen  mit  ihrem  Unterhalt
1  Helm.  I,  14.  fama,  multi  tam  de  elero  quem  de

2)  Helm.  1,  laicali  ordine  convenerunt  ad  ipsum.
3  ibid.  —ir  sanctitatis  einn