Adolf  II.  und  Bischof  Vicelin.  45

an  auf  die  Dörfer  Wippendorf  und  Hagersvorf;  auch  später  noch  hat
er  sie  mehrfach  reichlich  beschenkt.  Die  Wirksamkeit  des  Vicelin  ging
nun  rüstig,  wenn  auch  keineswegs  ungestört  vor  sich.  Denn  bis  in
diese  Gegenden  drangen  die  inneren  Wirren  und  kriegerischen  Bewegungen,
  welche  aus  dem  Streite  der  beiden  Söhne  des  Slavenfürsten
Heinrich,  Zwentebulch  und  Knud,  hervorgingen.  Die  Holsaten  und
Stormarn,  welche  anfangs  auf  Seiten  des  ersteren  standen  und  in
seinem  Interesse  den  Knud  in  Plön  belagerten,  ließen,  durch  Knuds
friedliche  Vorstellungen  bewogen,  ihren  Schützling  im  Stich,  worauf
zwischen  den  streitenden  eine  Theilung  zu  Stande  kam.  Bald  darauf
wurde  Knud  ermordet  und  vie  Herrschaft  ging  in  die  Hände  Zwentebulchs
  allein  über.  Dieser  war  den  Christen  geneigt  und  ertheilte,
wie  einst  sein  Vater,  dem  Vicelin  die  Erlaubniß,  unter  den  von  ihm
beherrschten  Slaven  das  Evangelium  zu  predigen.  Vicelin  sandte  deshalb
  sofort  zwei  Priester  nach  Lübeck,  doch  währte  deren  Wirksamkeit
nur  kurze  Zeit,  denn  bald  darauf  wurde  die  Stadt  von  den  Rugiern
von  der  See  her  angegriffen  und  gänzlich  zerstört.  Die  Priester  selbst
entkamen  nur  mit  genauer  Noth  den  entschieden  christenfeindlichen
Siegern.)  Als  dann  nicht  lange  darauf  auch  Zwentebulch  unter  dem
Dolche  eines  Mörders  fiel,  da  hatte  die  Wirksamkeit  Vicelins  und
seiner  Genossen  fürs  Erste  ihr  Ende  erreicht.  Denn  die  inneren
Streitigkeiten,  welche  diese  slavischen  Gebiete  unter  Knud  Laward  beunruhigten,
  machten  ein  erfolgreiches  Wirken  unmöglich.  Als  dann
im  Jahre  1131  auf  Knud  Laward  zwei  entschiedene  Gegner  des  Chri=  1131.
stenthums  folgten,  Pribizlav  und  Niclot,  da  gerieth  durch  den  fanatischen
  Eifer,  mit  dem  sie  die  Christen  verfolgten,  alles  in  Gefahr,  was
von  Vicelin  in  den  letzten  Jahren  so  mühsam  zu  Stande  gebracht
worden  war.  Das  Heldenthum  entfaltete  neue  Kraft  und  breitete
sich  zusehends  wieder  aus.)  Nicht  bloß  dem  jungen  Christenthum,  sondern
  der  ganzen  so  mühsam  begründeten  deutschen  Cultur  jener  Gegenden
  schien  der  Fanatismus,  den  die  Slaven  unter  Leitung  ihrer
neuen  Herrscher  entfalteten,  die  größte  Gefahr  zu  drohen.  Bei  der
Anwesenheit  des  Kaisers  Lothar  im  nördlichen  Sachsen  (1133)  wandte  1
sich  daher  Vicelin  an  diesen  und  zu  Bardewiek  trat  er  vor  ihn  mit
der  Bitte,  dem  Verderben,  das  den  nordelbischen  Landen  drohte,  durch
Anlegung  einer  starken  Grenzfestung  gegen  die  Slaven  einen  Damm

55

—

33.

1)  Helm.  I,  43.  infesti.  Invaluitque  in  diebus  illis  per
2)  Helm.  ĩ,  52,  Fueruntque  hi  duo  universam  Slaviam  multiplex  idolorum
truculentue  bestige,  Christianis  valde  cultura  errorquc  superstitionum.