46  1.  Buch.  2.  Kapitel.

entgegenzusetzen.  Bei  seiner  genauen  Kenntniß  der  Gegend  wies  er
ihn  auch  gleich  auf  den  hierzu  am  meisten  geeigneten  Punkt  hin:  Lothar
  ging  darauf  ein,  und  damals  wurde  auf  der  Höhe  des  Gypsberges,
  an  dessen  Fuße  sich  ein  schützender  See  ausdehnt,  die  Burg.
Segeberg  erbaut.  Und  wie  in  diesen  Kämpfen  Schwert  und  Krummstab
  immer  vereinigt  vordringen,  so  wurde  auch  jetzt  am  Fuße  der
Burg  eine  Kirche  erbaut,  um  dort  den  Slaven  das  Christenthum  zu
verkündigen.  Hier  bekam  nun  Vicelin  vom  Kaiser  seinen  Wohnsitz
angewiesen;  zu  seinem  und  seiner  Genossen  Unterhalt  erhielt  er  mehrere
Dörfer..)

Die  Pflanzung,  die  so  unter  des  Kaisers  eigener  Leitung  neu
angelegt  war,  hatte  sich  aber  nicht  lange  eines  ungestörten  Wachsthums
zu  erfreuen.  Vergeblich  hatte  sie  Lothar  dem  Schutze  des  Slavenfürsten
Pribizlav  empfohlen.  Schon  nach  kurzer  Zeit  begann  derselbe  eine
wüthende  Christenverfolgung:  Segeberg  sammt  seiner  neuen  Kirche
wurde  von  ihm  niedergebrannt,  nur  ein  Theil  der  dort  lebenden  Geistlichen
  entkam  glücklich  nach  Neumünster.  Sogar  diejenigen,  welche
in  Lübeck  selbst  und  unter  dem  unmittelbaren  Schutze  des  Pribizlav.
lebten,  blieben  nicht  verschont:  denn  dorthin  kam  des  Pribizlav  Gegner,
  Race,  und  verheerte  die  Stadt,  so  daß  auch  von  da  die  Priester
nach  Neumünster  fliehen  mußten.)  Diese  Ausschreitungen  der  Slaven
konnten  um  so  ungestörter  vor  sich  gehen,  als  gerade  damals  in  Sachsen
  selbst  der  Kampf  zwischen  Welfen  und  Hohenstaufen  ausgebrochen
war,  augenblicklich  also  das  von  inneren  Fehden  zerrissene  Land  seinen
  äußeren  Feinden  gegenüber  ziemlich  wehrlos  dastand.  Eben  damals
  war  Graf  Adolf  von  Schauenburg  verjagt  worden  und  der  Anhänger
  Albrecht  des  Bären,  Heinrich  von  Badewide,  an  seine  Stelle
gekommen.  Schon  drangen  die  Slaven  bis  in  den  Bezirk  von  Neumünster
  vor  und  die  dort  versammelten  Flüchtlinge  schwebten  in  ernstlicher
  Gefahr,  als  —  wie  wir  sahen  —  Graf  Heinrich  von  Badewide
diesem  Unwesen  durch  einen  kühnen  Zug  zur  Winterszeit  ein  Ende
machte.

Mit  dem  Ende  des  inneren  Kampfes  zwischen  Welfen  und  Hohenstaufen
  hatten  nun  auch  in  Sachsen  die  Dinge  wieder  ihre  alte  Gestalt
  angenommen.  Graf  Adolf  begann  seine  ausgezeichnete  Thätigkeit
  und  mit  ihm  Vicelin  sein  Bekehrungswerk  von  Neuem.  Nicht
fern  von  dem  Punkte,  wo  einst  das  in  den  letzten  Kämpfen  zerstörte

1)  Helm.  I  53.  Vgl.  Jafsé,  Lothar  2)  Helm.  I,  55.
v.  S.  p.  149.