Adolf  II.  und  Bischof  Vicelin.  47

Lübeck  des  Slavenfürsten  Heinrich  gelegen  hatte,  aber  mehr  stromaufwärts,
  wo  es  den  Angriffen  der  Slaven  von  der  See  her  nicht  so
sehr  ausgesetzt  war,  hatte  Graf  Adolf  eine  Stadt  gleiches  Namens
angelegt,  welche  nicht  blos  der  Mittelpunkt  der  nun  wieder  beginnenden
  Mission,  sondern  namentlich  der  des  gesammten  Handels  dieser
Gegend  wurde.  Vicelin  seinerseits  zog  tüchtige  Geistliche  ins  Land
und  hob  unter  ihrem  Beistande  das  tief  gesunkene  kirchliche  Leben  in
der  nachdrücklichsten  Weise.  Kirchen  und  Klöster  wurden  von  ihm
gegründet:  so  gleich  zuerst  ein  Kloster  in  Hagersdorf  bei  Segeberg,  wo
er  seinen  Geistlichen  eine  von  dem  Geschwirr  des  Handels  und  dem
Geklirr  der  Waffen  nicht  gestörte  Stätte  bereiten  wollte.")  Bei  Graf
Adolf  II.  fand  Vicelin  in  allen  seinen  Bemühungen  die  redlichste  Unterstützung:
  namentlich  verhalf  ihm  derselbe  zur  Wiedererlangung  der
Güter  und  Besitzungen,  welche  einst  Lothar  III.  der  von  Vicelin  in
Segeberg  gestifteten  Kirche  übergeben  hatte.)

Drittes  apitel.

Die  Erneuerung  des  Kampfes  in  Baiern  und  der  Streit
um  Dithmarschen.

So  begann  in  dem  während  der  letzten  Jahre  so  vielfach  kriegerisch
  bewegten  Sachsen  der  endlich  zurückgekehrte  Friede  bereits
seine  Früchte  zu  tragen.  Conrad  III.  selbst  bemühte  sich  redlichst
um  die  völlige  Beruhigung  des  Landes  und  suchte  das  Band  der
neuen  Verwandtschaft  zwischen  Welfen  und  Hohenstaufen  möglichst
zu  befestigen.

Zu  Anfang  des  Jahres  1143  begab  er  sich  selbst  nach  Sachsen,
hielt  zu  Goslar  einen  Reichstag  und  ging  dann  über  Hildesheim
nach  Braunschweig,  wo  er  nunmehr  als  Freund  und  Verwandter
und  versöhnter  Herrscher  von  Hoch  und  Niedrig  mit  Freude  und
Ehrerbietung  aufgenommen  wurde.  Namentlich  seine  Schwägerin,
die  Herzogin  Gertrud,  welche  im  Begriff  stand,  das  Land  zu  verlassen
und  in  ihr  neues  Herzogthum  überzusiedeln,  bemühte  sich,  ihm  ihre

1)  Helm.  I,  57.  58.  2)  Helm.  1.  57  eltr.

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G.