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52  1.  Buch.  3.  Kapitel.

waltthat  geneigte  Sinn  des  jungen  Herzogs  und  der  ihm  feindlich
gegenüberstehenden  sächsischen  Großen  bekannt,  er  mußte  daher  fürchten,
  daß  die  Gefangenschaft  in  solchen  Händen  ihm  sehr  böse  Zeiten
bringen  werde:  drohten  ihm  voch  schon  jetzt  vie  eifrigsten  unter  den
Herzoglichen  mit  dem  Tode.  Es  gelang  Hartwig  denn  auch,  durch
reichliche  Bestechungen  erst  die  Auslieferung  an  den  Herzog  zu
verzögern  und  dann  es  zu  erwirken,  daß  man  ihn  statt  dessen  zum
Markgrafen  Albrecht  führte,  der  ihn  denn  auch  sofort  in  Freiheit
setzte.)

So  hatte  Heinrich  seinen  Zweck  nicht  erreicht,  im  Gegentheil
der  Erfüllung  seiner  Wünsche  durch  übereilte  Gewaltthätigkeit  nur
neue  Hindernisse  in  den  Weg  gelegt.  Da  das  von  Conrad  eingesetzte
  Schiedsgericht  in  Folge  des  gewaltthätigen  Auftretens  der
Sachsen  nicht  zum  Ziele  gekommen  war,  so  wurde  die  Entscheidung
des  Streites  nun  an  den  Kaiser  selbst  verwiesen.  Zu  Anfang  des
Jahres  1145  hielt  Conrad  III.  einen  Reichstag  zu  Magdeburg,  wo
denn  auch  die  Streitsache  wegen  der  Grasschaft  Bremen  von  Neuem
verhandelt  wurde.  Conrad  untersuchte  die  Sache  selbst  noch  einmal
und  sprach  das  streitige  Besitzthum  nicht  Heinrich  von  Sachsen,  sondern
  dem  Propste  Hartwig  zu.

Schon  mochte  sich  bei  manchem  die  Besorgniß  regen,  daß  dieser
  Streit  und  die  gegen  Heinrich  ausgefallene  Entscheidung  Conrads
die  Veranlassung  werden  würde  zu  neuer  Fehde  in  Sachsen,  wohl
gar  zum  Wiederausbruch  des  dort  kaum  erst  gestillten  Kampfes  zwischen
  Welfen  und  Hohenstaufen.  Auch  Herzog  Welf  VI.  war  keineswegs
  mit  dem  Kaiser  ausgesöhnt,  vielmehr  schien  er,  nachdem  seine
letzte  Unternehmung  auf  Baiern  mislungen  war,  nur  auf  eine  günstige
  Gelegenheit  zur  Erneuerung  des  Kampfes  zu  warten.  Und  wenn
sich  Heinrich  von  Sachsen  gerade  in  dieser  Zeit  der  Spannung  mit
Conrad  in  seinen  Urkunden  als  Herzog  auch  von  Baiern  bezeichnete?),
  so  konnte  dies  allerdings  manchem  als  ein  bedenkliches  Anzeichen
  dafür  gelten,  daß  der  junge  Welfe  nunmehr  selbständig  die
einst  aufgegebenen  Ansprüche  auch  auf  das  zweite  Herzogthum  seines
Vaters  erneuern  würde.  Aber  gerade  in  dieser  Zeit  trat  in  den
auswärtigen  Beziehungen  des  Reichs  eine  so  bedenkliche  Wendung

1  Am  ausführlichsten  berichten  über  2)  Ann.  Palid.  L.  c.  —  principes
biesen  Streit  die  Ann.  Stadens.  p.  324  annuente  rege  comitiam  Bremensem  —
und  im  Wesentlichen  damit  überein-  Hartwigo  —  adiudicaverunt.

stimmend,  nur  in  der  Ebronologie  9  3)  Vgl.  Reg.  u.  6.
etwas  abweichend,  die  Ann.  Palid.  p.