54  1.  Buch  4.  Kapitel.

kanischen  Bestrebungen  zu  finden:  sie  schmeichelten  ihm  mit  ver  glänzenden
  Aussicht,  unter  ihrem  Beistande  den  Erbfeind  eines  groß  und
mächtig  blühenden  Kaiserthums  auf  die  allerknappsten  Befugnisse
zu  beschränken.))

Wenn  sich  Conrad  III.  auch  noch  für  keine  der  streitenden
Parteien  entschied,  insbesondere  aber  sich  wohl  niemals  mit  den  von
antiken  Freiheitsgedanken  trunkenen  Römern  eingelassen  haben  würde,
so  mußte  er  doch  ernstlich  daran  denken,  seinem  Ansehn  in  Italien
wiederum  Geltung  zu  verschaffen  und  den  trostlosen  Zuständen  daselbst
ein  Ende  zu  machen.  Besonders  mußte  er  dazu  angetrieben  werden,
wenn  er  sah,  wie  der  gefährlichste  seiner  dortigen  Gegner,  Roger
von  Stcilien,  seine  junge  Macht  immer  mehr  befestigt  hatte,  so  daß
er  damals  schon  eine  Einmischung  in  die  Angelegenheiten  des  nördlichen
  Italiens  beabsichtigen  konnte.  An  der  Spitze  eines  mächtigen
Heeres  den  Zug  nach  Italien  anzutreten,  war  daher  der  Gedanke,
der  Conrad  jetzt  am  nächsten  lag,  und  dessen  baldige  Ausführung
ihn  auch  ernstlich  beschäftigt  zu  haben  scheint.  Aber  gerade  in  dem
Augenblick,  wo  er  die  ersten  einleitenden  Maßregeln  dazu  treffen
wollte,  wurde  die  Christenheit  von  einer  Kunde  überrascht,  welche
ihre  größten  und  heiligsten  Interessen  als  gefährdet  und  die  Frucht
früherer,  unendlich  mühevoller  Anstrengungen  als  vernichtct  erscheinen
  ließ:  aus  dem  Morgenlande  traf  die  traurige  Botschaft  von
dem  Falle  des  festen  Edessa  ein  und  damit  von  der  neuen  Gefährdung
  des  einst  mit  Strömen  Blutes  befreiten  heiligen  Grabes.

Das  einst  in  dem  durch  die  gemeinsamen  Anstrengungen  der  Christenheit
  befreiten  Jerusalem  errichtete  Königthum  hatte  bald  nach  seiner
Gründung,  wie  all  dergleichen  Pflanzungen,  zu  kränkeln  begonnen
und  sich  einem  raschen  Verfall  entgegengeneigt.  Dem  kräftigen
Andringen  der  harten,  kriegsgeübten  türkischen  Stämme  vermochten
die  mit  dem  ganzen  Zopf  des  Lehnswesens  hierher  verpflanzten  und
daher  schnell  entartenden,  durch  ein  wildes  Leben  wie  durch  die  Einflüsse
des  Klimas  hinwelkenden,  vor  allem  aber  durch  inneren  Hader  und

gerade  an  solcher  Stelle  doppelt

Otto  Fris.  Vita  Frid.  I,  23  theilt
den  Brief  der  Römer  an  Conrad  mit,
in  dem  es  unter  Anderem  heißt:  „Ap-Propinquet
  itadue  nodbis  imperialis
beleriter  vigor:  quoniam  quioqoid  vultis
  in  urbe  obtinere  poteritis,  et  ut
#n  ist  ohne  Zweisel  für  das  finnlose
urbe  bei  Urstisius  zu  lesen)  breriter

unwürdige  Zwietracht  noch  mehr

et  succincte  loquumur,  potenter  in
urbe,  quac  caput  mundi  est,  ut  optamus,
  habitare,  toti  Italiue  ac  regno
Teutonico,  omni  clericorum  remoto
obstaculo,  liderius  et  melius  quam
omnes  fere  antecessores  vestri  dominari
  valebitis.