1146.

56  1.  Buch.  4.  Kapitel.

selbst  die  Kreuzpredigt;  außerdem  gewährte  er  den  Theilnehmern
an  dem  Zuge,  so  wie  ihren  zurückbleibenden  Angehörigen  Freiheiten
und  Vortheile  aller  Art,  schrieb  aber  gleichzeitig  zur  Deckung  der
Kosten  des  Zuges  eine  allgemeine  Abgabe  aus.  Bernhard  wandte
sich  zunächst  nach  Frankreich;  von  seiner  glühenden  Beredtsamkeit
in  seinem  Vorhaben  noch  mehr  bestärkt,  nahm  König  Ludwig  VII.
in  den  Ostertagen  1146  zu  Vezelay  das  Kreuz,  mit  ihm  zugleich
eine  bedeutende  Anzahl  französischer  Großer,  unter  ihnen  der  mächtige
  Graf  Theodorich  von  Flandern  und  Graf  Heinrich  von  Blois.

Dann  wandte  sich  Bernhard  nach  Deutschland,  um  vor  allen
Conrad  III.  für  die  Unternehmung  zu  gewinnen  —  ein  Ziel,  das  bei
der  damaligen  Lage  des  Reichs  wahrlich  nicht  leicht  erreicht  werden
konnte.  In  Deutschland  hatten  inzwischen  schon  andere  Geistliche
begonnen,  das  Volk  für  den  Kreuzzug  zu  begeistern,  zum  Theil  aber
in  einem  wenig  edlen  und  christlichen  Sinn:  namentlich  mußte  Bernhard
  sofort  dem  fanatischen  Wirken  eines  Mönchs,  Namens  Ruvdolf,
Einhalt  gebieten,  welcher  die  Bewohner  der  Rheinstädte  nicht  bloß
zum  Kreuzzug  gegen  die  Muhamedaner,  sondern  auch  gegen  die  mit
und  unter  ihnen  lebenden  Juden  aufreizte  und  dadurch  eine  furchtbare
  Judenverfolgung  veranlaßte.))  Bernhard  war  sich  der  Schwierigkeit
  der  Aufgabe,  die  er  zu  lösen  hatte,  wohl  bewußt  und  ging
mit  der  größten  Vorsicht  und  Gewandtheit  vorwärts.  Conrad  III.
war  dem  Unternehmen  entschieden  abgeneigt:  die  Lage  des  Reichs
erforderte  auch  ganz  dringend  seine  Anwesenheit,  und  wenn  er
Deutschland  jetzt  verlassen  wollte,  so  konnte  dies  eigentlich  nur  geschehn,
um  den  Wirrsalen  in  Italien  ein  Ende  zu  machen;  gerade  jetzt  das
Reich  ganz  sich  selbst  zu  überlassen  und  sich  auf  eine  so  weit  aussehende,
  in  ihrem  Erfolge  so  zweifelhafte  Unternehmung  einzulassen,
konnte  für  das  Reich  und  Conrads  eigene  Machtstellung  in  demselben
nur  von  äußerstem  Nachtheil  und  mit  ernstlicher  Gefahr  verbunden
sein.  Als  daher  Bernhard  zu  Anfang  des  Winters  1146  mit  Conrad
in  Frankfurt  zusammentraf,  erwies  ihm  der  König  zwar  alle  erdenkliche
  Ehrerbietung,  von  dem  Kreuzzuge  aber  war  weiter  gar  nicht
die  Rede,  da  auch  Bernhard  den  Augenblick  für  sein  Vorhaben
noch  nicht  für  günstig  hielt.  Zu  Weihnachten  trafen  beide  auf  dem
Reichstage  zu  Speier  zusammen:  jetzt  predigte  Bernhard  vor  den
versammelten  Fürsten  das  Kreuz,  aber  seine  flammenden  Worte

h)  Otto  Frie.  Vita  Fr.  I,  39.